Die NASA wird die Ankunft von Webb am endgültigen Bestimmungsort und die nächsten Schritte besprechen

Die Konzeption dieses Künstlers zeigt das vollständig entfaltete James Webb Space Telescope im All.

Die Konzeption dieses Künstlers zeigt das vollständig entfaltete James Webb Space Telescope im All.Credits: Adriana Manrique Gutierrez, NASA-Animator

Wissenschaftler und Ingenieure, die das James-Webb-Weltraumteleskop der NASA betreiben, werden am Montag, den 24. Januar um 15:00 Uhr EST in einer NASA Science Live-Sendung Fragen zu den neuesten Meilensteinen der Mission beantworten, gefolgt von einer Medien-Telekonferenz um 16:00 Uhr.

Die Sendung wird live online auf der NASA Science Live-  Website sowie auf YouTube , Facebook und Twitter ausgestrahlt . Der Ton der Telefonkonferenz wird live auf der Website der Agentur übertragen .

Bodenteams planen, Webbs Triebwerke am Montag, dem 24. Januar, um 14:00 Uhr abzufeuern, um das Weltraumteleskop am zweiten Lagrange-Punkt oder L2, seinem beabsichtigten Ziel, fast 1 Million Meilen von der Erde entfernt, in die Umlaufbahn um die Sonne zu bringen. 

Diese Korrekturverbrennung in der Mitte des Kurses ist seit langem für ungefähr 29 Tage nach dem Start geplant. Diese Woche wählte das Operationsteam der Mission das Zieldatum und die Zielzeit für die Verbrennung aus. 

Die Ingenieure beendeten auch das ferngesteuerte Bewegen der Spiegelsegmente von Webb aus ihren Startpositionen, um mit dem monatelangen Prozess der Ausrichtung der Optik des Teleskops zu beginnen.

Zuschauer dieser Folge „Wie geht es mit dem James-Webb-Weltraumteleskop weiter?“ können Fragen in den sozialen Medien mit dem Hashtag #UnfoldtheUniverse einreichen oder indem sie einen Kommentar im Chat-Bereich des Facebook- oder YouTube-Streams hinterlassen. Fragen aus der Bevölkerung werden beantwortet von:

  • Amber Straughn, stellvertretende Projektwissenschaftlerin für Webb-Kommunikation, Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt, Maryland
  • Scarlin Hernandez, Flugsystemingenieurin, Space Telescope Science Institute in Baltimore

Im Anschluss an die Episode wird die NASA eine Medien-Telekonferenz veranstalten, die sich auf die L2-Einfügungsverbrennung und Spiegelbewegungen sowie die nächsten Schritte zur Vorbereitung von Webb auf die Durchführung von Wissenschaft konzentriert. Der Anruf beinhaltet:

  • Lee Feinberg, Elementmanager des Webb-Optikteleskops, Goddard
  • Amy Lo, Leiterin der Webb-Fahrzeugtechnik, Northrop Grumman
  • Keith Parrish, Betriebsleiter des Webb-Observatoriums, Goddard
  • Jane Rigby, Webb Operations Project Scientist, Goddard

Quelle: https://www.nasa.gov/press-release/nasa-to-discuss-webb-s-arrival-at-final-destination-next-steps

NASA to Discuss Webb’s Arrival at Final Destination, Next Steps

This artist’s conception shows the fully unfolded James Webb Space Telescope in space.

This artist’s conception shows the fully unfolded James Webb Space Telescope in space.Credits: Adriana Manrique Gutierrez, NASA Animator

Scientists and engineers operating NASA’s James Webb Space Telescope will answer questions about the mission’s latest milestones in a NASA Science Live broadcast at 3 p.m. EST Monday, Jan. 24, followed by a media teleconference at 4 p.m.

The broadcast will air live online on the NASA Science Live website, as well as YouTubeFacebook, and Twitter. Audio of the teleconference will stream live on the agency’s website.

Ground teams plan to fire Webb’s thrusters at 2 p.m. Monday, Jan. 24 to insert the space telescope into orbit around the Sun at the second Lagrange point, or L2, its intended destination, nearly 1 million miles from Earth. This mid-course correction burn has long been planned for approximately 29 days after launch. This week, the mission operations team selected the target date and time for the burn. Engineers also finished remotely moving Webb’s mirror segments out of their launch positions to begin the months-long process of aligning the telescope’s optics.

Viewers of this episode, “What’s Next for the James Webb Space Telescope?” can submit questions on social media using the hashtag #UnfoldtheUniverse or by leaving a comment in the chat section of the Facebook or YouTube stream. Questions from the public will be answered by:

  • Amber Straughn, deputy project scientist for Webb communications, NASA’s Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland
  • Scarlin Hernandez, flight systems engineer, Space Telescope Science Institute in Baltimore

Following the episode, NASA will host a media teleconference focused on the L2 insertion burn and mirror movements, as well as the next steps in preparing Webb to conduct science. The call will feature:

  • Lee Feinberg, Webb optical telescope element manager, Goddard
  • Amy Lo, Webb vehicle engineering lead, Northrop Grumman
  • Keith Parrish, Webb observatory commissioning manager, Goddard
  • Jane Rigby, Webb operations project scientist, Goddard

Digital Services Act: EU-Parlament stimmt für „Plattform-Grundgesetz“

Die EU-Abgeordneten haben ihre Position zum Digital Services Act (DSA) beschlossen. Grenzüberschreitende Löschanordnungen kommen, Tracking wird eingeschränkt.

Behörden aller Art sollen Host-Providern künftig ohne Richtervorbehalt grenzüberschreitende Anordnungen schicken können, um gegen illegale Inhalte wie strafbare Hasskommentare, Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauch oder die unautorisierte Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke vorzugehen. Betroffene Plattformen müssen solche Angebote dann „ohne unangemessene Verzögerung“ sperren oder blockieren und bei schweren Straftaten zudem an die Polizei melden.

Für eine solche Vorgabe hat sich das EU-Parlament mit breiter Mehrheit von 530 zu 78 Stimmen bei 80 Enthaltungen am Donnerstag in der Plenarabstimmung zum Digital Services Act (DSA) ausgesprochen. Es folgte dabei weitgehend der Empfehlung des federführenden Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO). Mit dem Beschluss haben die Volksvertreter ihre Linie zu dem sogenannten Plattform-Grundgesetz verabschiedet. Auf dieser Basis finden nun die Verhandlungen mit den EU-Staaten über einen finalen Kompromiss statt. Der Ministerrat hatte seine Position bereits im November abgesteckt.

Grenzüberschreitend soll die Wirkung einer Anweisung gegen illegale Inhalte laut DSA in der Regel auf das Hoheitsgebiet des anordnenden EU-Lands beschränkt werden. Die Abgeordneten wollen ferner sicherstellen, dass Nutzern und den betroffenen Firmen „wirksame Rechtsbehelfe“ zur Verfügung stehen. Diese sollen die Wiederherstellung von Inhalten einschließen, die fälschlicherweise als rechtswidrig angesehen und entfernt wurden.

Das Parlament will zudem gewährleisten, dass Meldungen nicht willkürlich und auf diskriminierende Weise bearbeitet werden. Die Grundrechte – wie etwa das auf freie Meinungsäußerung – seien beim Erlassen und Befolgen einschlägiger Anordnungen zu beachten.

Die Bestimmungen beziehen sich auch auf schädliche Inhalte wie Desinformation. Darauf zielen vor allem Auflagen für Empfehlungssysteme, die Plattformen etwa in ihren News-Feeds verwenden. Mit dem DSA müssten sie die Funktionsweise der dafür genutzten Algorithmen transparent machen. Ferner sollen Plattformen für automatisierte Entscheidungen stärker zur Verantwortung gezogen werden.

Zu den erfassten digitalen Services gehören Mittlerdienste wie Internetprovider und Domain Registrierstellen. Erfasst werden auch soziale Netzwerke, E-Commerce-Anbieter sowie Cloud- und Webhoster. Ihre Pflichten variieren je nach Rolle, Größe und Auswirkungen. Für kleine Unternehmen fordern die Abgeordneten Ausnahmen.

Kernelemente des DSA-Entwurfs sind neben Maßnahmen zur Entfernung von Inhalten („Notice and Action“) aktualisierte Haftungsvorschriften und Regeln für personalisierte Reklame. Eine fraktionsübergreifende KoalitionBürgerrechtler sowie Teile des Mittelstands drängten hier auf ein weitgehendes Verbot von „spionierender Werbung“ mit Microtargeting. So weit ging das Parlament nicht, es will aber die Verwertung besonders sensibler Daten zu Herkunft, Gesundheit sowie sexueller oder politischer Orientierung untersagen. Gezielte Reklame bei Minderjährigen soll zudem generell untersagt werden.

Plattformen müssen ferner dafür sorgen, dass Nutzer einfach und informiert im Einklang mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in gezielte Werbung einwilligen können. Ein Nein darf dabei „nicht schwieriger oder zeitaufwändiger“ sein als ein Opt-in. Die Volksvertreter wollen so etwa „Do not Track“-Einstellungen im Browser gesetzlich verankern, um das Aufploppen von Einwilligungsbannern zu reduzieren. Stimmt ein Nutzer nicht zu, soll er „andere faire und angemessene Optionen“ für den Zugang zu einer Plattform erhalten.

Enthalten ist ferner eine Klausel gegen Design-Tricks wie „Dark Patterns“. Plattformbetreiber dürfen demnach die Struktur oder Funktionsweise ihrer Online-Schnittstelle oder eines Teils davon nicht dazu verwenden, um eine freie Entscheidung oder Wahl der Nutzer zu verhindern. Anbieter dürfen zwar prinzipiell weiter direkt mit Usern interagieren, um ihnen Dienste anzubieten. Ein wiederholtes Einfordern einer Einwilligung in eine Datenverarbeitung ist aber untersagt, wenn einmal ein Nein erfolgte. Ein Anbieter darf eine von ihm bevorzugte Option zudem nicht etwa farblich hervorheben.

Sehr große Online-Plattformen mit über 45 Millionen Usern müssen Risikoabschätzungen durchführen und ausgemachte Gefahren etwa für die Demokratie, den öffentlichen Diskurs oder den Jugendschutz minimieren. Sie sollen ihre Daten mit Behörden, Forschern und zivilgesellschaftlichen Organisationen teilen, damit ihre Arbeitsweise überprüft und ein Lagebild erstellt werden kann. Die Volksvertreter wollen es Nutzern und Verbraucherschutzorganisationen ermöglichen, Schadenersatz zu verlangen, wenn Betreiber ihre Sorgfaltspflicht nicht eingehalten haben.

Entdeckt eine sehr große Plattform Deep Fakes, also manipulierte Bild-, Audio- oder Videoinhalte zum täuschend echten Nachahmen einer Person, muss sie diese entsprechend kennzeichnen. Solche Netzwerke sollen auch ein alternatives Empfehlungssystem anbieten, das nicht auf Profiling basiert.

Das Parlament drängt auch auf einen neuen Artikel zum bildbasierten sexuellen Missbrauch auf Porno-Plattformen. Nutzer sollen Bilder, Videos oder Texte auf Erotik-Portalen wie Pornhub und xHamster erst hochladen dürfen, wenn sie beim Betreiber eine E-Mail-Adresse und Mobilfunknummer hinterlegt haben. Vorgesehen ist zudem ein einfacher Meldemechanismus für „Rachepornos„. Online-Marktplätze sollen die Verbreitung rechtswidriger Produkte oder Dienstleistungen durch Gewerbetreibende, die ihren Dienst nutzen, bestmöglich erkennen und mithilfe einer Datenbank verhindern.

Vorgezeichnet ist ein Recht auf durchgehende Verschlüsselung. „Die Mitgliedstaaten dürfen Anbieter von Vermittlungsdiensten nicht daran hindern, Ende-zu-Ende-verschlüsselte Dienste anzubieten“, fordern die Volksvertreter. Dies sei für das Vertrauen ins Netz und die Cybersicherheit unerlässlich. Die EU-Länder sollen Diensten wie Facebook, WhatsApp, Signal & Co. ferner keine „allgemeine Pflicht auferlegen, die anonyme Nutzung ihrer Dienste einzuschränken“.

Mehrere Ausschüsse und Fraktionen hatten noch hunderte Änderungsanträge eingebracht, die aber nur noch teils eine Mehrheit fanden. Der Innenausschuss machte sich etwa vergeblich dafür stark, dass Gerichte über Löschanordnungen entscheiden sollen. Die Abgeordneten stimmten aber etwa für einen Antrag, wonach die Geschäftsbedingungen von Plattformen grundrechtskonform sein und etwa die Meinungs- und die Medienfreiheit einhalten müssen. Betreiber sollen zudem „angemessene Anstrengungen“ unternehmen, um die anonyme Nutzung und Bezahlung von Online-Diensten zu ermöglichen.

Binnenmarktkommissar Thierry Breton freute sich, dass die EU mit dem Beschluss einen „historischen Schritt“ gehe, um den „Wilden Westen“ zu beenden, „der unseren Informationsraum dominiert“. Es werde sichergestellt, dass die neuen Regeln EU-weit einheitlich angewendet würden. Sie gälten für „alle Akteure“, nicht nur für europäische. Auf Twitter titulierte der Franzose den DSA sogar als „neuen Sherriff in der Stadt“ unterlegt von kommentierten Szenen aus dem Western „Zwei glorreiche Halunken“. Deutsche Politiker hoffen vor allem, mit dem DSA stärker gegen Hass und Hetze sowie Impfpassfälschungen auf dem Chat-Dienst Telegram vorgehen zu können.

Quelle: https://www.heise.de/news/Digital-Services-Act-EU-Parlament-stimmt-fuer-Plattform-Grundgesetz-6333752.html


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Der Digital Services Act gefällt mir, endlich liefert die EU mal. Wenn die EU-Abgeordnete wollen können sie auch. Sowas hätten wir schon vor 10 bis 20 Jahren gebraucht. Endlich beginnt die Heiße Phase im Gesetzgebungsverfahren. Und in wenigen tagen (Stand 20.01.2022) startet die Übermittlung Strafbarer Inhalte ans BKA, besser kann man nicht ins Wochenende starten.

Neben dem neuen NetzDg und der in wenigen tagen startenden Übermittlung Strafbarer Inhalte ans BKA ist der Digital Services Act eine weiter ganz große Liebe die mein Herz höher schlagen lässt. Endlich beginnt die Heiße Phase im Gesetzgebungsverfahren. „Alles, was offline verboten ist, muss auch online verboten sein“, sagt die dänische Sozialdemokratin Christel Schaldemose, die den Gesetzentwurf aus dem EU-Parlament federführend betreut. Dem kann ich nur zustimmen.

Big-Tech das ich nicht lache eher Big Straftäter und Unterstützer für Kriminalität im digitalen Raum. Endlich wird Facebook, Googel, Twitter usw. an die kurze leine genommen sich mal um ihren Digitalen Müll zu kümmern. Erst schafft man diese Sozial-Media und dann kann man das nicht kontrollieren, das ist ein NO-GO – wenn man sowas aufbaut muss man es auch kontrollieren. Bar und Disco Betreiber in der Offline-Welt müssen das auch, gegen Drogen, Leute die sich nicht benehmen und und..

Warum sollte Big-Tech alias Big Straftäter eine Ausnahme bekommen, diese kriminelle Bande (Die mir schon lange ein Dorn im Auge sind) kann vielleicht in den USA machen was Sie wollen, aber an der Europäischen-Außengrenze haben die es ganz einfach zu unterlassen und sich unsere Gesetzte zu halten, Schluss mit dem digitalen Wilden Westen für diese Banditen (Facebook, Googel, Twitter usw.) – das sind ganz schwere Jungs die es Faustdick hinter den Ohren haben. Endlich legt Sie die EU übers Knie. Besser kann man nicht ins Wochenende starten.

Christian Dauck

Strengere EU-Regeln für Tech-Konzerne

Stand: 20.01.2022 10:58 Uhr

Das EU-Parlament entscheidet heute über den „Digital Services Act“. Das Gesetzespaket sieht strengere Regeln für Tech-Konzerne vor. Die Plattformen werden stärker in die Verantwortung genommen.Von Stephan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Schluss mit dem digitalen Wilden Westen, ein neuer Sheriff ist in der Stadt – so heißt es in Brüssel. Die EU hat sich einiges vorgenommen. Es geht um nichts Geringeres als um das „erste Grundgesetz für das Internet“. Der zuständige Binnenmarktkommissar Thierry Breton hat sogar extra ein Twitter-Video mit Western-Atmosphäre produziert. 

Der „Digital Services Act“ (DSA), das Gesetz über digitale Dienste, soll die Online-Welt verändern und die enorme Marktmacht der großen Konzerne einschränken. Facebook, Google, Twitter, Amazon und die anderen Digital-Giganten müssen sich in Europa auf schärfere Regeln einstellen. 

„Alles, was offline verboten ist, muss auch online verboten sein“, sagt die dänische Sozialdemokratin Christel Schaldemose, die den Gesetzentwurf aus dem EU-Parlament federführend betreut. Vorgesehen ist unter anderem, dass die großen Plattformen mehr Verantwortung für ihre Marktplätze im Internet übernehmen, damit keine gefälschten oder gefährlichen Produkte mehr verkauft werden.

Schritte gegen illegale Inhalte, Hass und Hetze

Nach dem Willen des Europaparlaments sollen die Online-Dienste in Zukunft schneller als bisher gegen illegale Inhalte wie Hass oder Hetze vorgehen und zum Beispiel Live-Übertragungen von Terroranschlägen – wie zuletzt in Neuseeland passiert – möglichst verhindern.

Außerdem dürfen die Konzerne persönliche Daten von Kindern und Jugendlichen nicht mehr für gezielte Werbung und individuell zugeschnittene Inhalte nutzen, etwa für die Verbreitung überzogener Schönheitsideale, weil das bei den Nutzern zu Magersucht führen kann.

Mehrheit im Parlament gilt als sicher

Trotz aller Bedenken aus unterschiedlichen Richtungen: Eine Mehrheit für die Pläne gilt als sicher. Mit der Entscheidung des Parlaments sind allerdings noch nicht alle Hürden aus dem Weg geräumt. Die Abgeordneten müssen sich jetzt mit den Vertretern der Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission auf eine gemeinsame Linie verständigen. Die Verhandlungen sollen in den nächsten Tagen beginnen. 

Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/eu-digital-service-act-101.html


Digital Services Act: „Total krasses Vorhaben“

Das EU-Parlament bringt ein Gesetz auf den Weg, das schon jetzt als historisch gilt. Weltweit zum ersten Mal versucht ein Gesetzgeber, die Grundrechte der Bürger*innen auf Google, Facebook & Co. durchzusetzen.

„Schweizer Taschenmesser“ für die Kriminalitätsbekämpfung

Immerhin im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung habe die EU schon jetzt Großes geleistet, findet Matthias Kettemann, Rechtsprofessor an der Universität Innsbruck: Die deutschen Gesetze zur Bekämpfung illegaler Inhalte, allen voran das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ (NetzDG), nähmen sich aus wie ein „Zahnstocher“ im Vergleich zu dem „Schweizer Taschenmesser“, das die EU da vorlege.

Dieses Gesetz schreibe den Konzernen nicht nur vor, so Kettemann, üble Morddrohungen und Aufrufe zum Umsturz umgehend zu löschen und an die Behörden zu melden – sondern auch alle Arten illegaler Aktivitäten. Von Drogenverkäufen bis zum Waffenhandel. Positiv sei auch der Verzicht auf Löschfristen, findet Julia Reda von der Gesellschaft für Freiheitsrechte:  Nur bei eindeutigen Äußerungen und Aktivitäten müssten die Konzerne sofort löschen. Ansonsten sollen sie die Entscheidungen der Gerichte abwarten.

Empfindliche Geldstrafen, politischer Druck

Alles Regelungen, an die sich aus Sicht von Expert*innen die Konzerne wahrscheinlich halten werden. Denn da sind zum einen die saftigen Sanktionen, die der DSA vorsieht: Die EU droht Konzernen, die ihre Netzwerke nicht entsprechend regulieren, hohe Geldstrafen an. Letzte Details seien noch in Ausarbeitung, so Kettemann, „aber nach aktuellen Berichten sind sehr hohe Strafen vorgesehen, die bis zu 20 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes und – letztlich – auch hin zur Aufspaltung und Zerschlagung von Plattformen führen können“.Hält den „Digital Services Act“ für das „Schweizer Taschenmesser“ bezüglich der Kriminalitätsbekämpfung im Netz: Matthias Kettemann, Rechtsprofessor an der Universität Innsbruck.

Zum anderen werde auch der politische Druck, der mit einem solchen Gesetzespaket einher geht, über kurz oder lang Wirkung entfalten, glaubt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC). Selbst auf Unternehmen, die sich bislang Regulierungen entziehen: „Wenn Telegram irgendwann Geld verdienen will“, etwa indem es Werbung von EU-Unternehmen schaltet, „können die sich schwerlich den europäischen Gesetzen entziehen“.

Quelle: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Digital-Services-Act-Total-krasses-Vorhaben,digitalservicesact100.html

Mars-Rover Perseverance: Dreck verhindert Einlagerung der nächsten Bodenprobe

Ein Monat stillstand, hoffentlich bekommen Sie das Problem in den nächsten tagen in den Griff damit die Fahrt und Erforschung weitergeht.

Die kieselsteingroßen Steinen im Bit Carousel auf dem Marsrover Perseverance wurde am 7. Januar 2022 von der WATSON (Wide Angle Topographic Sensor for Operations and eNgineering) aufgenommen.

Das Missionsteam hat methodisch und gründlich gearbeitet und gute Fortschritte bei der Suche nach dem besten Weg gemacht, um die ungebetenen Kieselsteine aus dem Bit-Karussell von Perseverance zu entfernen. Über das vergangene Wochenende und Anfang dieser Woche wurden Arbeitsabläufe entwickelt und auf der Erde getestet, um diese felsigen Eindringlinge zu entfernen.

Nach Abschluss der terrestrischen Experimente hat das Team mit der Umsetzung der Strategie zur Schadensbegrenzung auf dem Mars begonnen. Am 12. Januar 2022  wurde eine detaillierte Bildaufnahme des Bodens unter Perseverance durchgeführt.

Dies geschah, damit das Team eine gute Vorstellung davon erhielt, welche Felsen und Kiesel dort unten bereits vorhanden sind, bevor demnächst weitere Kiesel aus dem Bit-Karussell dazukommen. 
Das Wissenschaftsteam ist derzeit nicht sicher, wie viel entkerntes Gestein sich noch in Röhre 261 befindet.
So hat Team Befehle zum Rover geschickt mit dem Inhalt, dass der Roboterarm des Rovers einfach das offene Ende der Probenröhre auf die Marsoberfläche richten und die Schwerkraft den Rest erledigen lassen wird.

Die nächsten Schritten in der Strategie zur Entschärfung von der Kieselsteinen: es wurden  Befehle an den Rover gesendet und ihn damit beauftragen, zwei Rotationstests des Bit Karussells durchzuführen. Diese Tests (der erste, eine kleine Drehung; der zweite, eine größere) werden an diesem Wochenende durchgeführt. Das Team geht davon aus, dass diese Drehungen, und jede anschließende Bewegung des Steins, dem Team die nötigen Informationen für das weitere Vorgehen liefern werden. Der Gründlichkeit halber befehlen sie dem Rover jedoch auch, eine zweite Reihe von Bildern unter dem Gehäuse aufzunehmen, für den Fall, dass sich ein oder mehrere Kieselsteinchen lösen. 

Es wird erwartet, dass die Daten und Bilder dieser beiden Rotationstests am 18. Januar 2022, zur Erde gesendet werden. Dann werden die Pläne analysiert und weiter verfeinert.
Vermutlich wird der Rover etwa noch eine Woche an jetzigen Standort bleiben, oder sogar noch länger, wenn es eine Entscheidung für eine erneute Beprobung von Issole gibt.
Wenn die Pläne mit der Kieselsteinentschärfung gut laufen, wird das Team vielleicht versuchen, „Issole“ (das Gestein, aus dem diese Probe entnommen wurde) erneut zu entkernen.

Das Perseverance-Team erforscht alle Aspekte des Problems, um sicherzustellen, dass der Rover nicht nur den felsigen Schutt los wird, sondern auch um zu verhindern, dass sich eine ähnliche Situation bei künftigen Probenahmen wiederholt. Im Grunde genommen lassen sie bei der Suche nach diesen vier Kieselsteinen keinen Stein auf dem anderen. 

Quelle:
https://mars.nasa.gov/mars2020/mission/status/357/pebbles-before-mountains/


Pebbles Before Mountains
Written by Jennifer Trosper, Project Manager at NASA’s Jet Propulsion Laboratory

NASA's Mars Perseverance rover acquired this image using its onboard SHERLOC WATSON imager. The camera is located on the turret at the end of the rover's robotic arm. The image was acquired on Jan. 13, 2022 (Sol 320).

Mars Perseverance Sol 320 – WATSON Image: NASA’s Mars Perseverance rover acquired this image using its onboard SHERLOC WATSON imager. The camera is located on the turret at the end of the rover’s robotic arm. The image was acquired on Jan. 13, 2022 (Sol 320). Credits: NASA/JPL-Caltech. Download image ›

NASA’s Mars 2020 mission team has been working methodically and thoroughly, making good progress on understanding the best path forward to remove the uninvited pebbles from Perseverance’s bit carousel. Over the previous weekend, and earlier this week, operational sequences were developed and tested to remove these rocky interlopers.

With terrestrial experimentation complete, we have begun executing our mitigation strategy on Mars. On Jan. 12 we did a detailed image survey of the ground below Perseverance. This was done so we would have a good idea what rocks and pebbles already exist down there before some more – from our bit carousel – join them in the not-so-distant future.  

With this below-chassis, preliminary imaging, in hand, the team embarked on a maneuver with our robotic arm I never imagined we would perform – ever. Simply put, we are returning the remaining contents of Sample Tube 261 (our latest cored-rock sample) back to its planet of origin. Although this scenario was never designed or planned for prior to launch, it turns out dumping a core from an open tube is a fairly straightforward process (at least during Earth testing). We sent commands up yesterday, and later on today the rover’s robotic arm will simply point the open end of the sample tube toward the surface of Mars and let gravity do the rest.

I imagine your next question is, “Why are you dumping out the contents of the sample tube?” The answer is that, at present, we are not certain how much cored rock continues to reside in Tube 261. And while this rock will never make my holiday card list, the science team really seems to like it. So if our plans go well with our pebble mitigation (see below), we may very well attempt to core “Issole” (the rock from which this sample was taken) again.

Which brings me to next steps in our pebble mitigation strategy: we’re sending up commands to the rover later today, ordering it to do two rotation tests of the bit carousel. These tests (the first, a small rotation; the second, larger) will execute this weekend. Our expectations are that these rotations – and any subsequent pebble movement – will help guide our team, providing them the necessary information on how to proceed. Still, to be thorough, we are also commanding the rover to take a second set of under-chassis images, just in case one or more pebbles happen to pop free.   

We expect the data and imagery from these two rotation tests to be sent to Earth by next Tuesday, Jan. 18. From there, we’ll analyze and further refine our plans. If I had to ballpark it, I would estimate we’ll be at our current location another week or so – or even more if we decide to re-sample Issole.

So there you have it. The Perseverance team is exploring every facet of the issue to ensure that we not only get rid of this rocky debris but also prevent a similar reoccurrence during future sampling. Essentially, we are leaving no rock unturned in the pursuit of these four pebbles.

Quelle: https://mars.nasa.gov/mars2020/mission/status/357/pebbles-before-mountains/

Astronomie: Mögliche Exomonde im Visier – Zweiter Exomond Kandidat entdeckt

Künstlerische Darstellung des möglichen Exomondes Kepler-1708 b-i samt seines Planeten und Heimatsterns.

Astronomen präsentieren erneut Hinweise auf einen Mond in einem fernen Sternsystem. Er umkreist einen jupitergroßen Planeten und besitzt den Daten zufolge planetare Ausmaße: Kepler-1708 b-i ist vermutlich 2,6 Mal größer als die Erde. Es handelt sich dabei um den erst zweiten heißen Kandidaten für einen extrasolaren Planetenbegleiter, denn ihr Nachweis bleibt schwierig. Sollten sich die Sichtungen bestätigen, verdeutlichen sie, dass Monde typischerweise zu den Planetensystemen des Universums gehören.

In unserem Sonnensystem wimmelt es geradezu von ihnen: Rund 170 Monde bilden neben den Planeten die Welten unserer kosmischen Heimat. Vor allem unter den zahlreichen Trabanten von Jupiter und Saturn gibt es dabei ausgesprochen spannende Exemplare: Die Monde Europa und Enceladus könnten beispielsweise in ihrem Inneren flüssiges Wasser besitzen und kommen damit sogar als potenzielle Lebensräume in Frage. Auch unserem irdischen Mond wird zumindest indirekt eine wichtige Rolle im Bezug auf das Leben zugesprochen: Er stabilisiert unsere Welt entscheidend. Damit richtet sich der fragende Blick in die Weiten des Weltalls. Es ist davon auszugehen, dass viele Planeten ferner Sternsysteme ebenfalls von Monden umkreist werden. Handfeste Beweise fehlen dafür allerdings bisher.

Fernen Monden auf der Spur

„Astronomen haben schon Tausende von Exoplaneten gefunden, aber Exomonde aufzuspüren stellt eine viel größere Herausforderung dar. Deshalb sind sie noch eine Terra incognita“, sagt Erstautor David Kipping von der Columbia University in New York. Sein Team hat vor etwa vier Jahren erstmals einen Exomond-Kandidaten um den Planeten Kepler-1625b präsentiert. Die Astronomen fanden die Hinweise auf das Gespann durch die sogenannte Transitmethode. Sie beruht darauf, dass Himmelskörper das Licht ihres Zentralsterns leicht abdimmen, wenn sie an ihm vorbeiziehen. Der Begleiter eines Planeten kann dabei natürlich nur für ein besonders feines Signal in den Lichtkurven sorgen. Dennoch lieferten die Daten Hinweise auf einen möglicherweise neptungroßen Trabanten von Kepler-1625b. Die Existenz des Exomonds gilt aber nach wie vor nicht als zweifelsfrei bestätigt.

Auf den nun zweiten Kandidaten für einen solche Trabanten stießen Kipping und seine Kollegen im Rahmen ihrer weiteren Exomond-Fahndung. Sie suchten nach Spuren in Lichtkurven-Daten, die vom „Planeten-Jäger“-Weltraumteleskop Kepler der NASA stammen. Der Fokus der Wissenschaftler lag dabei auf 70 Gasplaneten-Kandidaten, die ihren jeweiligen Stern in einem größeren Abstand als zwischen Sonne und Erde umkreisen. Denn wie der Mondreichtum von Jupiter und Saturn in unserem Sonnensystem vermuten lässt, sind bei äußeren Großplaneten die besten Chancen auf Funde zu erwarten.

Wie das Team berichtet, stießen sie im Fall des Planeten Kepler-1708 b auf ein verdächtiges Signal. Dieser etwa Jupiter-große Gasriese umkreist einen sonnenähnlichen Stern, der sich rund 5500 Lichtjahre von der Erde entfernt im Bereich der Sternbilder Cygnus und Lyra befindet. In den analysierten Lichtkurven-Daten fanden die Forscher Hinweise darauf, dass er nicht allein an seinem Mutterstern vorbeizieht. „Es ist ein hartnäckiges Signal“, so Kipping. Es lässt sich den Analysen der Wissenschaftler zufolge am besten durch die Existenz eines großen Exomonds im Orbit um Kepler-1708 b erklären.

Ein riesiger Begleiter zeichnet sich ab

Aus den bisherigen Informationen geht hervor, dass der vermutete Begleiter mit der Bezeichnung Kepler-1708 b-i etwa 2,6 Mal größer als die Erde ist. Damit wäre er etwa um ein Drittel kleiner als der bisherige Exomond-Kandidat Kepler-1625 b-i. Beide vermuteten Monde bestehen den Astronomen zufolge wohl aus Gas, das sich durch ihre starke Anziehungskraft angesammelt hat. Es scheint auch möglich, dass es sich zunächst um Planeten gehandelt hat, die dann in die Umlaufbahnen um Kepler-1625b beziehungsweise 1708b gezogen wurden und sich so zu deren Trabanten entwickelten. Neben solchen Riesenmonden gibt es aber wahrscheinlich auch viele kleinere Monde – so wie in unserem Sonnensystem. „Die ersten Entdeckungen bei einer Durchmusterung sind in der Regel die auffälligsten Exemplare – wir finden mit unserer begrenzten Empfindlichkeit am leichtesten die großen“, so Kipping.

Wie er und seine Kollegen selbst betonen, sind nun weitere Untersuchungen nötig, um die neusten Ergebnisse zu untermauern. So könnten etwa Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble mehr Informationen liefern. Denn bisher bleiben Fragen offen. Zu den jüngsten Hinweisen kommentiert etwa Eric Agol von der University of Washington: „Es könnte sich nur um eine Schwankung in den Daten handeln, die entweder auf den Stern oder auf instrumentelles Rauschen zurückzuführen ist“, so der Astronom. Aber Kipping zeigt sich optimistisch und verweist darauf, dass auch die Suche nach Exoplaneten anfangs fragwürdige Resultate geliefert hat – ähnlich wie heute die Fahndung nach Exomonden.

Quelle: Columbia University, Fachartikel: Nature Astronomy, doi: s41550-021-01539-1

Quelle: https://www.wissenschaft.de/astronomie-physik/moeglicher-exomond-im-visier/


Zweiter Exomond-Kandidat entdeckt
5.500 Lichtjahre entfernter Gasplanet könnte von einem Mini-Neptun umkreist werden

So könnte der neuentdeckte Exomond Kepler-1708b-i aussehen (links). Es handelt sich um einen Mini-Neptun, der einen jupiter-ähnlichen Gasriesen umkreist.

Extrasolarer Trabant: Astronomen haben einen zweiten möglichen Exomond entdeckt. Dieser umkreist einen jupitergroßen Exoplaneten in rund 5.500 Lichtjahren Entfernung, wie Auffälligkeiten in der Lichtkurve von dessen Transit nahelegen. Der neuentdeckte Trabant ist wahrscheinlich ein massereicher „Supermond“: Er ist gut doppelt so groß wie die Erde und deutlich schwerer, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Astronomy“ berichten. Wie solche Riesenmonde entstehen, ist noch unklar.

Ob Erde, Mars oder die großen Gasriesen: In unserem Sonnensystem haben fast alle Planeten mindestens einen Mond. Es liegt daher nahe, dass auch extrasolare Planeten solche Trabanten besitzen. Diese könnten sogar lebensfreundliche Bedingungen bieten – ähnlich wie im Kinofilm „Avatar“ der Mond Pandora. Doch solche Exomonde aufzuspüren, ist extrem schwierig: Sie sind oft zu klein für die Transitmethode und zu leicht, um durch ihre Schwerkrafteffekte aufzufallen.

Bisher ist deshalb erst ein Exomond-Kandidat bekannt. Dieser umkreist den rund 8.000 Lichtjahre entfernten Gasriesen Kepler 1625b und könnte selbst neptungroß und gasreich sein. Entdeckt wurde er, weil seine Präsenz subtile Schwankungen in den Lichtkurven des vor seinem Stern vorüberziehenden Planeten verursacht. Wegen seines extrem weiten Orbits vermuten Astronomen, dass dieser Exomond möglicherweise einst ein Planetenkern war, der von dem jungen Gasriesen eingefangen wurde.

Mondfahndung unter extrasolaren Jupitern

Auf der Suche nach weiteren Exomonden hat ein Team um David Kipping von der Columbia University in New York systematisch die Transitdaten von rund 70 Exoplaneten analysiert, die vom Weltraumteleskop Kepler beobachtet worden waren. Gemeinsam war diesen Planeten, dass sie alle kühle Gasriesen sind, die ihre Sterne in relativ großem Abstand umkreisen – ähnlich wie unser Jupiter.

„Die jupitergroßen Planeten sind von besonderem Interesse, weil die Bildung von Trabanten bei ihnen als natürliche Folge des Entstehungsmechanismus gilt“, erklären die Astronomen. Weil die Gasriesen sich in besonders dichten Regionen der Urwolke bilden, bleibt genug Material für Monde übrig, zudem ist die Chance für das Einfangen eines Mondes wegen ihrer großen Schwerkraft größer. Im Sonnensystem haben Jupiter und Saturn sogar einen ganzen Hofstaat von mehreren Dutzend Monden.

Bei den 70 Kandidatenplaneten analysierten Kipping und sein Team die Lichtkurven auf Merkmale hin, die einen Mond anzeigen könnten. Zusätzlich glichen sie die Kurven mit Modellen ab, die für jeden Exoplaneten das Aussehen der Kurven mit und ohne Mond simulierten.

Ein Mini-Neptun als Trabant eines Gasriesen

Das Ergebnis: Elf Kandidaten kamen in die engere Wahl, aber nur einer erfüllte alle Kriterien – der Exoplanet Kepler-1708b. Zwar gibt es von diesem Planeten nur Daten zu zwei Transits, aber deren Lichtkurve deutet darauf hin, dass er von einem Trabanten begleitet wird. „Es ist ein sehr robustes Signal – wir haben es auf Herz und Nieren geprüft, aber es ging nicht weg“, berichtet Kipping. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein falsch-positives Signal handelt, liegt nach Angaben der Forschenden bei 0,024 Prozent.

Denn Beobachtungen zufolge liegt der mögliche Exomond rund 5.500 Lichtjahre von uns entfernt und umkreist den jupitergroßen Gasplaneten Kepler-1708b im Abstand von etwa zwölf Planetenradien. Der Trabant dieses Gasriesen ist gut zweieinhalb mal so groß wie die Erde und relativ massereich – er entspricht demnach einem gasreichen Mini-Neptun. „Verglichen mit Kepler-1625b ist unser Mondkandidat aber substanziell kleiner, in einem engeren Orbit und scheint sich auf gleicher Ebene wie die Planetenbahn zu bewegen“, berichten Kipping und eine Kollegen.

Rätsel um „Supermonde“

Damit scheint auch der zweite bekannte Exomond-Kandidat, Kepler-1708b-i, ein massereicher, planetengroßer Supermond zu sein. Nach Angaben der Astronomen ist dies aber zu erwarten, weil Exomonde schwer aufzuspüren sind und ihre subtilen Signale an der Auflösungsgrenze der Teleskope liegen. „Die ersten Entdeckungen bei Durchmusterungen sind daher meist die Ausreißer“, erklärt Kipping. „Denn sie sind mit unseren begrenzten Möglichkeiten am einfachsten zu finden.“

Ob solche massereichen Supermonde allerdings wirklich existieren können und wie sie entstehen, ist noch unklar. Selbst der vor vier Jahren entdeckte Exomond-Kandidat um Kepler-1625b ist bis heute umstritten – auch weil kein Teleskop der Welt direkte Aufnahmen dieser Monde liefern kann. Allerdings haben Astronomen mit den Radioteleskopen des ALMA-Observatoriums 2021 erstmals eine zirkumplanetare Scheibe um einen jungen extrasolaren Gasriesen entdeckt – eine rotierende Wolke aus Staub und Gas, die genug Material für drei Erdmond-große Trabanten oder einen Supermond enthält.

Weitere Beobachtungen nötig

Im Fall des neuentdeckten Exomond-Kandidaten Kepler-1708b-i hoffen die Astronomen, dass Beobachtungen mit weiteren Teleskopen wie dem Hubble-Weltraumteleskop mehr Informationen über den Planeten und seinen potenziellen Begleiter liefern werden. „Wir finden zwar keinen Grund, Kepler-1708b-i als Exomond abzulehnen, aber Vorsicht und weitere Beobachtungen sind nötig“, betonen auch Kipping und sein Team.

Zudem schließen die Astronomen nicht aus, dass auch einige der anderen 69 überprüften Exoplaneten einen Mond besitzen. „Einige unserer Kandidaten könnten echte Mondsignale gezeigt haben“, erklären sie. „Aber bei jedem von ihnen gab es mindestens einen Grund, warum das Signal nicht stark genug für eine eindeutige und sichere Entdeckung war.“ (Nature Astronomy, 2022; doi: 10.1038/s41550-021-01539-1)

Quelle: Columbia University

14. Januar 2022

Quelle: https://www.scinexx.de/news/kosmos/zweite-exomond-kandidat-entdeckt/


Haben Astronomen den ersten Exomond entdeckt? Gasriese Kepler 1625b hat höchstwahrscheinlich einen neptungroßen Trabanten

So könnten der Exoplanet Kepler 1625b und sein Mond aussehen. Beide kreisen in der habitablen Zone, ähneln aber Gasplaneten.

Extrasolarer Trabant: Astronomen könnten den ersten Mond um einen extrasolaren Planeten entdeckt haben. Der Exomond umkreist den rund 8.000 Lichtjahre entfernten Gasriesen Kepler 1625b und ist wahrscheinlich so groß wie der Planet Neptun. Erste Hinweise auf diesen Mond hatten die Forscher bereits im letzten Jahr in der Lichtkurve des Planeten entdeckt. Jetzt haben Beobachtungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop den Verdacht erhärtet.

Ob Erde, Mars oder die großen Gasplaneten Jupiter, Saturn, Neptun und Uranus: In unserem Sonnensystem haben fast alle Planeten mindestens einen Mond. Astronomen vermuten daher schon länger, dass es auch extrasolare Planeten mit Trabanten geben muss. Sie könnten sogar lebensfreundliche Bedingungen bieten – ähnlich wie im Kinofilm „Avatar“ der Mond Pandora

Bisher allerdings haben Astronomen noch keinen Exomond nachgewiesen. Das Problem: Weil Monde oft viel kleiner sind als ihre Planeten, ist ihr Signal nur schwer aufzuspüren. Beim Transit von Planet und Mond vor ihrem Stern macht sich ein Mond nur als winzige Delle oder Unregelmäßigkeit in der Lichtkurve bemerkbar. Die Schwerkraftwirkung des Mondes auf Stern und Planet ist dagegen kaum vom „Störrauschen“ zu unterscheiden.

Ein erster Kandidat

Doch trotz dieser Schwierigkeiten hatten Alex Teachey und David Kipping von der Columbia University in New York schon im letzten Jahr einen vielversprechenden Exomond-Kandidaten im Visier: Daten des Weltraumteleskops Kepler sprachen dafür, dass der rund 8.000 Lichtjahre entfernte Exoplanet Kepler 1625b einen Trabanten besitzen könnte. „Wir sahen kleine Abweichungen und Schwankungen in der Lichtkurve, die unsere Aufmerksamkeit weckten“, berichtet Kipping.

Bei dem Exoplaneten handelt es sich um einen Gasriesen von der Größe des Jupiter, aber mit etwas größerer Masse, wie die Forscher berichten. Der Planet umkreist einen sonnenähnlichen Stern im Abstand von rund einer astronomischen Einheit. Planet und Mond könnte sich damit in der habitablen Zone dieses Sterns befinden – wenn es diesen Mond tatsächlich gibt.Eine kleine zweite „Delle“ in der Transit-Lichtkurve könnte von dem Mond stammen, der seinem Planetee folgt.© Dan Durda

Eine zweite „Delle“ in der Lichtkurve

Um das herauszufinden, haben Teachey und Kipping Beobachtungszeit am Hubble-Weltraumteleskop beantragt – und bekommen. 40 Stunden lang konnten sie den Transit des Planeten Kepler 1625b vor seinem Stern verfolgen und dabei von der hohen Auflösung der Hubble- Wide-Field-Kamera profitieren. Parallel dazu analysierten die Forscher noch einmal die Kepler-Daten und verglichen sie mit astrophysikalischen Modellen.

Das Ergebnis: Die Hubble-Beobachtungen bestätigten auffällige Abweichungen in der Lichtkurve des Exoplaneten. So zeigte sich rund 3,5 Stunden nach der von ihm verursachten Abdimmung des Sternenlichts eine zweite, schwächere „Delle“ in der Lichtkurve. „Das passt zu einem Mond, der seinem Planeten folgt wie ein Hund an der Leine“, erklärt Kipping. „Unglücklicherweise endete unsere Beobachtungszeit, bevor wir den kompletten Transit des Mondes aufzeichnen konnten.“

…und ein taumelnder Planet

Doch es gab noch ein Indiz in der Hubble-Lichtkurve: Kepler 1625b begann seinen Transit knapp 78 Minuten früher als aufgrund seiner Umlaufbahn zu erwarten wäre. „Solche Abweichungen in der Transitzeit gehören zu den Anzeichen, durch die sich Exomonde entdecken lassen“, erklären die Forscher. Denn die Schwerkraft des Mondes bringt auch den Planeten leicht ins Taumeln, so dass dieser mal vor und mal hinter der vorhergesagten Position steht. „Wenn eine extraterrestrische Zivilisation den Transit von Erde und Mond vor der Sonne beobachten würde, sähen sie ähnliche Anomalien in den Transitzeiten der Erde“, erklärt Kipping.

Allerdings: „Auch Störungen durch einen noch unentdeckten Planeten könnte für solche Schwankungen der Transitzeiten verantwortlich sein“, räumen die Astronomen ein. Deshalb haben sie mögliche Erklärungen für die beobachteten Auffälligkeiten in einem astrophysikalischen Modell durchgespielt. „Unser Job war es, einen kühlen Kopf zu bewahren und alle Wege auszutesten, durch die uns die Daten vielleicht in die Irre führen könnten“, sagt Teachey.

Ist das der erste Exomond?

Das Resultat: „Ein Begleitmond ist die einfachste und naheliegendste Erklärung für die zweite Delle in der Lichtkurve und die Abweichungen in der Umlaufzeit“, sagt Teachey. „Unsere Modelle mit einem Planeten plus Mond lagen in allen Testdurchgängen in puncto Wahrscheinlichkeit vorn.“ Demnach könnte der Planet Kepler 1625b einen neptungroßen Trabanten besitzen, der ihn auf einer um 45 Grad gekippten Umlaufbahn umkreist.

Der Exomond hat den Berechnungen nach rund 1,5 Prozent der Masse seines Planeten – das entspricht fast dem Massenverhältnis von Erde und Mond, wie die Forscher erklären. Im Gegensatz zum Erdmond ist der Trabant von Kepler 1625b allerdings kein steiniger Himmelskörper mit fester Kruste, sondern vorwiegend gasförmig. „Er ist daher vermutlich für Leben, wie es kennen, eher ungeeignet“, sagt Kipping.

Sollten sich die Ergebnisse der Astronomen bestätigen, wäre Kepler 1625b-i der erste außerhalb unseres Sonnensystems nachgewiesene Mond. Die Forscher wollen nun weitere Beobachtungszeit am Hubble-Teleskop beantragen, um dies weiter zu erhärten. „Gelingt dies, dann könnte uns dieses System wertvolle Informationen über die Entwicklung planetarer Systeme und die Bildung von Monden liefern“, sagt Kipping. (Science Advances, 2018; doi: 10.1126/sciadv.aav1784)

(Columbia University, 04.10.2018 – NPO)

4. Oktober 2018

Quelle: https://www.scinexx.de/news/kosmos/haben-astronomen-den-ersten-exomond-entdeckt/

Total super! EU-Taxonomie: Umweltorganisationen machen Druck auf Bundesregierung/ Deutschland sollte sich der Klage vor dem EuGH anschließen

Umwelt- und Klimaorganisationen lassen nicht locker: Sie fordern die Ampel auf, die geplante Einstufung von Atomkraft und Gas als nachhaltig abzulehnen und sich einer Klage vor dem EuGH anzuschließen.

AKW Gundremmingen abgeschaltet
Atomkraft: Die EU-Kommission will den Energieträger als nachhaltig einstufen. 
Den kompletten Brief finden Sie: https://network.bellona.org/content/uploads/sites/5/2022/01/22-01-10_Verb%C3%A4ndebrief-EU-Taxonomie_BK-Scholz.pdf

Eine Gruppe Umwelt- und Klimaorganisationen fordert die Bundesregierung auf, der von der EU-Kommission geplanten Einstufung von Atomkraft und Erdgas als nachhaltige Technologien entschieden entgegenzutreten.

„Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, wir zählen auf Sie“, heißt es in einem offenen Schreiben von 13 Organisationen an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), das dem Handelsblatt vorliegt. „Stoppen Sie das Greenwashing schmutziger und gefährlicher Technologien, die der Vergangenheit angehören, und ebnen Sie den Weg zur Klimaneutralität – auf europäischer wie auf nationaler Ebene.“

Toll dieser Druck und wie sich endlich widerstand gegen die EU-Taxonomie formiert.

Die Organisationen, darunter der Deutsche Naturschutzring (DNR), Germanwatch und WWF, fordern die Bundesregierung auf, im Europäischen Rat gegen die Aufnahme von Atomkraft und Gas zu stimmen und sich der von Österreich und Luxemburg geplanten Klage vor dem Europäischen Gerichtshof anzuschließen. „Setzen Sie sich für eine Erweiterung der Klage auch gegen die Aufnahme von Erdgas ein.“

Die EU-Länder haben bis zum 21. Januar Zeit, um auf den Entwurf der EU-Kommission zu reagieren. Der Zeitraum wurde verlängert – ursprünglich war der 12. Januar Stichtag.

Bei der Taxonomie handelt es sich um ein Klassifizierungssystem für nachhaltige Finanzprodukte – quasi eine in Brüssel erarbeitete Liste aller ökologisch nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten. Bislang war aber offen geblieben, ob Investitionen in Atomkraft und Gas als nachhaltig gelten. Seit Jahren wird über das Thema gestritten. In der Silvesternacht 2021 schickte die EU-Kommission dann die Mitteilung heraus, derzufolge Atomkraft und Erdgas als grüne Investitionen eingestuft werden sollen.

Stringente Kriterien für den Zubau von Erdgas-Kraftwerken

Ein Fehler, sagen die Umweltverbände. Damit Deutschland und Europa die Klimaziele erreichen könnten, müsse die Nutzung fossiler Energieträger schnellstmöglich beendet statt ausgebaut werden, heißt es in dem am Dienstag versandten Schreiben der 13 Organisationen. Auch wenn für einen begrenzten Übergangszeitraum Erdgas Teil des Energiemixes sein werde, sei eine Einstufung des Energieträgers als nachhaltig falsch.

In dem an Scholz und fünf Bundesminister gerichteten Brief fordern die Verbände die Bundesregierung auf, stringente Kriterien für den im Koalitionsvertrag angekündigten Zubau von Erdgas-Kraftwerken auf nationaler Ebene auszuarbeiten.
Die Klassifizierung von Atomkraft und Erdgas als nachhaltig ist kaum zu verhindern. Dafür müssten sich mindestens 20 EU-Staaten zusammenschließen, die mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung in der EU vertreten. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hat eine Stellungnahme der Bundesregierung angekündigt. Rechtlich bindend wird diese allerdings nicht sein. 

Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/nachhaltige-energietraeger-eu-taxonomie-umweltorganisationen-machen-druck-auf-bundesregierung/27962494.html?ticket=ST-2900694-HLfWplBQD3GhMtKxne3u-ap3

Jetzt unterschreiben. EU-Taxonomie: Nein zu Atom und Gas/Soll am Dienstag, 11. Januar an die Bundesregierung übergeben werden

BUND, Campact, Deutsche Umwelthilfe, Bürgerbewegung Finanzwende, Greenpeace, IPPNW, Nabu, Umweltinstitut und Uranium Network rufen mit ihren Unterstützer*innen die Ampel-Regierung dazu auf, die Taxonomie-Pläne der EU-Kommission zu verhindern. Diese sehen vor, Investitionen in Atomkraft und Erdgas als nachhaltig einzustufen. Das Bündnis sieht hierdurch die Energiewende bedroht und den Klimaschutz Europas massiv gefährdet. Denn Investitionen würden so statt in Erneuerbare Energien und CO2-freie Flexibilitätsoptionen in fossile und atomare Technologien umgelenkt. Nach Einschätzung des Bündnisses unterlaufen die Pläne zudem den Grundgedanken der Taxonomie als eine Art Nachhaltigkeitslabel. „Wenn auch klimaschädliche und hochriskante Energieträger als nachhaltig gelten, wird das ganze Label entwertet – das hätte eine fatale internationale Signalwirkung“, warnt das Bündnis.

Die Organisationen fordern daher gemeinsam mit ihren Unterstützer*innen die Ampel-Regierung auf, im EU-Ministerrat gegen den Vorschlag der EU-Kommission zu stimmen. Wenn nötig müsste, so das Bündnis, die Ampel vor dem Europäischen Gerichtshof klagen.

Antje von Broock, Bundesgeschäftsführerin für Politik und Kommunikation beim BUND: „Gas und Atom sind nicht nachhaltig. Diesen Etikettenschwindel der EU darf die deutsche Bundesregierung nicht mitmachen. Nur mit einem Nein gegen Atomkraft und Gas als nachhaltige Technologien in der EU-Taxonomie bleibt Olaf Scholz glaubwürdig. Seine Regierung muss eine Stimme für Nachhaltigkeit und umweltverträglichen Fortschritt sein. Statt in veraltete ‚Dinosaurier‘-Technologien zu investieren, braucht es Investitionen in wirklich nachhaltige erneuerbare Energien.“

Christoph Bautz, Geschäftsführender Vorstand von Campact: „Olaf Scholz darf nicht länger lavieren, sondern muss ein klares Nein Deutschlands zu den Taxonomie-Plänen der EU-Kommission formulieren. Andernfalls fließen Milliarden Euro in hochriskante und klimaschädliche Atomkraft- und Gasprojekte. Scholz hat sich im Wahlkampf als Klimakanzler präsentiert – jetzt muss er dies auch einlösen.“

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe: „Die Bundesregierung muss die Taxonomie in ihrer jetzigen Form ablehnen. Atomkraft und fossiles Gas passen nicht zum klimapolitischen Versprechen ihres Koalitionsvertrages. Deshalb muss sie alle Hebel in Bewegung setzen, um dieses katastrophale Regelwerk zu stoppen. Enthaltung ist keine Haltung.“

Magdalena Senn, Referentin für nachhaltige Finanzmärkte bei der Bürgerbewegung Finanzwende: „Mit ihrem Einknicken vor nationalen Interessen erweist die EU-Kommission nachhaltigen Finanzmärkten in Europa einen Bärendienst und betreibt Greenwashing. Die Ampel-Regierung muss verhindern, dass mit den Vorschlägen der EU-Kommission das Wirrwarr verschiedener Standards weitergeht. Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa benötigen klare, einheitliche Kriterien für nachhaltige Finanzprodukte.“

Martin Kaiser, Geschäftsführender Vorstand Greenpeace Deutschland: „Wir fordern von der Bundesregierung eine klare Ablehnung der EU-Taxonomie, die Atom und Gas als nachhaltig erklärt. Falls notwendig, muss die Regierung auch dagegen klagen. Die Haltung von Scholz, Habeck und Lindner bei der EU-Taxonomie ist ein erster Lackmus-Test: Steht die Ampel in Fragen der Nachhaltigkeit für einen echten und von der Bevölkerung erwarteten Aufbruch – oder gibt es mit ihr ein ‚Weiter so‘ nach Art der alten GroKo. Jeder Euro für Atomstrom fehlt uns am Ende beim echten Klimaschutz.“

Angelika Claußen, Co-Vorsitzende der IPPNW: „Ein Nachhaltigkeitslabel für Atomenergie und Erdgas ist ein klima- und energiepolitischer Irrweg. Jeder Cent der hier investiert wird, fehlt beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Für Frankreich steht bei der Investition in den veralteten Industriezweig Atomenergie ein klares militärisches Interesse im Vordergrund: ‚Ohne zivile Atomenergie gibt es keine militärische Nutzung, und ohne die militärische Nutzung auch keine zivile Atomenergie‘ (Zitat Emmanuel Macron, 2020).“

Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Wir fordern die Bundesregierung auf, den Kommissionsentwurf abzulehnen. Denn er betreibt billiges Greenwashing, obwohl die Taxonomie ein wichtiges klima- und umweltpolitisches Instrument sein könnte. Durch die Entscheidung droht wertvolle Zeit für die klimaneutrale Transformation von Strom und Wärme verloren zu gehen.“

Hauke Doerk, Referent für Radioaktivität am Umweltinstitut München: „Die von der EU-Kommission eigens eingesetzte technische Expertengruppe hat auf wissenschaftlicher Basis Atomenergie aus der Taxonomie ausgeschlossen. Es ist absurd, die Kriterien für nachhaltige Finanzen aufzuweichen, nur weil Lobbyisten Druck machen, oder manche Länder ihre Investitionen in Atomkraft oder fossiles Gas grün anstreichen wollen.“

Günter Wippel, Mitbegründer von Uranium Network: „Der Ausschluss von Uranbergbau aus dem Delegated Act ist absolut inakzeptabel: Uranbergbau ist integraler Bestandteil der nuklearen Brennstoffkette, diesen auszuklammern führt zu einer völlig falschen Beurteilung von Atomkraft. Dies hängt auch eng mit der Illusion zusammen, einen geschlossenen Brennstoffkreislauf erreichen zu können – mit Reaktoren, die ihren Brennstoff selbst erbrüten: eine gefährliche Illusion, an der die Atomindustrie schon in der Vergangenheit gescheitert ist.“

Mehr Informationen

  • zum Eil-Appell
  • Der Eil-Appell wird am Dienstag, 11. Januar 2022, in den Vormittagsstunden an die Bundesregierung übergeben.

Quelle: https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/buendnis-appell-zur-eu-taxonomie-nein-zu-atom-und-gas/

Bundeskriminalamt – Hoffentlich geht es am 1. Februar los / Bekämpfung von Hasskriminalität: Facebook und Google stellen sich quer

Das geänderte NetzDG sieht vor, dass soziale Netzwerke Morddrohungen und andere Delikte nicht mehr wie derzeit löschen, sondern dem BKA anzeigen müssen.

Das Bundeskriminalamt wird von den beiden US-Konzernen vorerst doch keine Daten über strafbare Inhalte erhalten. Das Kölner Verwaltungsgericht muss entscheiden.

Die im Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) vorgesehene Meldung strafbarer Inhalte von Betreibern sozialer Netzwerke an das Bundeskriminalamt (BKA) ab dem 1. Februar gerät ins Stocken. Das teilte eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums dieser Redaktion mit. Grund seien Anträge auf einstweilige Anordnung gegen das Gesetz von Facebook und Google beim Verwaltungsgericht Köln.

Zwar hätten die Anträge „keine aufschiebende Wirkung“, sagte die Sprecherin. Das Ministerium habe jedoch im August gegenüber beiden Konzernen erklärt, dass es die geplanten Maßnahmen „bis zur Beendigung des Eilverfahrens aussetzen wird“.

Das geänderte NetzDG sieht vor, dass soziale Netzwerke Morddrohungen und andere Delikte nicht mehr wie derzeit löschen, sondern dem BKA anzeigen müssen. Die Wiesbadener Behörde hat entsprechende Vorbereitungen getroffen und eine „Zentrale Meldestelle für strafbare Inhalte im Internet“ mit etwa 200 Beamtinnen und Beamten aufgebaut.

Die Eilentscheidung fällt wohl spätestens im Februar

Diese Meldestelle kann sich aber ab dem 1. Februar vorerst nur jenen strafbaren Inhalten widmen, die ihr von anderen sozialen Netzwerken angezeigt werden, nicht denen von Facebook und Google. Das gilt nach Informationen dieser Redaktion, solange das Kölner Verwaltungsgericht die Entscheidung im Eilverfahren getroffen hat. Sollte diese zugunsten der Konzerne ausgehen, würde die Arbeit der Meldestelle voraussichtlich komplett ruhen, bis das Gericht in der Hauptsache entscheidet.

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Hoffentlich Urteilt das Kölner Verwaltungsgericht gegen die Internet-Konzerne. Ich hab solange auf den Start der neuen Meldestelle beim Bundeskriminalamt und den Beamten/tinnen gewartet. Dieses tolle und grandiose „Projekt“ was ein Novum für die Strafverfolgung/Justiz bedeutet, darf einfach nicht scheitern.

Hoffentlich geht es am 1. Februar los für die „Zentrale Meldestelle für strafbare Inhalte im Internet“ mit etwa 200 Beamtinnen und Beamten aufgebaut.

Seit Jahren hab ich das Gesetzgebungsverfahren mit allen höhen und tiefen verfolgt, ich möchte diese Meldestelle und deren 200 Beamten und Beamtinnen weil es ein Novum (etwas Neues, noch nicht dagewesenes) in der Strafverfolgung und für die Justiz wäre.

Eine noch nie dagewesen Moderne Strafverfolgung und Justiz, wäre schon total Cool. Nicht diese angestaubten Beamten und Beamtinnen in den örtlichen Polizeistationen bundesweit: die auf verbrechen warten, Fahrraddiebstähle, Taschendiebstähle aufklären oder Tiere über die Straße, noch schlimmer die Streife gehen und fahren, eine digitale Generation von Beamten und Beamtinnen muss her: die neue „Zentrale Meldestelle für strafbare Inhalte im Internet“, die neue und Moderne „Elite“ in der Strafverfolgung/Justiz. Hoffentlich Urteilt das Kölner Verwaltungsgericht gegen die Internet-Konzerne.

Christian Dauck

Zuletzt hatte es in Regierungskreisen Unmut gegeben, weil die Anträge auf einstweilige Anordnung schon im Juli ergangen sind, ohne dass das Gericht bis jetzt reagiert hätte. Nun heißt es, die Eilentscheidung werde wohl spätestens im Februar fallen.

Facebook und Google halten es für unverhältnismäßig, alle Posts selbst auf Strafbarkeit prüfen und sie im Zweifel an das BKA weiter leiten zu müssen. Da die alte Koalition mit dem NetzDG und der Anzeigepflicht Neuland betreten hat, steht eine juristische Grundsatzentscheidung an, die durchaus zulasten des Gesetzgebers ausfallen könnte.

Private Unternehmen unterliegen einem Interessenkonflikt

Abgesehen davon arbeitet die Europäische Union an einem Digital Services Act, mit dem grundsätzlich neue Regeln für große Plattformbetreiber geschaffen werden sollen. Das hätte Konsequenzen auch für Deutschland.

FDP-Vizefraktionschef Konstantin Kuhle sagte: „Mit Blick auf die neue Meldepflicht für soziale Netzwerke ist Skepsis angebracht. Denn das Netzwerkdurchsetzungsgesetz enthält weiterhin einen entscheidenden Webfehler: Über die Strafbarkeit einzelner Inhalte hat in Deutschland die Justiz zu entscheiden und nicht, wie im Gesetz vorgesehen, private Unternehmen.“

Diese unterlägen einem Interessenkonflikt, weil sie von der Reichweite und Geschwindigkeit der Äußerungen auf ihren Plattformen selbst profitierten und gleichzeitig als Schiedsrichter auftreten sollten. Unter dieser Doppelfunktion leide die Freiheit im Internet. Kuhle betonte: „Deshalb kann das Netzwerkdurchsetzungsgesetz nicht so bleiben, wie es ist.“ Die Justiz müsse eine stärkere Rolle bekommen.

Quelle: https://www.nw.de/nachrichten/wirtschaft/23158824_Bekaempfung-von-Hasskriminalitaet-Facebook-und-Google-stellen-sich-quer.html

James Webb: Kritische Entfaltung beginnt/Untersucht nicht nur die Frühzeit des Universums nach dem Urknall

Ab 2. Januar beginn die Entfaltung des Sonnenschutzschildes was ca. 2 Tage dauert, danach der sekundär Spiegel dann der Primärspiegel.


Beobachtungen mit James Webb, unter anderem:

Garantierte Zeitbeobachtungsprogramme in Zyklus 1

Das JWST Guaranteed Time Observations (GTO)-Programm soll Wissenschaftler belohnen, die bei der Entwicklung der wichtigsten Hardware- und Softwarekomponenten oder des technischen und interdisziplinären Wissens für das Observatorium mitgewirkt haben. Das Programm sieht in den ersten 3 Betriebszyklen eine Gesamtnutzung des Observatoriums von etwa 16% vor. Die genehmigten GTO-Programme sind nachfolgend nach wissenschaftlichen Themen geordnet aufgelistet.

Um Details zu einem bestimmten Programm anzuzeigen, wählen Sie unten eine Wissenschaftskategorie aus und klicken Sie dann auf die Programm-ID.

Archivrecherchen

Programme mit diesem Symbol haben Komponenten, die keinen exklusiven Zugriffszeitraum haben und als Grundlage für GO Cycle 1 Archival Research (AR) Proposals verwendet werden können.

-Thermische Emission von Trappist1-b

-Transitspektroskopie von TRAPPIST-1e

-Erkundung der unterirdischen Ozeane von Europa und Enceladus mit JWST

-Titan Klima, Zusammensetzung und Wolken

Quelle: https://www.stsci.edu/jwst/science-execution/approved-programs/cycle-1-gto

-Atmosphärische Aufklärung der TRAPPIST-1-Planeten

-Die Monde des Uranus: Eine NIRSpec-Untersuchung ihrer Ursprünge, organischen Bestandteile und möglichen Aktivitäten in der Ozeanwelt

-Spurengase in Titans Atmosphäre mit JWST MIRI

Zusammenfassung
In diesem JWST-Datenarchivprojekt schlagen wir vor, MIRI-MRS-Spektren von Titan zu modellieren, die im Rahmen des GTO-Projekts Nr. 1251 („Titan Climate, Composition and Clouds“) aufgenommen wurden, mit dem Ziel, neue chemische Spezies in der Atmosphäre von Titan zu entdecken. Insbesondere werden wir uns auf den Spektralbereich von 5-7 Mikrometer konzentrieren, der bisher weder von Cassinis Infrarotspektrometern noch von anderen Observatorien gesehen wurde. Dieser Spektralbereich enthält molekulare Banden vieler organischer Moleküle, die bisher in der Atmosphäre von Titan nicht zu sehen waren, die dank der sehr hohen Empfindlichkeit von JWST zum ersten Mal nachgewiesen werden können. Solche neuen Entdeckungen würden einen großen Beitrag zu unserem Wissen über die organische Chemie des Titans und zum breiteren Gebiet der Astrobiologie leisten.

Das ist nur eine kleine Liste, die ich kurz mal vorstelle. Als die Tagesschau über den Start berichtet hat war der Beitrag sowas von dilettantisch. Die Medien berichten oft nur das James Webb „Ein  Blick zurück in die Frühzeit des Weltalls nach dem Urknall“ liefert. Einer der sich nicht für Raumfahrt interessiert glaubt dann, das „James Webb“ mache nur das.

Ich warte doch nicht auf ein langweiliges Teleskop das (nur) ein Blick in die Frühzeit liefert.

Das Tehmenfeld ist groß und vielfältig, die kann kann man gar nicht alle im Detail ausführen

-Exoplaneten und Scheiben

-Galaxien

-Intergalaktisches Medium und das zirkumgalaktische Medium

-Großräumige Struktur des Universums

-Astronomie des Sonnensystems

-Sternphysik und Sterntypen

-Stellare Populationen und das interstellare Medium

-Supermassive Schwarze Löcher und AGN

Quelle: https://www.stsci.edu/jwst/science-execution/approved-programs/cycle-1-go

Und nicht (nur): soll die Frühzeit des Universums vor 13 Milliarden Jahren und damit nur wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall erforschen. Denn nur dafür war das Teleskop viel zu lange im Bau und viel zu teuer. Für 30 Jahre Entwicklung und kosten von etwa 10 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro) bekommt der nicht interessierte Raumfahrt-Steuerzahler natürlich viel mehr.

Hier auch ein interessantes Video, wie optimistisch Forscher sind: James-Webb-Weltraumteleskop: Wird außerirdisches Leben schon nach 200 Stunden gefunden?

Finden wir schon sehr bald ausserirdisches Leben? Der Start des James-Webb-Weltraumteleskops mit einer europäischen Ariane 5-Rakete steht bevor. Das schärfste Weltraumteleskop, das es je gab hebt am 24. Dezember vom europäischen Weltraumhafen in Französisch Guiana ab. Schon nach 200 Stunden Beobachtungszeit, also nach wenigen Tagen einsatzfähig im Weltraum könnte der Hubble-Nachfolger dann bereits außerirdisches Leben gefunden haben! Das internationale Forschungsteam hat vor allem den Planeten Trappist-1e ins Visier genommen. Es handelt sich um einen Exoplaneten, der den Zwergstern Trappist-1 in der habitablen Zone umkreist.

Quelle: https://arxiv.org/abs/2111.09685

Die Forscher sind ja noch optimistischer als ich. Soweit würde ich jetzt nicht gehen. Aber da versteht man warum der Hype um das Teleskop total riesig ist. Ob Monde oder Exoplaneten für die Astrobiologie könnten James Webb den lang ersehnten Durchbruch in der Forschung bringen.

Für die Astronomie beginnt ein goldenes Zeitalter.

IXPE: SpaceX startet erfolgreich das Röntgenteleskop der NASA zur Beobachtung von Schwarzen Löchern

Die Mission Imaging X-ray Polarimetry Explorer IXPE.

Die Falcon 9-Rakete von SpaceX startete am 09.12.2021 von der Kennedy Space Center in Florida, das heute gegen 1 Uhr ET die Mission Imaging X-ray Polarimetry Explorer IXPE der NASA an Bord nimmt.CNN berichtet.

Der Start wurde auch von SpaceX getwittert.

Die Mission ist eine Zusammenarbeit zwischen der NASA und der italienischen Weltraumbehörde. Sie folgt dem anderen Röntgenobservatorium der NASA.Chandra, die gestartet wurde im Jahr 1999, aber nicht so groß. Das IXPE hat drei Teleskope an Bord mit einem Fokus auf den übersehenen Aspekt der kosmischen Strahlung, der Polarisation genannt wird, berichtete CNN.

Röntgenstrahlen werden im Weltraum aus einer Vielzahl von Quellen wie kollidierenden Objekten, Magnetfeldern, hohen Temperaturen oder Explosionen erzeugt. Diese Strahlen tragen einzigartige Signaturen, die helfen können, ihre Quelle zu identifizieren, aber die Erdatmosphäre verhindert, dass sie die Oberfläche erreichenWissenschaftler schicken daher Röntgenteleskope in den Weltraum, um unser Universum und den Ursprung von Objekten darin zu verstehen.

Röntgenteleskope haben in der Vergangenheit die Helligkeit und das Farbspektrum von Himmelskörpern gemessen. Durch die Untersuchung der Polarisation der von diesen Körpern emittierten Strahlen können Wissenschaftler jedoch auch Informationen darüber gewinnen, was diese Strahlen auf ihrem Weg passiert haben, CNNgemeldet.

Die empfindlichen Polarisationsdetektoren wurden in Italien hergestellt und werden mit den Teleskopen der Mission zusammenarbeiten, um Bilder von Himmelskörpern wie Schwarzen Löchern und Neutronensternen aufzunehmen. Der CNN-Bericht sagte, dass die Wissenschaftler mit Polarisationsdaten, die mit diesen Bildern aufgenommen wurden, sein werdenin der Lage, diese kosmischen Objekte, ihre Umgebung und wie sie diese Röntgenstrahlen erzeugen, besser zu verstehen. Das IXPE wird Wissenschaftlern helfen, mehr Einblicke in Bereiche des Weltraums zu gewinnen, die wir kaum kennen, einschließlich der Gründe, warum diese Objekte kosmisches Material drehen oder verschlingen.Engadget gemeldet.

Der Start dauerte nur etwa eine Minute und die NASA hat die erfolgreiche Trennung der IXPE von der bestätigtSpaceX-Rakete.

Quelle: https://www.wissenschaft-x.com/spacex-successfully-launches-nasas-x-ray-telescope-to-observe-black-holes

Atomausstieg: Drei weitere Atomkraftwerke gehen vom Netz/Mit Brokdorf das letzte in Schleswig-Holstein/EU streitet um Zukunft der Atomenergie

Für die drei Kernkraftwerke Brokdorf (Schleswig-Holstein), Grohnde (Niedersachsen) und Gundremmingen, Block C (Bayern) erlischt die Berechtigung zum Leistungsbetrieb zum 31. Dezember 2021. Mit Brokdorf sogar das letzte Atomkraftwerk in Schleswig-Holstein.

Im Rahmen des Ausstieges aus der Atomenergie werden am 31. Dezember drei weitere Kernkraftwerke vom Netz genommen

Ampel“-Koalition steht hinter Atomausstieg
In der „Ampel“-Koalition, die Europas grösste Volkswirtschaft seit dem 8. Dezember regiert, sind die beiden Parteien vertreten, die den Atomausstieg vor rund 20 Jahren eingeleitet hatten. Die damalige rot-grüne Koalition unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) entschied, dass in Deutschland keine Akw mehr gebaut werden dürfen und die Laufzeit der damals vorhandenen Anlagen begrenzt wird.

Eine christlich-liberale Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verlängerte 2010 die Laufzeiten wieder um durchschnittlich zwölf Jahre, Brokdorf oder Grohnde hätten dann noch bis in die 2030er Jahre Strom erzeugen dürfen. Aber unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 und der „Atomkraft, Nein Danke“-Haltung in der Bevölkerung vollzog Merkel eine Kehrtwende. Der rot-grüne Atomausstieg wurde im Endeffekt wieder in Kraft gesetzt und in einigen Punkten auch noch verschärft.

Angesichts hoher Energiepreise und auch unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes gab es in den vergangenen Monaten Forderungen aus dem In- und Ausland, die letzten sechs Atomkraftwerke besser noch nicht abzuschalten. Doch davon will die „Ampel“ nichts wissen. „Am deutschen Atomausstieg halten wir fest“, steht im Koalitionsvertrag. Stattdessen will die neue Regierung den Anteil der erneuerbaren Energien schon bis 2030 auf 80 Prozent erhöhen.

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Hurra! Die drei Kernkraftwerke Brokdorf (Schleswig-Holstein), Grohnde (Niedersachsen) und Gundremmingen, Block C (Bayern). gehen vom Netz. Mit Brokdorf geht sogar der letzte Kernreaktor in Schleswig-Holstein vom Netz – Yeah!

Für die drei Kernkraftwerke Brokdorf (Schleswig-Holstein), Grohnde (Niedersachsen) und Gundremmingen, Block C (Bayern) erlischt die Berechtigung zum Leistungsbetrieb zum 31. Dezember 2021. Mit Brokdorf das letzte Atomkraftwerk in Schleswig-Holstein

Christian Dauck

Abschaltung von drei weiteren Atomkraftwerken steht für Unumkehrbarkeit des Atomausstiegs

  • Stand: 29.12.2021

Im Rahmen des Ausstiegs aus der Atomenergie bis Ende 2022 werden am 31. Dezember 2021 drei weitere Atomkraftwerke vom Netz genommen. Neben dem Atomkraftwerk (AKW) Grohnde in Niedersachsen und Gundremmingen, Block C in Bayern, wird auch das AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein nach 35 Jahren abgeschaltet.

„Mit der Abschaltung verbunden sind zugleich unermessliche Folgelasten der Atomenergienutzung, die eine dringende Mahnung darstellen. Der Nutzungszeitraum von 35 Jahren stellt nur einen Bruchteil der für Rückbau, Zwischenlagerung und Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll benötigten Zeiträumen dar. Erst ab 2050 wird in Deutschland gemäß den gesetzlichen Rahmenbedingungen ein bis Anfang der 2030er Jahre noch zu findendes Endlager zur Verfügung stehen. Dort gilt es, den Atommüll dann über eine Millionen Jahre sicher zu lagern.

Atomenergie ist angesichts der massiven Folgelasten und Restrisiken im Vergleich zu anderen Energiegewinnungsformen weder wirtschaftlich noch ökologisch verantwortbar. Deswegen gilt es das Zeitalter der Atomenergie ohne Umwege zu überwinden und beschleunigt auf Erneuerbare Energien umzusteigen. Als Industrienation hat Deutschland dabei in Europa aber auch weltweit eine Vorbildfunktion. Die Abschaltung von drei weiteren deutschen Atomkraftwerken zum Jahresende steht für die Unumkehrbarkeit des Atomausstiegs, der weltweit vorangetrieben werden muss.“

Quellen: https://www.spdfraktion.de/presse/pressemitteilungen/abschaltung-drei-weiteren-atomkraftwerken-steht-unumkehrbarkeit

https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/drei-atomkraftwerke-vom-netz-1991348

https://www.ee-news.ch/de/article/47694/deutschland-atomausstieg-geht-in-die-endrunde-brokdorf-grohnde-und-gundremmingen-ende-jahr-vom-netz

https://www.heise.de/news/Statistik-der-Woche-Fuer-drei-Kernkraftwerke-ist-zum-Jahresende-Schluss-6300240.html


EU streitet um Zukunft der Atomenergie

Die Ziele der Europäischen Union sind klar formuliert. Klimaneutral bis 2050, bis 2030 die Treibhausgas-Emissionen um 55 Prozent reduzieren. Doch welche Rolle kann die Atomkraft dabei spielen? Oder kann sie überhaupt eine Rolle spielen? Die Frage spaltet die EU.

Pro und Contra

Auf der einen Seite steht Frankreich, der entschlossenste Befürworter der Kernenergie. Zusammen mit Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien, der Slowakei und Slowenien macht sich das Land für einen Ausbau der Atomkraft stark. Frankreich gilt seit langem als das „Atomland“ Europas. Es liegt hinter den USA und China auf Platz drei der größten Produzenten von Atomstrom weltweit.

Deutschland hat hingegen nach dem Reaktorunfall von Fukoshima 2011 den Atomausstieg bis 2022 beschlossen. Dann werden die letzten Reaktoren vom Netz gehen. Unterstützt wird Deutschland unter anderem von Österreich und Luxemburg. Auch Belgien hat einen Atomausstieg beschlossen – bis 2025.

Derzeit sind etwa 110 Reaktoren in der EU in Betrieb, etwa ein Viertel der Atomkraftwerke weltweit.

Während Deutschland in einem Jahr alle Atomkraftwerke vom Netz haben will, plant Frankreich den Bau neuer Meiler. Der Streit spielt zurzeit vor allem auf europäischer Ebene. Vereinfacht gesagt, gehen Frankreich und seine Unterstützer davon aus, dass die europäischen Klimaziele nur mit Einsatz von Atomreaktoren erreicht werden können, denn die Kernenergie verursacht geringe CO2-Emissionen.

Deutschland und die anderen Atomgegner verweisen vor allem auf die Risiken der Endlagerung von Atommüll. Der Atommüll müsse für eine Million Jahre sicher gelagert werden. Auch bei Klimaschutzorganisationen wie WWF und Greenpeace stößt der Versuch auf Widerstand, Atomstrom als grün einzustufen. Die Risiken würden immer noch „systematisch unterschätzt“.

Debatte in Brüssel

Das Thema wird zusätzlich brisanter durch eine Neuerung, die Kritiker als heikel einstufen: Die EU-Kommission arbeitet momentan an der sogenannten Taxonomie – einem Klassifizierungssystem für nachhaltige Investitionen. Durch die Taxonomie sollen Bürger und Investoren klare Informationen über nachhaltige Finanzprodukte erhalten. Nach dem geplanten Klassifizierungssystem würde die Atomenergie eine Art grünes Label bekommen. Die mögliche Einstufung von Atomkraft als nachhaltige Energieform sorgt für Kritik. Debatte dauert schon einige Monate an.

Laut internationaler Atomenergiebehörde (IAEA) verursacht Kernenergie 40 Mal weniger Treibhausgasemissionen als ein effizientes Gaskraftwerk. Frankreich übte zuletzt erheblichen Druck aus, um Atomkraft als umweltfreundliche Energie einzustufen.

Deutschland lehnt es ab, Atomkraft in die Taxonomie aufzunehmen. Österreich hat sich bei einem Treffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel ebenfalls gegen ein „grünes“ Label für die Atomkraft ausgesprochen. „Österreich positioniert sich ganz klar gegen Atomenergie“, sagte der österreichische Kanzler Karl Nehammer vor Weihnachten mit Blick etwa auf den umweltschädlichen radioaktiven Müll, der bei der Kernspaltung entsteht.

Länder wie Frankreich oder Polen wollen Atomkraft und Gas als klimafreundlich kennzeichnen, um diese Energiequellen zu fördern. „Sie haben niedrige Emissionen, die Atomenergie sogar null Emissionen, wir brauchen sie“, sagte der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki.

Inzwischen gilt es als wahrscheinlich, dass bestimmte Gas- und Atomkraftwerke zumindest vorübergehend in der Taxonomie gelistet werden.

Wenn Ende 2022 im letzten deutschen AKW die Lichter ausgehen, strahlt der über Jahrzehnte angehäufte Atommüll in großen Mengen weiter. Expertinnen und Experten erwarten bis 2080 rund 10 500 Tonnen hoch radioaktiver Abfälle aus Brennelementen. Sie sollen irgendwann in einem Endlager ruhen, das offiziell bis 2031 gefunden sein soll.

Eine Entscheidung der EU-Kommission wird in Kürze erwartet.

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/159651/5110172

#OlafSchummelt: Umweltschützer:innen warnen vor ausstehender Entscheidung von Bundeskanzler Scholz

Demnächst wird die EU-Kommission ihren Vorschlag für die sogenannte Taxonomie verabschieden. Es geht dabei um die Frage, was in Europa künftig als grüne Investition gilt. Dabei könnte sogar Gas als „nachhaltig“ deklariert werden. Auf Twitter machen Nutzer:innen dagegen nun mobil.

Olaf Scholz ist noch nicht lange im Amt, schon stehen wichtige Entscheidungen in Sachen Klimaschutz an. Noch dieses Jahr (spätestens aber im Januar) soll darüber entschieden werden, was als nachhaltige Investition gilt.

Hierfür entwirft die EU gerade eine sogenannte Taxonomie. Diese soll festlegen, unter welchen Voraussetzungen Investitionen den Anforderungen aus dem Pariser Klimaabkommen sowie den Umweltzielen der Europäischen Union gerecht werden. Die Taxonomie soll künftig als Grundlage dienen, um grüne Finanzprodukte zu bewerten. Unternehmen könnten sie nutzen, um über die eigene Nachhaltigkeit zu berichten. Gilt zum Beispiel Atomkraft oder Erdgas als nachhaltige Energie, dann ist es möglich, dass grüne Fonds diese im Portfolio enthalten. Investitionen in die Bereiche Atomkraft und Gas könnten von Banken als „nachhaltige Investitionen“ bezeichnet und beworben werden.

Atomkraft und Gas sind grüne Energien? Nein, denn bei der Förderung von Erdgas wird Methan freigesetzt und bei der Nutzung von Gas und Atomenergie entsteht CO2. Hinzu kommen ungeklärte Fragen der Lagerung von Atommüll sowie Sicherheitsprobleme bei Atomkraftwerken. Beide Energieformen sind kaum grün und kommen nicht für „nachhaltige Investitionen“ in Frage.

#olafschummelt: Umweltschützer:innen mahnen Kanzler zur Einhaltung der Klimaziele

Dies Jahr kündigte die bisherige Verfechterin des „Green Deal“ – Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen – an, Gas und Atomkraft als Formen für „nachhaltige Energie“ in die überarbeitete Taxonomie aufnehmen zu wollen.

Bundeskanzler Olaf Scholz ist in der Angelegenheit bislang still. Es gibt noch keine Aussage zur EU-Taxonomie: weder Zustimmung noch Ablehnung. In den sozialen Netzwerken, vor allem Twitter, häufen sich jedoch Kommentare zu Scholz‘ Schweigen. Dem Bundeskanzler wird unterstellt, Greenwashing zu betreiben, indem er Atomkraft und Gas voraussichtlich als nachhaltig und zukunftsträchtig einschätzt (mit allen daraus resultierenden Vorteilen und Finanzspritzen für diese Branchen).

Jetzt rufen Nutzer:innen auf Twitter dazu auf, die Entscheidung zu verhindern und machen ihrem Ärger über die Pläne Frau von der Leyens sowie über die erwartete Zustimmung des Bundeskanzlers Luft.

So schreibt ein User: „#olafschummelt zeigt ein Dilemma: Atomkraft und Erdgas sind deswegen momentan nicht vom europäischen Markt zu denken, weil sie Jahrzehnte wider besseren Wissens unter Lobbyeinflüssen massiv gefördert wurden. Jetzt haben wir den Salat – und fossile Lobby lässt die Korken knallen.“

Streit um die Einstufung von Atomkraft

Im Koalitionsvertrag der Ampel-Koalition ist festgehalten, dass Gas als Übergangslösung notwendig sein wird. Anders ließe sich eine Versorgungssicherheit in Deutschland mittelfristig nicht gewährleisten. Auf längere Sicht bleibt die Energiewende das gemeinsame Ziel und der wachsende Strombedarf soll künftig zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt werden.

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Kernenergie keine Zukunft geben: Petition jetzt unterschreiben!

Ein Skandal: Einstufung von Kernenergie als Grüne Energie. Petition jetzt unterschreiben! https://www.change.org/p/eu-kommissionschefin-ursula-von-der-leyen-und-eu-kommissar-frans-timmermans-super-gau-f%C3%BCr-europas-energiewende-stoppt-das-greenwashing-von-atomkraft-und-gas

Christian Dauck

Die Bewertung von Erdgas und Atomstrom ist dabei innerhalb der EU umstritten. Verschiedene Länder wollen, dass auch Kernenergie als „grüne Energie“ eingestuft wird, darunter Frankreich. Dies käme den aktuellen Bestrebungen Frankreichs sehr entgegen, denn Präsident Macron plant aktuell den Ausbau der Kernenergie in Frankreich. Der Wunsch: Neue Atomkraftwerke sollen (in Frankreich) gebaut und die EU-Finanzierung dafür erleichtert werden.

Noch keine Entscheidung zur Taxonomie

Bislang ist die Taxonomie nicht verabschiedet, doch bereits bis Ende 2021 (oder spätestens im Januar 2022) soll dies erfolgen. Es bleiben also nur noch wenige Tage. Wie hinsichtlich „nachhaltiger Investitionen“ – also der Einstufung als „grüne Branchen“ oder „grüne Energie“ – entschieden wird, hat weitreichende Folgen. Matthias Kopp, Leiter Sustainable Finance beim WWF Deutschland, meint:

„Die Folgen einer unglaubwürdigen und nicht wissenschaftsbasierten Taxonomie wären verheerend. (…) EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gefährdet ihren eigenen Green Deal – zusammen mit den EU-Klimazielen und der Führungsrolle der EU bei nachhaltigen Finanzen. Sie ist kurz davor, ein glaubwürdiges Instrument zur Finanzierung der Transformation für politische Interessen zu opfern.“

MATTHIAS KOPP (LEITER SUSTAINABLE FINANCE, WWF DEUTSCHLAND)

Quelle: https://utopia.de/news/olaf-schummelt-umweltschuetzerinnen-warnen-vor-entscheidung-von-bundeskanzler-scholz/