Erste Aufnahmen von Solar Orbiter der ESA werden veröffentlicht

Erste Aufnahmen von Solar Orbiter der ESA werden am 16. Juli veröffentlicht: Noch nie zuvor wurden Aufnahmen von der Sonne aus einer so geringen Entfernung gemacht.

Die ersten Aufnahmen von Solar Orbiter, der neuen ESA-Raumsonde zur Beobachtung der Sonne, werden am 16. Juli 2020 für die Öffentlichkeit freigegeben. Medienvertreter sind eingeladen, eine Online-Pressekonferenz zu verfolgen, die um 14.00 Uhr MESZ (13.00 Uhr BST) stattfinden wird, und mit den Wissenschaftlern hinter der Mission zu sprechen.

Die am 10. Februar gestartete Mission Solar Orbiter schloss Mitte Juni ihre Inbetriebnahmephase ab und führte eine erste Annäherung an die Sonne durch. Kurz darauf konnten die europäischen und amerikanischen Wissenschaftsteams, die für die 10 Instrumente der Mission verantwortlich sind, zum ersten Mal die gesamte Instrumenten-Suite konzertiert testen.

– Besser als erwartet

Trotz der Rückschläge, mit denen die Teams bei der Inbetriebnahme der Raumsonde und ihrer Instrumente inmitten der COVID-19-Pandemie konfrontiert waren, war die erste Abbildungskampagne ein großer Erfolg.

„Die ersten Bilder übertreffen unsere Erwartungen“, erklärt Daniel Müller, ESA-Projektwissenschaftler für Solar Orbiter. „Wir sehen bereits Hinweise auf sehr interessante Phänomene, die wir bisher noch nicht im Detail beobachten konnten. Die 10 Instrumente an Bord von Solar Orbiter funktionieren wunderbar und bieten zusammen eine ganzheitliche Sicht auf die Sonne und den Sonnenwind. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass Solar Orbiter dazu beitragen wird, dass wir tiefgehende offene Fragen über die Sonne beantworten können.“

– Aufnahmen aus bisher unerreichter Nähe

Noch nie zuvor wurden Aufnahmen von der Sonne aus einer so geringen Entfernung gemacht. Während des ersten Perihels, dem sonnennächsten Punkt auf der elliptischen Umlaufbahn von Solar Orbiter, trennten nur etwa 77 Millionen Kilometer die Sonde von unserem Zentralgestirn, das entspricht etwa der Hälfte des Abstands zwischen Sonne und Erde. Die Raumsonde wird der Sonne noch viel näherkommen. Aktuell befindet sie sich in der Cruise-Phase und kreist in zunehmend engeren Ellipsen um die Sonne. In der wissenschaftlichen Phase, die Ende 2021 beginnt, wird sich die Raumsonde auf 42 Millionen Kilometer an die Sonnenoberfläche annähern, das ist näher als der Planet Merkur. Die Betreiber der Sonde werden die Umlaufbahn von Solar Orbiter schrittweise neigen, damit die Instrumente zum ersten Mal richtig auf die Pole der Sonne schauen können.

 Eine internationale Mission

Solar Orbiter ist eine Weltraummission in internationaler Zusammenarbeit zwischen ESA und NASA. Zwölf ESA-Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechien, Frankreich und das Vereinigte Königreich) sowie die NASA trugen zur wissenschaftlichen Nutzlast bei. Dänemark, Finnland, Griechenland, Irland, Luxemburg, die Niederlande und Portugal leisteten einen Beitrag zum Bau der Sonde, aber nicht zur wissenschaftlichen Nutzlast.

Deutschland beteiligte sich an der Entwicklung von sechs der zehn Instrumente an Bord der Mission Solar Orbiter. Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) leitet das Team um das Doppelteleskop PHI (Polarimetric and Helioseismic Imager), das hochauflösende Messungen des Magnetfeldes der Sonne für die volle Sonnenscheibe liefern wird. Das MPS spielt eine wichtige Rolle bei drei weiteren Fernerkundungsinstrumenten: dem Extreme Ultraviolet Imager (EUI), dem Metis Coronagraph und dem Extreme Ultraviolet Imaging Spectroscope SPICE. Die Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) ist stark am Energetic Particle Detector (EPD) beteiligt. Das Leibniz-Institut für Sonnenphysik (KIS) stellte ein wichtiges System für das PHI zur Verfügung. Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) ist maßgeblich am Röntgenteleskop STIX (Spectrometer/Telescope for Imaging X-rays) beteiligt und hat auch zum Energetic Particle Detector (EPD) beigetragen. Die deutschen Unternehmen Airbus Deutschland, RCD, IABG, ETS, CERANOVIS, CAU, MTA und MTSP waren ebenfalls an der Bereitstellung von Komponenten für die Raumsonde beteiligt.

Ansprechpartner Medien in Deutschland:
Birgit Krummheuer – krummheuer@mps.mpg.

Österreich beteiligte sich an drei der zehn Instrumente sowie am Solar Orbiter selbst. Die Universität Graz leitete die wissenschaftliche Softwareentwicklung des Weltraumteleskops STIX, das Einblicke in die Beschleunigung hochenergetischer Teilchen in Sonneneruptionen liefert. Das Institut für Weltraumforschung Graz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (IWF/ÖAW) entwickelte den Bordcomputer für das Radio- und Plasmawellen-Instrument (RPW) und trug zum Magnetometer (MAG) bei. Die österreichischen Unternehmen RUAG und Siemens waren ebenfalls an der Lieferung von Komponenten für die Raumsonde beteiligt.

Ansprechpartner Medien in Österreich:
Gerhild Leljak – University of Graz: gerhild.leljak@uni-graz.at
Alexandra Scherr – Space Research Institute, Austrian Academy of Sciences: alexandra.scherr@oeaw.ac.at

Die Schweiz ist an drei Instrumenten an Bord des Solar Orbiter beteiligt: dem Röntgenspektrometer/Teleskop STIX, mit Principal Investigator Säm Krucker vom Institut für Data Science FHNW, und den Instrumenten EUI (Extreme Ultraviolet Imager) und SPICE (Spectral Imaging of the Coronal Environment), mit Louise Harra, Direktorin des World Radiation Center Davos PMOD/WRC, als Co-Principal Investigator für EUI und Co-Investigator für SPICE. Die Schweizer Unternehmen RUAG und Almatech waren ebenfalls an der Lieferung von Komponenten für die Raumsonde beteiligt.

Ansprechpartner Medien in der Schweiz:
FHNW sandro.nydegger@fhnw.ch
PMOD/WRD sara.niedermann@dinatum.ch

Veranstaltungsprogramm

Die Öffentlichkeit kann eine Online-Pressekonferenz am Donnerstag, den 16. Juli, um 14.00 Uhr MESZ (13.00 Uhr BST) unter https://www.esa.int/esawebtv verfolgen.

Zu den Referenten gehören:

Daniel Müller – ESA-Projektwissenschaftler für Solar Orbiter

Holly R. Gilbert – NASA-Projektwissenschaftlerin für Solar Orbiter

David Berghmans – Königliches Observatorium von Belgien, Leitender Wissenschaftler des Extreme Ultraviolet Imager (EUI)

Sami Solanki – Direktor des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung, Leitender Wissenschaftler des Polarimetric and Helioseismic Imager (PHI)

Christopher J. Owen – Mullard Space Science Laboratory, University College London, Leitender Wissenschaftler des Solar Wind Analyser (SWA)

Jose-Luis Pellon-Bailon – Deputy Spacecraft Operations Manager für Solar Orbiter.

Medienvertreter mit gültigem Presseausweis können sich über https://www.esa.int/Contact/mediaregistration bis Mittwoch, 15. Juli, 12:00 Uhr MESZ anmelden. Fragen an die Referenten können über media@esa.int eingereicht werden.

Quelle:https://www.esa.int/Newsroom/Press_Releases/Einladung_an_die_Medien_ESA_zeigt_erste_Bilder_von_Solar_Orbiter


NASA, ESA to Release First Images from Solar Orbiter Mission

ESA/NASA's Solar Orbiter is returning its first science data, including images of the Sun taken from closer than any spacecraft

ESA/NASA’s Solar Orbiter is returning its first science data, including images of the Sun taken from closer than any spacecraft in history.Credits: ESA/ATG Medialab

Scientists from NASA and ESA (European Space Agency) will release the first data captured by Solar Orbiter, the joint ESA/NASA mission to study the Sun, during an online news briefing at 8 a.m. EDT Thursday, July 16. The briefing will stream live on NASA’s website.

In mid-June, Solar Orbiter made its first close pass of the Sun following its Feb. 9 launch, turning on all 10 of its instruments together for the first time. This flyby captured the closest images ever taken of the Sun. During the briefing, mission experts will discuss what these closeup images reveal about our star, including what we can learn from Solar Orbiter’s new measurements of particles and magnetic fields flowing from the Sun.

Participants in the briefing include:

  • Daniel Müller – Solar Orbiter Project Scientist at ESA
  • Holly R. Gilbert – Solar Orbiter Project Scientist at NASA
  • José Luis Pellón Bailón – Solar Orbiter Deputy Spacecraft Operations Manager at ESA
  • David Berghmans – Principal investigator of the Extreme Ultraviolet Imager (EUI) at the Royal Observatory of Belgium
  • Sami Solanki – Principal investigator of the Polarimetric and Helioseismic Imager (PHI) and director of the Max Planck Institute for Solar System Research
  • Christopher J. Owen – Principal investigator of the Solar Wind Analyser (SWA) at Mullard Space Science Laboratory, University College London

Members of the media interested in participating should register at https://www.esa.int/Contact/mediaregistration by 6 a.m. EDT Wednesday, July 15, to be able to ask questions during the briefing. For further questions please contact: media@esa.int

For more information on the Solar Orbiter mission, visit:

https://sci.esa.int/web/solar-orbiter/home

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Quelle: https://www.nasa.gov/press-release/nasa-esa-to-release-first-images-from-solar-orbiter-mission

Vor der Mission der VAE zum Mars laufen die letzten Kontrollen

Emiratische Ingenieure mit der Hope-Sonde im Reinraum des Hauptquartiers des Mohammed bin Rashid Space Center. 
Mit freundlicher Genehmigung von MBRSC

Beamte sagen, dass alle Systeme für den erwarteten Start am 15. Juli „go“ sind.

Die VAE sind der ersten arabischen Nation, die den Roten Planeten erreicht, einen Schritt näher gekommen.

Ingenieure sagten, die Hope-Sonde werde an ihrem Startort auf Tanegashima Island, Japan, einer Endkontrolle unterzogen, aber alle Systeme seien „in Betrieb“.

Sarah Al Amiri, Präsidentin der UAE Space Agency und stellvertretende Projektmanagerin der Emirates Mars Mission, sagte, der 15. Juli sei weiterhin der erwartete Starttermin.

Das wird wieder super, der Mars wieder im Mittelpunkt. Klar kann es im letzen Moment noch Probleme mit dem Wetter und der Technik geben aber letztendlich heben sie immer ab. Die VAE ist momentan der pünktlichste der drei Teilnehmer.

Da haben die USA und VAE ihre Raumsonden (Taggleich kann man schon sagen) auf die Rakete montiert und die USA brauchen ab da 23 Tage bis zum Start, unmöglich und total übertrieben. Japan nur 8 Tage ab dem Zeitpunkt bis zum Start.

Toll, was da die Vereinigten Arabischen Emirate leisten, da sollten sich alle Arabischen Länder, mal ein Beispiel dran nehmen was man sinnvolles machen könnte und in dem man investieren sollte.

Hoffentlich schaffen die VAE und China ihre Mars-Missionen, nur ESA, NASA, Roscosmos ist doch langweilig. Mehr Länder – Mehr Spannung, Spaß und noch mehr Raumfahrtprojekte. Um so schneller sind wir mit beiden beinen auf dem Mond und Mars.

Christian Dauck

„Das Raumschiff ist startbereit und alle Systeme befinden sich jetzt auf einem Niveau, das startbereit ist“, sagte sie in einer Pressekonferenz.

„Wir haben auch das Bodensegment und die Operationen in der Missionskontrolle überprüft und sie sind bereit, das Raumschiff nach dem Start zu akzeptieren.

„Derzeit werden die Endkontrollen sowohl für die Trägerrakete als auch für die Missionskontrolle durchgeführt. Wir sind bereit, wie geplant am 15. Juli früh am Morgen zu starten. “

Die Hope-Sonde dient zur Untersuchung der oberen und unteren Marsatmosphäre und benötigt sieben bis neun Monate, um den Roten Planeten zu erreichen.

Es wurde von einem Team von 150 Ingenieuren, Wissenschaftlern und Forschern aus den Emiraten gebaut, die an drei US-amerikanischen Universitäten arbeiten.

Die Sonde wird von einem in Japan gebauten Raketensystem namens H-IIA in den Weltraum befördert, das Geschwindigkeiten von mehr als 34.000 km / h erreichen kann. Das Raumschiff wird sich ungefähr eine Stunde nach dem Abheben von der Rakete trennen.

obald Hope die Schwerkraft der Erde verlassen hat, wird sie ihre Reise zum Mars unternehmen und 493,5 Millionen Kilometer zurücklegen. Wenn es die Umlaufbahn des Mars erreicht, wird es von etwa 121.000 km / h auf 18.000 km / h langsamer.

Von dort aus beginnt das Infrarotspektrometer, die Verteilung von Staub, Eiswolken und Wasserdampf zu messen, während eine hochentwickelte Bordkamera hochauflösende Bilder des Planeten aufnimmt.

Ein Ultraviolett-Spektrometer wird auch die obere Atmosphäre untersuchen und Spuren von Sauerstoff und Wasserstoff aufzeichnen.

Weitere Raumschiffe, die in den letzten Jahren zur Erforschung des Mars gestartet wurden, sind der Mars Reconnaissance Orbiter der NASA im Jahr 2005 und der Trace Gas Orbiter, ein Gemeinschaftsprojekt der russischen Weltraumagentur und der Europäischen Weltraumorganisation, das 2016 gestartet wurde.

Die Hope-Sonde der VAE wird sich jedoch in einer viel höheren Umlaufbahn als das vorherige Fahrzeug befinden, sodass breitere Bilder aufgenommen werden können. Wissenschaftler rechnen damit, dass alle 55 Stunden ein vollständiger Mars-Kreis gebildet werden kann.

Trotz des jüngsten nassen Wetters in Japan in den letzten Wochen sind die Ingenieure des Projekts weiterhin zuversichtlich, dass der Start planmäßig erfolgen wird.

https://www.thenational.ae/uae/science/final-checks-under-way-ahead-of-uae-s-mission-to-mars-1.1046595#3

Mondentstehung: Zwei Studien – Alter und Metallgehalt

Mond ist metallreicher als gedacht

Verborgene Ressourcen: Unter der Oberfläche des Mondes könnten sich mehr metallreiche Minerale verbergen als bislang angenommen. Indizien dafür liefern Messdaten, nach denen der Regolith in größeren und tieferen Mondkratern metallhaltiger ist als in kleineren. Das spricht dafür, dass der Metallgehalt des Mondgesteins mit zunehmender Tiefe steigt. Sollte sich dies bestätigen, wirft dies auch ein neues Licht auf die Entstehung des Mondes.

Die 2 Studien sind mal wieder ein ein gutes Beispiel, wie interessant und spanned die Raumfahrt ist. Kein Wissenschaftler, kein Lehrer und kein Buch auf der Welt kann uns sagen bzw. beantworten, wie unser Mond entstanden ist. Das ist schon krass.

Den Himmelskörper der uns am nächsten ist bzw, den wir direkt vor der Nase haben und Nachts sowie manchmal auch Tagsüber dutzende male gesehen haben. Der all gegenwärtig ist und auch Einfluss auf die Erde hat (Ebbe und Flut). Und das 2020 (21. Jahrhundert) noch andauert bei all der ganzen Modernen Technologie die wir auf den Mond, Asteroiden, Planeten schicken. Faszinierend und frustrierend zu gleich.

Immer nur ein vielleicht, könnte, dann wieder eine neue Theorie und wieder, könnte, vielleicht…. wie bei einem feißen Fleck auf der Landkarte. Obwohl das noch die einfachste Frage wäre, als die: Woher kommt das Leben auf der Erde/ gibt es Leben auf anderen Planeten.

Es bleibt weiterhin spannend und interessant.

Christian Dauck

Gängiger Theorie nach entstand der Mond durch eine katastrophale Kollision der jungen Erde mit dem marsgroßen Protoplanet Theia. Aus den verdampften Trümmern des ausgeschleuderten Materials bildete sich dann der Mond. Möglicherweise ist er der Erde deshalb geochemisch so ähnlich – er könnte vorwiegend aus irdischem Mantel- und Krustenmaterial bestehen. Wo allerdings dann die Überreste von Theia geblieben sind, ist bislang strittig.

Rätsel um Metallgehalt des Regoliths

Und noch ein Aspekt passt nicht ins Bild: Im lunaren Hochland enthält der Regolith weniger metallhaltige Minerale als vergleichbares irdisches Gestein – wie es bei einem Ursprung aus primär silikatreichem Mantelgestein der Erde zu erwarten wäre. Doch in den großen Maria des Mondes ist es genau anders herum: Dort enthalten einige Gesteine offenbar sogar mehr Metalle als ihre irdischen Gegenparts.

Wo aber kommt dieses Metall her? Eine mögliche Antwort könnten nun Forscher um Essam Heggy von der University of Southern California in Los Angeles gefunden haben. Denn ihre Studie liefert neue Hinweise auf die Beschaffenheit des lunaren Tiefgesteins. Dafür haben die Forscher Daten der NASA-Mondsonde Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) ausgewertet. Deren „Miniature Radio Frequency“-Instrument kann die dielektrische Leitfähigkeit des lunaren Regoliths messen und erlaubt damit Rückschlüsse darauf, wie viel Metall dieses Material enthält.

Überraschender Fund in lunaren Kratern

Die Analysen ergaben einen auffallenden Zusammenhang: Bei Mondkratern bis zu fünf Kilometer Durchmesser stieg die dielektrische Konstante des Regoliths mit der Kratergröße stetig an. Je größer der Krater, desto metallhaltiger wurde der Mondstaub am Kratergrund. Ab einem Durchmesser von fünf Kilometern jedoch scheint eine Art Plateau erreicht: Der Metallgehalt erhöhte sich auch bei zunehmender Kratergröße nicht mehr weiter.

„Dieser Verlauf war überraschend – wir hatten vorher keinen Grund anzunehmen, dass es diesen Zusammenhang gibt“, sagt Heggy. Doch was steckt dahinter? Die Forscher vermuten, dass dies mit der Wucht der Einschläge zu tun hat: Größere Brocken hinterlassen größere Krater, dringen aber auch tiefer in die Mondoberfläche ein. Ab einer bestimmten Größe wird dabei sogar Material aus dem lunaren Mantel ausgeschleudert, wie kürzlich Messungen eines chinesischen Mondrovers bestätigten.

Metallreicher in der Tiefe?

Das aber bedeutet: Am Grund der größeren Mondkrater findet sich Gestein aus den tieferen Schichten des Mondes – und dieses enthält offenbar mehr Eisen, Titan und andere Metalle als das meiste Oberflächengestein. „Die plausibelste Erklärung für die beobachtete Variabilität ist ein Anstieg des Metallgehalts mit der Tiefe, das heißt innerhalb der oberen Kilometer der Mondkruste“, sagen Heggy und seine Kollegen.

Die scheinbare Metallarmut des lunaren Regolith täuscht demnach: Unter seiner Oberfläche könnte der Erdtrabant deutlich metallreicher sein als bislang angenommen. An die Oberfläche gelangt dieses Material aber nur dort, wo entweder große Einschläge bis in diese Tiefen vorgedrungen ist oder aber wenn Lava aus dem Mondinneren metallhaltige Schmelzen ans Tageslicht brachte, wie in den Mondmaren.

Neue Sicht auf Mondentstehung

Sollte sich dies bestätigen, wirft dies auch ein neues Licht auf die Entstehung des Mondes. Denn dann bekam unser Trabant bei der katastrophalen Kollision vielleicht doch mehr als nur Mantel- und Krustentrümmer von der Erde mit. „Unsere Ergebnisse werfen die Frage auf, was dies für die gängigen Hypothesen zur Mondbildung bedeutet“, sagt Heggy. Tatsächlich könnten diese Funde eine Hypothese stützen, nach der die Erde bei der Kollision mit Theia sogar komplett verdampfte. Aus den Trümmern bildet sich dann erst die Erde neu, dann der Mond.

„Wenn wir herausfinden, wie viel Metall sich tatsächlich unter der Oberfläche des Mondes verbirgt, dann könnte dies helfen, die vielen Widersprüche zu klären und herauszufinden, wie sich der Mond gebildet und entwickelt hat“, so Heggy. Er und sein Team haben nun begonnen, noch weitere Krater auf dem Mond auf ihre Leitfähigkeit und ihren Metallgehalt zu untersuchen.

In jedem Fall unterstreichen diese Ergebnisse aufs Neue, dass der Mond noch lange nicht vollständig erforscht und verstanden ist. „Dieses aufregende Ergebnis zeigt, dass wir auch heute noch immer wieder neue Entdeckungen über die Vergangenheit unseres nächsten Nachbarn machen“, sagt Koautor Noah Petro vom Goddard Space Flight Center der NASA. (Earth and Planetary Science Letters, 2020; doi: 10.1016/j.epsl.2020.116274)

Quelle: NASA/ Goddard Space Flight Center, University of Southern California

Quelle: https://www.scinexx.de/news/kosmos/ist-der-mond-metallreicher-als-gedacht/

Der etwas jüngere Mond

Trabant der Erde fast 100 Millionen Jahre jünger als bisher angenommen

  • Der Trabant der Erde entstand aus den Trümmern, die bei der Kollision mit einem Protoplaneten aus der jungen Erde geschlagen wurden.
  • Dabei heizte sich der Mond so stark auf, dass er einen über tausend Kilometer tiefen Magmaozean bekam, der in 200 Millionen Jahren auskristallisierte.
  • Mit neuen Modellrechnungen konnten DLR-Planetologen und von der Universität Münster diese Ereignisse mit der Zeit der Mondentstehung in Verbindung setzen.
  • Sie fanden heraus, dass der Mond vor 4,425 Milliarden Jahren entstand, fast 100 Millionen Jahre später, als bisher angenommen.
  • Schwerpunkte: Planetenforschung, Planetengeophysik, Modellierung, Raumfahrt
Die Geburtsstunde des Mondes
Kaum dass das Sonnensystem vor 4,57 Milliarden Jahren entstanden war, hatten sich innerhalb weniger Zehnermillionen Jahre die Planeten entwickelt. Gleichzeitig vagabundierten noch viele Protoplaneten durch das junge Sonnensystem, die in manchen Fällen auf Kollisionskurs mit den jungen Planeten gerieten. Auch die Erde wurde vor 4,425 Milliarden Jahren von einem dieser Protoplaneten getroffen. Es war die Geburtsstunde des Mondes, die Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster nun mit Modellrechnungen ermitteln konnten. Damit ist der Mond etwas jünger, als bisher angenommen. Der einschlagende Protoplanet könnte die Größe des Planeten Mars gehabt haben und schleuderte enorme Mengen an Gestein des Erdmantels, das teilweise sogar verdampfte, ins All. Aus diesen Bestandteilen entstand in wenigen Tausend Jahren der Mond.

Die Geburtsstunde des Mondes schlug etwas später, als bisher vermutet. Sie ereignete sich, als ein marsgroßer Protoplanet bei der Kollision mit der jungen Erde zwar zerstört wurde, aber aus den Trümmern dieser Katastrophe ein neuer Körper entstand – der Mond. Planetengeophysiker um Maxime Maurice vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) haben nun mit einem neuen numerischen Modell rekonstruiert, wann dies geschah: vor 4,425 Milliarden Jahren. Die bisherigen Annahmen für die Entstehung des Mondes gingen von 4,51 Milliarden Jahren aus, also 85 Millionen Jahre früher als jetzt berechnet. Der Mond ist also fast 100 Millionen Jahre jünger, als bisher angenommen. Davon berichten die Wissenschaftler heute im Wissenschaftsmagazin Science Advances.

Das Sonnensystem war vor viereinhalb Milliarden Jahren noch eine ziemlich chaotische Welt. Die Erde wuchs gerade zu ihrer heutigen Größe heran: Der Planet, auf dem wir heute leben, sammelte noch immer Materie in Form von so genannten ‚Planetesimalen‘ auf, die sich zuvor in der die junge Sonne umkreisenden Scheibe aus Staub und Gas gebildet hatten. Die junge Erde konsolidierte, dabei wurde sie in ihrem Inneren ständig heißer. Immer größere Anteile des Gesteinsmantels schmolzen auf und bildeten einen Magmaozean. Zu jener Zeit bekam die Erde auch ihren Trabanten, der sie bis heute umkreist. Er ist das Ergebnis einer gewaltigen kosmischen Kollision der Erde mit einem Protoplaneten, bei dem Gestein aus der jungen Erde herausgeschleudert wurde und sich zu einem neuen planetaren Körper zusammenballte, dem Mond.

Über die Entstehungsgeschichte sind sich die meisten Wissenschaftler im Prinzip zwar einig, nicht aber über den Vorgang im Einzelnen und vor allem nicht über den Zeitpunkt. „Das Ergebnis unserer Modellierungen legt nahe, dass die junge Erde rund 140 Millionen Jahre nach der Geburt des Sonnensystems vor 4,567 Milliarden Jahren von einem Protoplaneten getroffen wurde. Das geschah nach unseren Berechnungen vor 4,425 Milliarden Jahren – mit einer Unsicherheit von 25 Millionen Jahren,“ fasst Maxime Maurice vom Berliner DLR-Institut für Planetenforschung und Erstautor der Studie die Untersuchungen zusammen. „Das war die Geburtsstunde des Mondes.“

Die Entwicklung der Erde zu einem Planeten war zu diesem Zeitpunkt gerade abgeschlossen. In deren Verlauf sanken im Inneren der Erde die schweren, metallischen Bestandteile ins Zentrum und bildeten einen Kern aus Eisen und Nickel, der nun von einem mächtigen Mantel aus silikatischen Gesteinen umgeben war. Die Mantelgesteine wurden durch die ‚Akkretion‘, dem Zusammenballen der Materie, und der Wärme aus dem Zerfall radioaktiver Elemente immer heißer, so dass eine Trennung von Metall und Silikat im Inneren der Erde innerhalb von einigen Zehnermillionen Jahren stattfinden konnte.

Ein planetarer Volltreffer als Geburtsstunde des Mondes

In diesem Stadium wurde die Erde von einem vielleicht marsgroßen Protoplaneten getroffen, der unter dem Namen Theia in der Sonnensystemforschung kursiert; Theia ist in der griechischen Mythologie eine der Titaninnen und die Mutter der Mondgöttin Selene. In der Frühzeit des Sonnensystems dürften zahlreiche Körper dieser Art existiert haben: Zum Teil wurden sie aus dem Sonnensystem hinausgeschleudert, oder aber sie wurden durch Kollisionen mit anderen Körpern zerstört. Theia indes traf die Erde mit voller Wucht und schleuderte so viel Material aus dem Erdmantel, dass sich daraus der Mond formen konnte. Bei diesem heftigen Aufprall bildete sich auf der frühen Erde ein Magmaozean aus glühend heißem, geschmolzenen Gestein von mehreren tausend Kilometern Tiefe. Von Theia gibt es nach dieser gewaltigen Kollision heute keine Spuren mehr, die man nachweisen könnte.

Magmaozean und erste Gesteinskruste auf dem Mond
Während sich der Mond vor 4,425 Milliarden Jahren zu einer Kugel von etwa 1700 Kilometer Durchmesser formte, heizte sich sein Inneres durch die Energie, die beim Zusammenballen frei wurde stark auf. Das Gestein schmolz und es bildete sich ein möglicherweise mehr als tausend Kilometer tiefer Ozean aus Magma. Später bildeten sich leichte Gesteine, die an die Oberfläche aufschwammen und eine erste Kruste auf dem Mond bildeten. Diese Kruste isolierte den Mond gegenüber dem Weltall ab, so dass der Magmaozean darunter nur langsam abkühlte. Erst nach etwa 200 Millionen Jahren war der Mond vollständig erstarrt.

Um die bei diesem Ereignis ausgelöste Entstehung des Mondes nachvollziehen zu können, erfordert es einiges an Vorstellungsvermögen und Phantasie: Die Kollision der beiden Körper verdampfte mit ihrer gewaltigen Energie auch eine riesige Menge an Gestein aus dem frühen Erdmantel. Es wurde herausgeschleudert und sammelte sich in einem Ring aus Staub um die Erde, ehe es sich dort wieder zu Gestein zusammenballte. „Daraus entstand in kurzer Zeit, in vermutlich nur wenigen Tausend Jahren, der Mond“, erklärt Professorin Doris Breuer vom DLR und Co-Autorin der Studie.

Das älteste Mondgestein ist nicht alt genug

Über die Entstehungsgeschichte des Mondes herrscht unter Wissenschaftlern weitgehend Einigkeit. Allerdings konnten sie bis jetzt die Entstehung des Mondes nicht genau datieren, da es keine von den Astronauten der sechs Apollo-Missionen und den drei robotischen sowjetischen Luna-Missionen zur Erde gebrachten Mondgesteine gibt, die das Entstehungsalter des Erdtrabanten direkt konservieren. Mithilfe einer neuen, indirekten Methode haben die Forscher vom DLR und der WWU rekonstruiert, wann der Mond entstanden ist. „Unsere Berechnungen zeigen, dass dies höchstwahrscheinlich ganz am Ende der Erdentstehung geschah“, schildert Sabrina Schwinger, eine weitere Co-Autorin der Studie den zeitlichen Ablauf.

Nicht nur die Erde hatte in ihrer frühen Jugend einen Magmaozean. Auch im jungen Mond konnte sich durch Akkretionsenergie ein Magmaozean entwickeln. Der Mond schmolz fast vollständig auf und wurde, wie auch die Erde, von einem möglicherweise über tausend Kilometer tiefen Magmaozean bedeckt. Dieser Magmaozean begann zwar schnell zu kristallisieren und bildete an der Oberfläche, der ‚Schnittstelle‘ zum kalten Weltall, eine Mondkruste aus aufschwimmenden leichten Kristallen. Aber unter dieser isolierenden Kruste, die das weitere Abkühlen und Auskristallisieren des Magmaozeans bremste, blieb der Mond noch lange geschmolzen. Bisher konnten Wissenschaftler nicht feststellen, wie lange es dauerte, bis der Magmaozean vollständig kristallisiert war – weshalb sie auch nicht ausmachen konnten, wann sich der Mond ursprünglich bildete.

Für die Berechnung der Lebensdauer des Magmaozeans des Mondes verwendeten die Wissenschaftler in ihrer aktuellen Studie ein neues Computermodell, das erstmals die Vorgänge bei der Kristallisation des Magmaozeans umfassend berücksichtigte. „Die Ergebnisse des Modells zeigen, dass der Magmaozean des Mondes langlebig war und es fast 200 Millionen Jahre dauerte, bis er vollständig zu Mantelgestein auskristallisierte“, betont Maxime Maurice. „Die Zeitskala ist viel länger als in früheren Studien berechnet“, ergänzt DLR-Kollege Dr. Nicola Tosi, zweiter Autor der Studie und Betreuer der Doktorarbeit von Maxime Maurice, deren Ergebnis in dieser Studie zusammengefasst ist. „Ältere Modelle gingen von einer Kristallisationsdauer von nur 35 Millionen Jahre aus.“

Kristallisationsmodelle zeigten das Alter des Mondes – und der Erde

Um auch das Alter des Mondes zu bestimmen, mussten die Wissenschaftler noch einen Schritt weitergehen. Sie berechneten, wie sich die Zusammensetzung der magnesium- und eisenreichen Silikatmineralien, die sich während der Kristallisation des Magmaozeans bildeten, mit der Zeit veränderte. Das Ergebnis: Die Forscher stellten eine kontinuierliche Veränderung der Beschaffenheit des verbleibenden Magmaozeans im Laufe der fortschreitenden Kristallisation fest. Diese Erkenntnis ist von Bedeutung, da die Autoren so die Bildung verschiedener Gesteine vom Mond mit einem bestimmten Stadium in der Entwicklung seines Magmaozeans in Verbindung bringen konnten. „Durch den Vergleich der gemessenen Zusammensetzung der Mondgesteine mit der vorhergesagten Zusammensetzung des Magmaozean aus unserem Modell konnten wir die Entwicklung des Ozeans bis zu seinem Ausgangspunkt, dem Entstehungsalter des Mondes, zurückverfolgen“, erklärt DLR-Planetenforscherin Sabrina Schwinger.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler zeigen, dass der Mond vor 4,425±0,025 Milliarden Jahren entstanden ist. Dieses genaue Alter des Mondes stimmt bemerkenswert gut mit einem zuvor aus dem Verhältnis von irdischen Uran- und Bleiisotopen bestimmten Alter für die Bildung des metallischen Erdkerns überein, mit dem die Entstehung des Planeten Erde ihren Abschluss fand. „Es ist das erste Mal, dass das Alter des Mondes direkt mit einem Ereignis in Verbindung gebracht werden kann, das ganz am Ende der Erdentstehung passierte, nämlich der Entstehung des Kerns der Erde“, betont Prof. Dr. Thorsten Kleine vom Institut für Planetologie in Münster.

Förderung:
Die Arbeiten wurden im Rahmen des Sonderforschungsbereichs Transregio 170 „Späte Akkretion auf terrestrischen Planeten“ und der Helmholtz-Nachwuchsgruppe „Early Dynamics of the terrestrial planets“ durchgeführt und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft gefördert.


Originalpublikation:
M. Maurice, N. Tosi, S. Schwinger, D. Breuer, T. Kleine (2020). A long-lived magma ocean on a young MoonScience Advances; DOI: 10.1126/sciadv.aba8949

Quelle: https://www.dlr.de/content/de/artikel/news/2020/03/20200710_der-etwas-juengere-mond.html

WIE KOMMT DAS GANZE METALL AUF DEN MOND?

Eine neue Studie zeigt: der Mond ist voller Metall. Damit stellt die Untersuchung die bisherigen Erkenntnisse über die Mondentstehung in Frage. Bisher wurde angenommen, dass der Mond aus einer Kollision mit der Erde entstand. Doch die lief vermutlich anders ab, so die Forscher. Denn sonst gäbe es keine Erklärung für das ganze Metall.

Der Mond und die Erde sind ein seltsames Paar. Die Menschen verehren ihn und ohne ihn würde es die Menschheit wohl nicht geben. Denn er hält die Erde in einer stabilen Neigung. Wie der Erdtrabant aber entstanden ist, darüber scheiden sich die Geister. Eine neue Studie zeigt: Es war alles wohl ganz anders als gedacht. Zumindest muss das Mondmetall irgendwoher kommen. 

Eine weitverbreitete These besagt, dass der Mond durch eine Kollision entstanden sei. Der marsgroßer Protoplanet Theia sei mit der jungen Erde zusammengestoßen. Dabei gelangte ein großer Teil der Erdkruste ins Weltall. Aus dieser Schicht, die nun in der Umlaufbahn umherschwirrte, bildete sich allmählich der Mond.  

Einen großen Haken hat diese Hypothese jedoch: Die neusten Untersuchungen des Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA zeigen, dass der Staub am Boden der Mondkrater metallhaltig ist. Dieses Material kann aber nicht von der Erde stammen. Denn auf unserem Heimatplaneten befinden sich solche Metalle erst in den tieferen Erdschichten. Bei der Kollision mit Theia wäre aber nur die obere Erdkruste ins Weltall gelangt.  

MOND: MEHR EISENOXID ALS AUF DER ERDE?

Auf dem Mond gibt es aber sehr viel Eisenoxide. Die Konzentration ist sogar höher als auf der Erde. Diese Erkenntnis ist für Wissenschaftler nicht neu. Doch wie kommt das ganze Metall auf den Mond? Dieser Frage hat sich das Team um Nasaforscher Essam Heggy gestellt. Gemeinsam haben sie die Ergebnisse des Miniatur-Radiofrequenz-Instrumentes an Bord des Mond-Orbiters LRO untersucht. 

Es ist möglich, dass die Diskrepanz zwischen der Eisenmenge auf der Erdkruste und dem Mond noch größer sein könnte, als von Wissenschaftlern angenommen, was das derzeitige Verständnis der Entstehung des Mondes in Frage stellt.University of Southern California

Die Kraterlandschaft des Mondes können wir mit dem bloßen Auge von der Erde aus erkennen. Diese Krater entstanden durch Meteoriteneinschläge. Je nach Größe und Geschwindigkeit der Meteoriten sind einige Krater größer und tiefer als andere. Dennoch haben die Einschläge eines gemeinsam: sie dringen in die Mondoberfläche ein. Dabei werden Materialien aus den unteren Mondschichten nach oben gedrückt.Aufgehende Erde – fotografiert vor der Landung aus dem Mondorbit der Apollo 11-Mission, 1969.Bildrechte: NASA / Apollo 11 Mission

„Beim Vergleich des Metallgehalts am Boden größerer und tieferer Krater mit dem der kleineren und flacheren Krater stellte das Team höhere Metallkonzentrationen in den tieferen Kratern fest.University of Southern California“

DREI MÖGLICHE ERKLÄRUNGEN ZUM MONDMETALL

Die Forscher haben drei mögliche Erklärungen parat, denen sie auf den Grund gehen wollen. Zum einen kann es sein, dass die die Kollision mit Theia für unsere frühe Erde verheerender war als angenommen. Durch den Zusammenstoß wären viel tiefere Abschnitte aus der Erdoberfläche in die Umlaufbahn gelangt. Theia hätte nicht nur an der Erdkruste gekratzt.

Zum anderen könnte es sein, dass die Kollision zwischen Theia und der Erde viel früher stattgefunden hat. Die Erde müsste zu diesem Zeitpunkt noch sehr jung gewesen sein. So jung, dass sie von einem Magma-Ozean bedeckt war. Dadurch könnte flüssiges Metall in den Weltraum gelangt sein. Dieses hätte sich dann gemeinsam mit anderen Materialien zum heutigen Mond geformt.

Ebenso wäre es möglich, das die noch heiße Mondoberfläche anders abgekühlt sei, als angenommen. Das viele Metall deutet zumindest auf einen komplizierten Abkühlungsprozess der geschmolzene Mondoberfläche hin.

WEITERE UNTERSUCHUNGEN FOLGEN
Für den Hauptforscher am Miniatur-Radiofrequenz-Instrumentes des Lunar Orbiter sind die neuen Erkenntnisse großartige Neuigkeiten. Wes Patterson ist froh darüber, dass „die LRO-Mission uns immer wieder mit neuen Einsichten in die Ursprünge und die Komplexität unseres nächsten Nachbarn überrasche.“

Somit war dies nicht der letzte Einsatz des Miniatur-Radiofrequenz-Instruments. Die Kraterböden des Mondes sollen auch in Zukunft mit weiteren Radarmessungen beobachtet werden. Dadurch könnten die ersten Ergebnisse der Studie um Heggys Team überprüft werden und man würde neue Erkenntnisse über den Erdtrabanten erhalten.

Die Studie ist unter dem Titel „Bulk composition of regolith fines on lunar crater floors: Initial investigation by LRO/Mini-RF“ in Earth and Planetary Science Letters erschienen.

Quelle: https://www.mdr.de/wissen/umwelt/woher-kommt-das-ganze-metall-auf-dem-mond-100.html

Corona-Expedition: WHO-Experten wollen in China den Ursprung des Virus ermitteln

WHO – Weltgesundheitsorganisation

+++ Dienstag 07.07.2020: WHO-Experten reisen nach China zur Ursprungsforschung +++
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schickt am Wochenende Experten nach China, um die Herkunft des Coronavirus zu untersuchen. Die geplante Studie soll insbesondere klären, wie das Virus von Tieren auf den Menschen übergesprungen sei. WHO-Experte Mike Ryan sagt in Genf vor der Presse, die Untersuchung solle in der zentralchinesischen Stadt Wuhan beginnen, die als Ausgangspunkt der Pandemie gilt. Zuvor hatte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärt, der Coronavirus-Ausbruch beschleunige sich. Der Höhepunkt der Pandemie sei noch nicht erreicht. Die WHO-Expertin Benedetta Allegranzi teilte mit, es gebe eine wachsende Wahrscheinlichkeit, dass das Virus durch die Luft übertragen werde.


Mit sehr viel Interesse lese ich jeden Abend den Corona News-Blog:

Ich freue mich sehr darüber das die WHO ein internationales Team von Experten nach China reisen lässt. Um die tierische Quelle von COVID-19-Infektionen zu identifizieren. Bislang existieren zum Ursprung der Pandemie lediglich Hypothesen.

Nur schade das es so lange gedauert hat, hoffentlich geht es nun auch ohne Verzögerungen los.

Wünsche dem internationalen WHO-Experten Team viel Glück und Erfolg bei der Spurensuche. Und bin sehr gespannt auf die interessanten und spannenden Forschungsergebnisse in ein paar Jahren, dieser Corona-Expedition.

Damit die Länder und deren Politiker weltweit auch hoffentlich lehren und Konsequenzen aus der Corona-Pandemie ziehen, besonders im Hinblick auf Klima, Umwelt und Tierschutz sowie Wildtiermärkte/Wildtierhandel.

Christian Dauck


WHO: Ausmaß von Luftübertragung von Coronaviren noch unklar

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sehr zurückhaltend auf einen Vorstoß von Experten reagiert, die das Übertragungsrisiko des Coronavirus in der Luft für unterschätzt halten. Die WHO sei aufgeschlossen gegenüber neuen Datenlagen in diesem Feld, müsse aber sehr behutsam vorgehen, bevor sie Schlüsse ziehe, sagte die WHO-Expertin Benedetta Allegranzi. Es gebe nichts zu rütteln an den bestehenden Empfehlungen, die Abstand vorsehen sowie das Tragen von Masken. Rund 240 Wissenschaftler hatten zuvor Gesundheitsbehörden vorgeworfen, in ihren Empfehlungen das Ansteckungsrisiko durch kleinste Teilchen in der Luft, sogenannte Aerosole, zu vernachlässigen.


WHO-Experten wollen in China den Ursprung des Virus ermitteln

Experten der WHO reisen an diesem Wochenende nach China, um sich auf eine internationale Mission zur Identifizierung der tierischen Quelle von COVID-19-Infektionen vorzubereiten, sagte der Leiter der Weltgesundheitsorganisation am Dienstag.

Nach Angaben des WHO-Generaldirektors Tedros Adhanom Ghebreyesus seien alle Vorbereitungen abgeschlossen. „WHO-Experten reisen dieses Wochenende nach China, um mit der chinesischen Seite wissenschaftliche Pläne auszuarbeiten, damit die zoonotische Quelle der Krankheit identifiziert werden kann“, sagte er.

Tedros führte näher aus, dass die Experten den Umfang und die Bedingungen einer WHO-geführten internationalen Mission entwickeln werden, dessen Ziel es ist, das Verständnis für tierische Wirte von COVID-19 zu identifizieren und zu ermitteln, wie diese Krankheit von Tieren auf Menschen übertragen wird.

„Die Ermittlung des Ursprungs für diese Viruserkrankung hat sich bei früheren Epidemien in verschiedenen Ländern als komplex herausgestellt. Eine gut geplante Serie von wissenschaftlichen Forschungen wird das Verständnis von tierischen Virusreservoirs sowie den Übertragungsweg zum Menschen vertiefen“, schrieb Tedros nach dem Medienbriefing auf Twitter. „Dieser Prozess ist ein sich entwickelndes Unterfangen, das zu weiterer internationaler Forschung und Kooperation führen könnte“, so Tedros weiter.

Michael Ryan, Exekutivdirektor des WHO-Gesundheitsnotfallprogramms, sagte auf dem Pressebriefing, das Antworten auf die Suche nach der zoonotischen Quelle einer Krankheit manchmal trügerisch sein könnten, beispielsweise bei Ebola, MERS oder SARS, bei denen es recht lange gedauert und es einen akribischen und multisektoralen Ansatz erfordert habe.

Im Falle von COVID-19 könnte die Suche nach dem tierischen Ursprung die wildlebenden Tiere, domestizierte Tiere und die Interaktion zwischen diesen Tieren und den Menschen umfassen.

„Es ist extrem wichtig, zu verstehen, wie das Virus in die menschliche Population gelangt ist, doch die Suche nach den Antworten ist nicht immer ein geradliniger Prozess“, sagte er.

Orginalmeldung: http://german.china.org.cn/txt/2020-07/08/content_76250546.htm


Chinas Außenamt: WHO-Experten werden an Identifizierung der COVID-19-Quelle in Beijing teilnehmen

Der chinesische Außenamtssprecher Zhao Lijian hat am Mittwoch bestätigt, dass die chinesische Regierung nach Konsultation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) WHO-Experten erlauben werde, nach Beijing zu reisen und mit den chinesischen Wissenschaftlern und medizinischen Experten bei der Identifizierung der zoonotischen Quelle des neuartigen Coronavirus zusammenzuarbeiten.

China und die WHO hätten einen Grundkonsens, die Identifizierung der Quelle des Virus sei eine ernsthafte und komplizierte wissenschaftliche Frage, so Zhao weiter. Die Wissenschaftler sollten die Erforschung und Zusammenarbeit in der ganzen Welt durchführen. Die WHO sei auch der Ansicht, dass die Identifizierung ein kontinuierlicher Prozess sei und mehrere Länder und Regionen betreffen könne. Die Organisation werde je nach Bedarf ähnliche Besuche in anderen Ländern und Regionen durchführen.

Der Sprecher sagte weiter, wie Staatspräsident Xi Jinping auf der Eröffnung der 73. WHO-Konferenz betonte, werde die chinesische Seite die Wissenschaftler aller Länder weiter unterstützen, den Ursprung und die Verbreitungswege des Virus zu erforschen.

Seit dem Ausbruch der COVID-19-Epidemie hätte China sich mit der WHO ständig ausgetauscht und zusammengearbeitet. Die WHO hatte angekündigt, dass ihre Experten nach China kommen und mit den chinesischen Experten zusammenarbeiten werden. Beide Seiten würden den Arbeitsbereich und die Arbeitsaufgaben eines von der WHO geleiteten internationalen Expertenteams festlegen, so der chinesische Sprecher.


Ursprung der Pandemie

Woher kommt das neuartige Coronavirus? Bislang gibt es nur Hypothesen zum Ursprung der Pandemie. Das soll sich nun ändern – was aber dauern könnte.

Die Weltgesundheitsorganisation will den Ursprung der Corona-Pandemie wissenschaftlich erforschen lassen. Am Wochenende sollen Experten aus der Genfer WHO-Zentrale nach China reisen, um dort mit Kollegen des chinesischen WHO-Teams und chinesischen Wissenschaftlern eine Studie zu konzipieren, die herausfinden soll, wie das Virus von Tieren auf Menschen übergesprungen ist. Das gab WHO-Exekutivdirektor Michael Ryan am Dienstagabend in Genf bekannt.

Beginnen soll die Untersuchung in der zentralchinesischen Stadt Wuhan, die als Ausgangspunkt der Pandemie gilt. Nach Angaben der chinesischen Behörden trat das Virus dort im vergangenen Winter erstmals bei Menschen auf und verursachte teils schwere Lungenentzündungen. Es handele sich um „Detektivarbeit“, sagte Ryan, die Jahre, möglicherweise Jahrzehnte in Anspruch nehmen werde.

Das Ziel sei, den Pfad, den das Virus vom Tier zum Menschen genommen habe, möglichst genau zurückzuverfolgen und inklusive aller Zwischenwirte nachzuzeichnen. Man hoffe, auf diese Weise die Übertragungswege besser verstehen und sich gegen künftige Erreger und Risiken wappnen zu können. Bislang existieren zum Ursprung der Pandemie lediglich Hypothesen.

Er sei sicher, dass „unsere wissenschaftlichen Kollegen in China bestrebt sind“, das Rätsel um die Herkunft des Virus gemeinsam zu knacken. Tatsächlich ist die WHO auf die Zusammenarbeit mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft, aber auch mit den Behörden in China angewiesen. Ihr eigenes Expertenteam, präzisierte eine WHO-Sprecherin gegenüber der taz, bestehe aus insgesamt lediglich zwei Personen aus der WHO-Zentrale: einem Epidemiologen und einem Experten für Tiergesundheit.

Unterstützt würden die beiden Wissenschaftler vor Ort vom WHO-Team in China. Die Frage, ob die chinesische Regierung Mitsprache hatte bei der Auswahl der Wissenschaftler, die die WHO nun nach China entsendet, ließ die Sprecherin unbeantwortet. Ebenfalls keine Angaben machte die WHO, welche Unterlagen ihre Forscher überhaupt werden einsehen und zu welchen Instituten und Laboren in China sie Zugang haben werden.

Bisherige Untersuchungen deuten auf Fledermäuse als Ursprung von SARS-CoV-2 hin. Darauf verweisen wissenschaftliche Institutionen wie das Friedrich-Löffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, und das Forschungsnetz Zoonotische Infektionskrankheiten, ein interdisziplinärer Forschungsverbund, der sich mit Infektionskrankheiten beschäftigt, die von Bakterien, Parasiten, Pilzen oder Viren verursacht und wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können.

Unklar ist jedoch, ob das Virus direkt von den Fledermäusen auf den Menschen übertragen wurde oder ob eine weitere Tierart, etwa Marderhunde oder Malaysische Schuppentiere, dem Virus als Zwischenwirt diente.

Virus wohl von Fledermäusen

Daneben gibt es Mutmaßungen, geäußert unter anderem Anfang Mai von US-Außenminister Mike Pompeo, dass die Pandemie in einem Hochsicherheitslabor in der Stadt Wuhan ihren Anfang genommen haben könnte. Dieser Hypothese haben sowohl die chinesische Regierung als auch der US-Regierungsberater und Immunologe Anthony Fauci widersprochen.

Fauci sagte unlängst gegenüber dem Magazin National Geographic, es sei unwahrscheinlich, dass das Virus aus dem Labor entwichen sei. Der Forschungsstand deute vielmehr darauf hin, dass das Virus durch natürliche Evolutionsprozesse entstanden sei und die Artengrenze überwunden habe.

Diese These vertritt auch die chinesische Wissenschaftlerin Shi Zhengli, Leiterin des Zentrums für neu auftretende Infektionskrankheiten am Institut für Virologie Wuhan der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Shi forscht seit Jahren zu Coronaviren aus Fledermäusen; 2017 hatten sie und ihr Team entdeckt, dass das SARS-Coronavirus, das – vereinfacht gesagt – verwandt ist mit dem aktuell zirkulierenden SARS-Cov-2, mit großer Wahrscheinlichkeit aus einer Fledermauspopulation in der chinesischen Provinz Yunnan stammt. Nach bisherigen Erkenntnissen, so Shi, weise das Genom von Sars-Cov-2 auch keine Spuren menschlicher Manipulation auf.

Originalmeldung: https://taz.de/WHO-schickt-Corona-Experten-nach-China/!5694252/

Starlink-Internet: Beta-Tests sollen bald starten

40 Starlink-Satelliten hat SpaceX schon im All. Im Sommer sollen erste öffentliche Beta-Tests starten. Auch Nutzer in Europa können sich registrieren.

Starlink von SpaceX: ein interessantes uns spannendes Projekt.

Bin mal gespannt wie es sich wirtschaftlich und preislich gegen Breitband, LTE, G5 usw. behaupten und entwickeln kann. Das wird interessant und spannend mit anzusehen auch die ersten tests und Nutzererfahrungen der Internet-User. Starlink würde ich auch gerne hier in Europa nutzen wollen und vor allem mal testen.

Und ein Telekommunikationsunternehmen das in der Raumfahrt aktiv ist zu unterstützen (für Internet von Starlink zu bezahlen), reizt natürlich auch. Da weiß bzw. sehe ich was mit meinen Geld gemacht wird und wo für es investiert wird.

Christian Dauck
MIt den Starlink-Satelliten will SpaceX schnelle Internetzugänge an jedem Punkt der Erde  möglich machen. Foto (Symbolbild): chivas1689@gmail.com
MIt den Starlink-Satelliten will SpaceX schnelle Internetzugänge an jedem Punkt der Erde möglich machen.

SpaceX will Beta-Tests noch im Sommer starten

In nördlichen Breitengraden soll es erste Beta-Tests geben, wie SpaceX verlautbart. Gemeint sind wohl nördliche US-Bundesstaaten, immerhin will das Unternehmen laut grobem Fahrplan den Internetdienst zuerst in den USA anbieten. Laut SpaceX-Chef Elon Musk ist das schon mit 500 Satelliten möglich. Mit etwa 1.200 Satelliten wäre dann eine weltweite Abdeckung denkbar. Je mehr Satelliten sich im Orbit befinden, desto schneller wird die Internetverbindung, so die Idee. Langftristig will SpaceX 10.00 bis möglicherweise sogar 42.000 Satelliten in die Umlaufbahn schicken.

Ob es das Starlink-Internet schon in diesem Jahr auch in Europa geben wird, ist fraglich. Elon Musk hatte via Twitter schon im April zumindest angedeutet, dass auch in Deutschland Beta-Zugänge zum SpaceX-Internetprojekt denkbar sind. Über die Webseite von Starlink können interessierte Nutzer ihre E-Mail angeben und sich Updates dazu liefern lassen, ab wann in ihrer Heimatregion der Starlink-Dienst verfügbar ist.

Wörtlich heißt es in einer Antowrt-Mail von SpaceX: „Vielen Dank für Ihr Interesse an Starlink! Starlink wurde entwickelt, um Hochgeschwindigkeitsbreitband-Internet an Orten bereitzustellen, an denen der Zugang unzuverlässig, teuer oder überhaupt nicht verfügbar ist. Private Beta-Tests werden voraussichtlich noch in diesem Sommer beginnen, gefolgt von öffentlichen Beta-Tests, beginnend in nördlichen Breitengraden. Wenn Sie uns Ihre Postleitzahl mitgeteilt haben, werden Sie per E-Mail benachrichtigt, wenn in Ihrer Region Beta-Testmöglichkeiten verfügbar sind.“

Orginalmeldung auf Deutsch: https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/raumfahrt/starlink-internet-beta-tests-sollen-bald-starten/

Elon Musk: Nutzer sollen noch diesen Sommer Starlink-Internet testen können – auch in Deutschland

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Elon Musk: Nutzer sollen noch diesen Sommer Starlink-Internet testen können – auch in Deutschland
Aktuelle Aufenthaltsorte der SpaceX-Satelliten.

Nachdem SpaceX vor wenigen Tagen die neunte Ladung Starlink-Satelliten im All platziert hat, ist offenbar die Zeit gekommen, erste Beta-Tester zuzulassen. Das können laut Elon Musk auch Nutzer aus Deutschland sein.

Mittlerweile umkreisen 540 Starlink-Satelliten in ihren niedrigen Umlaufbahnen den Erdball. Zwischen 500 und 800 Satelliten hatte SpaceX-Chef Elon Musk in der Vergangenheit immer wieder für ausreichend erklärt, um erste Regionen mit funktionierenden Internetzugängen zu versorgen. Dabei sollte mit der nördlichen Hemisphäre gestartet werden.

Starlink öffnet Registrierung für interessierte Nutzer

Starlink öffnet Registrierungsformular für Interessenten.

An dieser Aussage will sich Musk nun offenbar messen lassen. Besucher der Starlink-Website bekommen ab sofort ein Formular zu sehen, über das sie sich über die Verfügbarkeit in ihrer Region unterrichten lassen können. Einmal abgesendet, antwortet SpaceX mit einer E-Mail, in der es heißt, dass die geschlossene Beta-Phase noch im Sommer starten soll. Öffentliche Beta-Tests sollen danach folgen. Zuerst würden Nutzer, die in höheren Breiten leben, bedient werden. Konkretere Informationen gibt es bislang nicht.

Elon Musk hatte bereits im April und Mai des Jahres auf Twitter klargestellt, dass mit höheren Breiten der nördlichen Hemisphäre Örtlichkeiten wie Seattle, aber auch Deutschland gemeint sein könnten.

Regulatorische Voraussetzungen noch unklar

Zu den regulatorischen Voraussetzungen hinsichtlich Umfang und Erreichungsgrad hierzulande liegen bislang keine Informationen vor. Realistisch betrachtet dürften deutsche Nutzer eher nicht in der vordersten Testreihe Berücksichtigung finden. Experten gehen von einem Start der Tests zunächst in den nördlichen US-Staaten aus.

Was indes bereits bekannt ist, ist der voraussichtliche Preis des Starlink-Zugangs: Rund 80 US-Dollar müssen Interessenten laut Musk einplanen. Dafür erhalten sie neben dem Internetzugang auch das erforderliche Nutzer-Terminal. Dabei handelt es sich um eine Antenne in Scheibenform, die einen Durchmesser von ungefähr einem halben Meter aufweist und von Musk als „kleines UFO auf einem Stock“ beschrieben worden war.

Orginalmeldung auf Deutsch: https://t3n.de/news/elon-musk-nutzer-noch-diesen-1295061/

Marsmission der Vereinigten Arabischen Emirate vor ihrem Start

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Die Hope-Sonde der Vereinigten Arabischen Emirate soll ein ganzjähriges Bild der Marsatmosphäre vermitteln.

Die Hope Mars Mission der Vereinigten Arabischen Emirate ist aus vielen Gründen eine Premiere. Wenn der Satellit 2021 die Umlaufbahn des roten Planeten erreicht , ist er die erste Sonde, die ein vollständiges Bild der Marsatmosphäre liefert und einen ganzheitlichen Blick auf die Veränderung des Marsklimas im Laufe des Jahres bietet. Es ist auch die erste interplanetare Mission, die von einem arabischen Land mit muslimischer Mehrheit geleitet wird.

Die VAE-Vereinigten Arabischen Emirate machen wahrscheinlich den Anfang und Leuten somit den Start der Mars-Missionen im Juli 2020 zum roten Planeten ein.

„Die Raumsonde heißt Hoffnung, auf Arabisch: „al-Amal“, und soll als erste Mission eines arabischen Landes den Mars erreichen. Am 14. Juli soll sie von einer japanischen H-IIA-Rakete ins All geschossen werden – und damit eine Botschaft an alle Nachbarstaaten der Emirate schicken“

Gefolgt von China und der USA die später, im Juli 2020 starten.

Wenn die Missionen der VAE-Vereinigten Arabischen Emirate und China erfolgreich sind werden sie neben der Wissenschaftlichen Forschung außerdem der Liste der Elite-Nationen beitreten, die erfolgreich Raumsonden in die Umlaufbahn um den „Roten Planeten“ gebracht haben. Bisher konnten nur die USA, die ehemalige Sowjetunion, die Europäische Weltraumorganisation und Indien solche Missionen starten.

Christian Dauck

„Die Absicht war nicht, der Welt eine Botschaft oder Erklärung zu übermitteln“, sagte Sarah Al Amiri, Vorsitzende des Wissenschaftsrates der VAE und stellvertretende Projektmanagerin der Emirates Mars Mission, im März gegenüber CNET . „Für uns war es eher eine interne Verstärkung dessen, worum es in den VAE geht.“  

Der Satellit wird die Verbindungen zwischen der unteren und oberen Marsatmosphäre untersuchen und untersuchen, was den Verlust von Wasserstoff und Sauerstoff in den Weltraum verursacht. Es wird zwei Jahre lang Daten sammeln, nachdem es im Februar 2021 seine Umlaufbahn um den Mars erreicht hat. Es besteht die Möglichkeit, die Mission bis 2025 zu verlängern.

An Bord von Hope befinden sich drei Instrumente, mit denen die Sonde die Marsatmosphäre intensiver untersuchen kann. Es gibt eine hochauflösende Kamera, die als Emirates eXploration Imager (EXI) bekannt ist, einen UV-Imager, der als Emirates Mars Ultraviolett-Spektrometer (EMUS) bekannt ist, und einen Scan-Infrarot-Imager, der als Emirates Mars InfraRed Spectrometer (EMIRS) bezeichnet wird.

Orginalmeldung auf Englisch: https://www.cnet.com/how-to/the-hope-mars-mission-how-to-watch-the-uaes-historic-launch-live/

Marsmission in den VAE: Ingenieure aus den Emiraten erwarten, dass Japans Regenzeit rechtzeitig zum Start endet

Zusammenbau der Rakete

Die Ingenieure aus den Emiraten sind zuversichtlich, dass die Regenzeit Japans rechtzeitig zum Start des Mars-Raumfahrzeugs der VAE endet, das nun acht Tage entfernt ist.

Eine Rekordmenge an Regen, Überschwemmungen und Erdrutschen traf letzte Woche die Präfektur Kagoshima, zu der auch die Inselstadt Tanegashima gehört.

Tanegashima Island, der Startort der Sonde, ist normalerweise feucht, hat aber in letzter Zeit viel Regen, starken Wind und bewölktes Wetter gesehen.

Raketenstarts werden bei instabilem Wetter häufig verschoben, da starke Winde, Blitze oder Regen den Start stören können.

„Wir gehen davon aus, dass die Regenzeit in wenigen Tagen endet“, sagte Suhail Al Dhafri, stellvertretender Projektmanager der Emirates Mars Mission, während eines virtuellen Medienbriefings am Montag.

Herr Dhafri sagte, dass mehrere Wetterkontrollen Tage vor dem Start und eine stündliche Kontrolle am großen Tag durchgeführt werden, die den Status des Abhebens bestimmen wird.

Die Regenzeit dauert normalerweise von Mai bis Mitte Juli auf der Insel Tanegashim.

Der Start ist für den 15. Juli, 12.51 Uhr (VAE-Zeit) geplant und fällt in ein Startfenster, das bis zum 3. August dauert. Wenn dies verpasst wird, ist eine weitere Gelegenheit zwei Jahre lang nicht verfügbar, da dann Erde und Mars das nächste Mal ausgerichtet werden .

In der Vergangenheit wurden mehrere Raketenstarts von der Insel Tanegashima wegen schlechten Wetters verschoben. Der letzte war im September 2018, als sich eine Frachtmission zur Internationalen Raumstation wegen eines Taifuns verzögerte.

Neben dem Wetter ist die Covid-19-Pandemie seit mehreren Monaten eine Herausforderung, die dem Team Transportprobleme bereitet.

Der ursprüngliche Plan war, 13 Ingenieure zum Startort zu schicken, die Anzahl wurde jedoch aufgrund von Reisebeschränkungen auf acht reduziert. Die Verantwortlichkeiten wurden auf das kleine Team am Startort aufgeteilt. Die verbleibenden Ingenieure bleiben in den VAE, um an anderen Aspekten der Mission zu arbeiten.

Das Raumschiff und das Team reisten vorsorglich im April zum Tanegashima Space Center. Die Ingenieure wurden 15 Tage lang unter Quarantäne gestellt und führen seit ihrer Freilassung Tests an der Sonde durch.

Es gibt Sicherheitsmaßnahmen, um das Team, das sich täglichen Gesundheitskontrollen unterzieht, vor dem Virus zu schützen.

„Die Insel ist sehr isoliert und es gibt hier nur sehr begrenzte Transportmöglichkeiten“, sagte Al Dhafri.

„Trotzdem geben uns die Gesundheitsexperten regelmäßige Gesundheitschecks.

„Coronavirus ist kein Hindernis für uns“, sagte er.

Das Raumschiff wurde auch dekontaminiert, bevor es nach Japan verschifft wurde. Dies beinhaltete ein „Ausheizen“, bei dem das Fahrzeug extremen Temperaturen ausgesetzt wird, um unerwünschte Materialien zu entfernen.

Hope wurde mit 800 kg Wasserstoff betrieben und der nächste Schritt besteht darin, ihn an der Rakete zu befestigen.

Es wird mit der H-IIA-Rakete von Mitsubishi Heavy Industries gestartet, die eine Erfolgsquote von 97,6 Prozent aufweist.

Die H-IIA-Rakete von Mitsubishi Heavy Industries wird Hoffnung in den Weltraum bringen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate nutzten diese Rakete 2018, um ihren ersten zu 100 Prozent in den Emiraten gebauten Satelliten KhalifaSat zu starten.

Orginalmeldung auf Englisch: https://www.thenational.ae/uae/science/uae-mars-mission-emirati-engineers-expect-japan-s-rain-season-to-end-in-time-for-launch-1.1044896

Das Projekt befindet sich in der Phase der Startkampagne

Die Mission hat die letzte Phase vor dem Start erreicht, in der das Raumschiff und die Trägerrakete auf den großen Tag vorbereitet sind.

Hope ist bereits betankt und bereit, in die Verkleidung eingesetzt zu werden – eine externe Struktur, die das Raumschiff auf der Rakete schützt – und wird diese Woche auf der H-IIA-Rakete montiert.

Orginalmeldung auf Englisch: https://www.thenational.ae/uae/science/uae-mars-mission-here-s-what-launch-day-will-look-like-1.1043174#12

Laut einem NASA-Wissenschaftler soll die Mars-Sonde der VAE wichtige Daten über getrockneten Flussbetten erfassen

Die Hope-Sonde der VAE-Vereinigten Arabischen Emirate

Das Raumschiff Hope der VAE könnte bahnbrechende Daten darüber liefern, warum die alten Flusssysteme des Mars ausgetrocknet sind, hat ein führender Nasa-Wissenschaftler behauptet.

Dr. Jim Rice sagte, die Höhenpositionierung der Emirates Mars Mission-Sonde könne dazu beitragen, viele der wichtigsten Rätsel des Roten Planeten zu lösen.

Derzeit gibt es sechs relativ niedrig umlaufende Raumschiffe aus Europa, Indien und den USA, die den Mars umkreisen.

Wenn Hope im Juli dieses Jahres startet, wird es sich in einer elliptischen Umlaufbahn zwischen 22.000 km und 44.000 km von der Oberfläche des Planeten befinden.

Wissenschaftler hoffen, dass die Sonde durch die zusätzliche Höhe wichtige Daten zur Mars-Temperatur sowie zu anderen Wetterbedingungen abrufen kann.

„Die anderen [Sonden], wie der Mars Reconnaissance Orbiter, der European Trace Gas Orbiter, die Nasa MAVEN-Mission und alle früheren Missionen aus den 1970er Jahren, waren Missionen mit niedriger Umlaufbahn“, sagte Dr. Rice, Leiter des Geologieteams des Mars Exploration Rover-Projekt an der Nasa.

„Sie haben hauptsächlich versucht, hochauflösende Bilder der Oberfläche zu erhalten. Für Wettersatelliten ist es am besten, viel höher platziert zu sein, was das Ziel der Hope-Mission ist. “

Die Hope-Sonde der VAE wird voraussichtlich Mitte Juli vom japanischen Tanegashima Space Center auf einer kleinen Insel im äußersten Süden des Landes aus starten.

Sobald es sich in der Umlaufbahn befindet, bildet es alle 55 Stunden einen vollständigen Mars-Kreis, viel länger als vorhandene Raumschiffe.

Der Mars Reconnaissance Orbiter benötigt derzeit 112 Minuten, um die Schleife abzuschließen, während der Trace Gas Orbiter 120 Minuten und der MAVEN viereinhalb Stunden benötigt. Dies liegt daran, dass sich beide weit näher an der Oberfläche des Roten Planeten befinden.

In einem Gespräch mit The National in der vergangenen Woche sagte Dr. Rice, die Wissenschaftler hätten gehofft, dass neue, detaillierte atmosphärische Daten Aufschluss darüber geben könnten, was den trostlosen Zustand des Mars verursacht hat.

Experten glauben, dass einst flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche existierte, was durch den Nachweis spezifischer Mineralien sowie herausragender geologischer Merkmale belegt wird.

„Die Hoffnung wird den gesamten Planeten sehen und die gesamte Atmosphäre zu verschiedenen Tageszeiten beobachten und studieren können“, sagte Dr. Rice.

„Geologie war schon immer der Hauptschwerpunkt aller früheren Missionen, aber der Mars hatte nicht viele Missionen mit dem Schwerpunkt Wetter. Die Hope-Mission bietet das. “

„Wir sehen alle getrockneten Flussbetten, wir wissen, dass es auf dem Mars Seen gab, vielleicht sogar Ozeane.

„Diese Dinge können heute nicht existieren, weil der atmosphärische Druck zu gering ist. Die Atmosphäre muss [in der Vergangenheit] dicker gewesen sein, damit flüssiges Wasser auf der Oberfläche vorhanden sein kann.

„Das Klima des Mars zu verstehen, ist eine der großen Fragen, und wann und was diese Veränderung verursacht hat.

„Alle Informationen, die wir erhalten können, können uns helfen, die Lücken in unserer Wissensbasis zu schließen.“

Wenn Hope seine Umlaufbahn erreicht, werden drei Bordinstrumente – ein Infrarot- und Ultraviolett-Spektrometer sowie eine Kamera – den Planeten untersuchen.

Das Gerät wird sich insbesondere darauf konzentrieren, wie große Staubstürme auf seiner Oberfläche dazu führen, dass Wasserstoffgas in höhere Bereiche seiner Atmosphäre gelangt.

Es ist diese Bewegung von Wasserstoff, von der Experten glauben, dass sie zur Ausdünnung der Marsatmosphäre beitragen und dazu führen könnte, dass die Flussbetten austrocknen.

Bevor Hope jedoch mit der Datenerfassung beginnen kann, müssen Wissenschaftler die Sonde zunächst in die richtige Umlaufbahn bringen.

Dr. Rice beschrieb diese Aufgabe als „sehr schwierig“, da etwa 45 Prozent der Mars-Missionen, unabhängig davon, ob es sich um Landungsboote oder Orbiter handelt, zum Scheitern führen.

Heute ist Indien bislang das einzige Land, das bei seinem ersten Versuch erfolgreich eine Sonde in die Umlaufbahn um den Planeten gebracht hat.

„Es wird eine große Leistung sein, wenn die Mission erfolgreich ist“, sagte Dr. Rice. „Selbst das Fliegen im Orbit war schwierig.

Orginalmeldung auf Englisch: https://www.thenational.ae/uae/science/uae-mars-probe-to-capture-vital-data-on-dried-riverbeds-nasa-scientist-says-1.984699

Arabische Weltraummission: Emirate schicken die Raumsonde „al-Amal“ zum Mars

Die Raumsonde heißt Hoffnung, auf Arabisch: „al-Amal“, und soll als erste Mission eines arabischen Landes den Mars erreichen. Am 14. Juli soll sie von einer japanischen H-IIA-Rakete ins All geschossen werden – und damit eine Botschaft an alle Nachbarstaaten der Emirate schicken:

„Wenn die Vereinigten Arabischen Emirate es schaffen, den Mars zu erreichen, könnt ihr noch viel mehr. In der arabischen Geschichte hatte diese Region einen großen Anteil daran, Wissen zu generieren. Wir haben aber damit aufgehört; die Region hat sich zurückentwickelt und ist ins Chaos gestürzt.“

Omran Sharaf und sein Team möchten nicht weniger als eine Kehrtwende einleiten, zumindest für die Emirate. Der Luft- und Raumfahrtingenieur leitet die Marsmission.

Mit „al-Amal“ soll der Verlust der Mars-Atmosphäre untersucht werden

Das Vorhaben ist ehrgeizig: Eine 1,3 Tonnen schwere Marssonde, die sogar massereicher ist als die erste ESA-Mission zum Roten Planeten.

Die arabische Raumsonde soll mit drei Instrumenten an Bord die anderen acht derzeit aktiven Missionen am Mars ergänzen. Und sie soll vor allem eine bislang unbeantwortete Frage klären, erläutert Sarah Al Amiri, die stellvertretende Projektmanagerin der Mission und gleichzeitig Wissenschaftsministerin des Landes:

„Zum ersten Mal überhaupt wollen wir überprüfen, ob sich Änderungen in den tiefen Atmosphärenschichten des Mars darauf auswirken, wie viel Wasserstoff und Sauerstoff der Planet ins All verliert.“

Auf den ersten Blick scheint „al-Amal“ der Raumsonde Maven stark zu ähneln, der NASA-Mission, die seit sechs Jahren um den Mars kreist. Auch sie untersucht die Atmosphäre. Und tatsächlich ließen die Emirate alle drei wissenschaftlichen Instrumente in den USA bauen, sie mieteten Reinräume und Testanlagen rund um Boulder in Colorado, wo die Universität auch maßgeblich für die NASA-Mission Maven zuständig ist.

Dennoch sei die arabische Raumsonde nicht einfach die Kopie einer US-Mission, sagt Omran Sharaf: „Die Regierung wollte nicht, dass wir von Null anfangen. Wir sollten auf dem Wissen von anderen aufbauen. Wir sollten einen emiratischen Weg finden, solche Missionen in einer sehr kurzen Zeit umzusetzen.“

Ziel ist ein globales Bild der Wetterlage auf dem Mars

Wissenschaftlich wagt Al-amal tatsächlich etwas Neues, sagt auch Håkan Svedhem. Er ist Projektwissenschaftler des ExoMars Trace Gas Orbiters der ESA, der ebenfalls die Marsatmosphäre untersucht.

„Ich denke, sie ist eine sehr interessante Ergänzung. Der Orbit der Sonde unterscheidet sich stark von allen anderen Missionen, die bisher am Mars arbeiten. Maven verwendet ein recht ähnliches UV-Spektrometer und ist auch auf einem elliptischen Orbit. Aber die emiratische Sonde wird viel weiter entfernt kreisen. Sie wird der Oberfläche nie wirklich nah kommen und wird dadurch den Planeten beobachten können, wie er sich unter ihr hinwegbewegt.“

Mit seinen drei Instrumenten soll Al-amal ab Mai 2021 alle neun Tage jeden Ort auf dem Mars überfliegen und dabei erstmals ein globales Bild der Wetterlage auf dem Roten Planeten ermöglichen. Die arabischen Wissenschaftler können die Daten kaum alleine auswerten – und wollen sie deshalb spätestens drei Monate später für Forscher weltweit veröffentlichen. Vorausgesetzt, dass der Start am 14. Juli gelingt – und dass die erste arabische Marsmission den Planeten auch wirklich erreicht.

Orginalmeldung auf deutsch: https://www.deutschlandfunk.de/arabische-weltraummission-emirate-schicken-die-raumsonde-al.676.de.html?dram:article_id=479780

Meldepflicht für Netzwerke: Gesetz gegen Hass und Hetze im Netz nimmt letzte Hürde

Das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz, kurz NetzDG, ist jetzt noch schärfer. Soziale Netzwerke müssen potentiell strafbare Inhalte nicht nur löschen, sondern auch ans Bundeskriminalamt melden.

Wer online Hassbotschaften verbreitet oder Menschen bedroht, muss künftig mit schärferer Verfolgung rechnen.

Wer online Hassbotschaften verbreitet oder Menschen bedroht, muss künftig mit schärferer Verfolgung rechnen. Der Bundesrat beschloss am Freitag in Berlin das neue Gesetz zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität im Internet. Der Bundestag hatte den Neuregelungen bereits Mitte Juni zugestimmt.

So sollen soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter Posts etwa mit Neonazi-Propaganda, Volksverhetzung oder Mord- und Vergewaltigungsdrohungen künftig nicht mehr nur löschen, sondern sofort dem Bundeskriminalamt (BKA) melden. Um die Täter schnell zu identifizieren, müssen sie auch IP-Adressen weitergeben. Bei besonders schweren Straftaten wie Terrorismus und Tötungsdelikten sollen nach einem Richterbeschluss auch Passwörter verlangt werden dürfen. Sind die Passwörter bei den Anbietern verschlüsselt gespeichert, werden sie auch genauso übermittelt.

Drohungen mit Körperverletzung oder sexuellen Übergriffen oder Ankündigungen, etwa das Auto anzustecken, werden künftig ähnlich behandelt wie Morddrohungen, und zwar als Straftaten. Für solche Äußerungen im Internet drohen Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren, bei öffentlichen Morddrohungen von bis zu drei Jahren. Auch Beleidigungen im Internet sollen mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden.

Soziale Netzwerke sollen etwa mit Neonazi-Propaganda, Volksverhetzung oder Mord- und Vergewaltigungsdrohungen künftig nicht mehr nur löschen, sondern sofort dem Bundeskriminalamt melden.

Derzeit ist es nur strafbar, wenn man bereits begangene Taten öffentlich befürwortet, künftig gilt das auch für angekündigte Delikte. Neben Bundes- und Landespolitikern werden künftig zudem auch Kommunalpolitiker ausdrücklich unter den besonderen Schutz des Strafgesetzbuches gestellt. Für Angriffe auf medizinisches Personal in Notaufnahmen, auf Ärzte und Pfleger, sollen künftig bis zu fünf Jahre Haft drohen, wie heute schon für Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Soldaten.

Wenn es für eine Tat antisemitische Motive gibt, soll das künftig strafverschärfend wirken. Und schließlich können Lokalpolitiker, Ehrenamtler und Journalisten künftig leichter Auskunftssperren für ihre Daten im Melderegister erwirken und so verhindern, dass Unbekannte ihre Adresse herausfinden. Derzeit kann jeder den vollen Namen und die Anschrift anderer bei den Behörden erfragen. Wenn es ein «berechtigtes Interesse» gibt, sind auch Auskünfte etwa zu Familienstand und Staatsangehörigkeiten möglich. https://bnn.de/nachrichten/politik/gesetz-gegen-hass-und-hetze-im-netz-nimmt-letzte-huerde

  1. Beschluss

Bundesrat Beschluss

Hass und Hetze im Internet bekämpfen

Der Bundesrat hat am 3. Juli 2020 das Gesetz zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität im Internet gebilligt, das der Bundestag am 18. Juni 2020 verabschiedet hatte.

Zunehmende Verrohung der Kommunikation

Ziel ist es, die Strafverfolgung von Hasskriminalität im Internet zu verbessern. Dort und besonders in den sozialen Medien sei eine zunehmende Verrohung der Kommunikation zu beobachten – dies gefährde die Meinungsfreiheit, die der Staat mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu verteidigen habe, begründet der Bundestag seinen Beschluss.

Meldepflicht für Anbieter

Anbieter sozialer Netzwerke müssen künftig ein System einrichten, um bestimmte strafbare Inhalte an das Bundeskriminalamt zu melden. Die Meldepflicht betrifft Inhalte, bei denen es konkrete Anhaltspunkte für die Erfüllung eines Straftatbestandes gibt und die anhaltende negative Auswirkungen auf die Ausübung der Meinungsfreiheit in den sozialen Medien haben können.

Kinderpornografie und Hetze gegen Verstorbene

Erfasst sind auch kinderpornografische Inhalte und das Verunglimpfen des Andenkens Verstorbener. Hintergrund sind die Erfahrungen aus der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke 2019: sie zeigten, wie Hetze im Netz mittlerweile auch in dieser Form ihren Ausdruck findet, heißt es in der Gesetzesbegründung.

Neue Tatbestände und höhere Strafen

Der Bundestagsbeschluss ändert an verschiedenen Stellen das Strafgesetzbuch. So ist künftig auch

Androhung einer gefährlichen Körperverletzung strafbar. Auch die Billigung noch nicht erfolgter Straftaten wird sanktioniert.

Öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften getätigte beleidigende Äußerungen können künftig im Höchstmaß mit zwei Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden. Der Tatbestand der üblen Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens gilt bis hin zur kommunalen Ebene.

Antisemitische Motive

Unter dem Tatbestand Bedrohung werden künftig auch die Bedrohung mit einer rechtswidrigen Tat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder gegen eine Sache von bedeutendem Wert vom Tatbestand erfasst. Bei der Strafzumessung werden antisemitische Motive eines Täters besonders berücksichtigt.

IP-Adressen-Abfrage

Das Bundeskriminalamt ist im Rahmen seiner Zentralstellenaufgabe künftig berechtigt, bei Telemediendiensteanbietern die Login-IP-Adressen von Urhebern strafbarer Internetinhalte abzufragen.

Unterzeichnung – Verkündung – Inkrafttreten

Mit der Billigung des Bunderates ist das parlamentarische Verfahren abgeschlossen. Das Gesetz wird nun über die Bundesregierung dem Bundespräsidenten zur Unterzeichnung vorgelegt und kann anschließend im Bundesgesetzblatt verkündet werden. Es soll am Tag darauf in Kraft treten. https://www.bundesrat.de/DE/plenum/bundesrat-kompakt/20/992/11.html#top-11

Gesetzespaket gegen Hass und Hetze ist ein Gesetzespaket zum Schutz der Demokratie

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht erklärt:
„Das heute vom Deutschen Bundestag beschlossene Gesetzespaket gegen Hass und Hetze ist für die Verteidigung unserer Demokratie und unseres Rechtsstaats von zentraler Bedeutung.
Das Gesetzespaket dient dem Schutz aller Menschen, die von Rassisten und Rechtsextremisten bedroht und diffamiert werden. Wir senden damit das ganz klare Signal aus, dass wir diese Taten nicht hinnehmen und uns mit Nachdruck dagegen zur Wehr setzen.
Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der antisemitische Terroranschlag in Halle, die rassistischen Morde in Hanau und die hohe Zahl weiterer rechtsextremistischer Gewalttaten haben gezeigt, wie dringend nötig unser Gesetzespaket ist, um die Spirale von Hass und Gewalt zu durchbrechen.
Wir geben der Justiz die notwendigen Instrumente, um gegen Hasskriminalität endlich konsequent vorgehen zu können. Dafür verschärfen wir das Strafrecht deutlich. Mit der Meldepflicht der sozialen Netzwerke an das Bundeskriminalamt bei Volksverhetzungen, Mord- oder Vergewaltigungsdrohungen sorgen wir dafür, dass Ermittlungen schnell beginnen. Wer hetzt und droht, muss mit Anklagen und Verurteilungen rechnen.
Das sind entschlossene Schritte gegen Menschen- und Demokratiefeinde, die ein gefährliches Klima der Gewalt schüren. Aus Worten werden Taten.“


Das Gesetz enthält folgende Kernpunkte:

1. Änderungen des Strafgesetzbuchs

  • Bedrohung (§ 241 StGB): Bislang ist nach § 241 StGB nur die Bedrohung mit einem Verbrechen – meist die Morddrohung – strafbar. Künftig werden auch Drohungen mit Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder gegen Sachen von bedeutendem Wert, die sich gegen die Betroffenen oder ihnen nahestehende Personen richten, strafbar sein. Der Strafrahmen wird bei Drohungen im Netz bei bis zu zwei Jahren – und bei der Drohung mit einem Verbrechen, die öffentlich erfolgt, bei bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe liegen. Bislang ist der Strafrahmen bei Bedrohungen bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.
  • Beleidigung (§ 185 StGB): Öffentliche Beleidigungen sind laut und aggressiv. Für Betroffene können sie wie psychische Gewalt wirken. Wer öffentlich im Netz andere beleidigt, kann künftig mit bis zu zwei statt mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe bestraft werden können.
  • Üble Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens (§ 188 StGB): Der besondere Schutz des § 188 StGB vor Verleumdungen und übler Nachrede wird künftig ausdrücklich auf allen politischen Ebenen gelten, also auch für Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker, und auch auf den Schutz vor Beleidigungen ausgedehnt.
  • Belohnung und Billigung von Straftaten (§ 140 StGB): Künftig wird auch die Billigung künftiger schwerer Taten erfasst sein, wenn diese geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Dies richtet sich gegen Versuche, ein Klima der Angst zu schaffen. Das öffentliche Befürworten der Äußerung, jemand gehöre „an die Wand gestellt“ ist ein Beispiel für die künftige Strafbarkeit.
  • Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten (§ 126 StGB): Hier wird künftig auch die Androhung einer gefährlichen Körperverletzung und von schweren Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung umfasst sein.
  • Antisemitische Tatmotive werden ausdrücklich als strafschärfende Beweggründe in das Strafgesetzbuch aufgenommen (§ 46 Abs. 2 StGB).
  • Schutz von Notdiensten (§ 115 StGB): Mancherorts ist es Alltag, dass Rettungskräfte, Ärzte und Pfleger attackiert werden. Rettungskräfte im Einsatz sind erst vor zwei Jahren strafrechtlich besser vor Attacken geschützt worden. Dieser Schutz wird nun auf Personal in ärztlichen Notdiensten und in Notaufnahmen ausgedehnt.

2. Pflicht sozialer Netzwerke zur Meldung an das Bundeskriminalamt

Soziale Netzwerke werden strafbare Postings künftig nicht mehr nur löschen, sondern in bestimmten schweren Fällen auch dem Bundeskriminalamt (BKA) melden müssen, damit die strafrechtliche Verfolgung ermöglicht wird. Um Täter schnell identifizieren zu können, müssen soziale Netzwerke dem BKA auch die IP-Adresse und Port-Nummer, die dem Nutzerprofil zuletzt zugeteilt war, mitteilen. Die Meldepflicht wird folgende Straftaten umfassen:

  • Verbreiten von Propagandamitteln und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (§§ 86, 86a StGB)
  • Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat (§§ 89a, 91 StGB) sowie Bildung und Unterstützung krimineller und terroristischer Vereinigungen (§§ 129 bis 129b StGB)
  • Volksverhetzungen und Gewaltdarstellungen (§§ 130, 131 StGB) sowie Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten (§ 126 StGB)
  • Belohnung und Billigung von Straftaten (§ 140 StGB)
  • Bedrohungen mit Verbrechen gegen das Leben, die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit oder die persönliche Freiheit (§ 241 StGB)
  • Verbreitung kinderpornografischer Aufnahmen (§ 184b StGB)

Beleidigungen, übe Nachrede und Verleumdung sind nicht von der Meldepflicht umfasst. Soziale Netzwerke sollen allerdings künftig Nutzerinnen und Nutzer darüber informieren, wie und wo sie Strafanzeige und erforderlichenfalls Strafantrag stellen können.

https://www.bmjv.de/SharedDocs/Artikel/DE/2020/061820_GesetzHassundHetze.html

Justizministerin Lambrecht über NetzDG:„Wir müssen nachbessern“

Christine Lambrecht plant, die Strafverfolgung von Hassrede zu vereinfachen. Außerdem will sie die Rechte von Nutzern sozialer Netzwerke stärken. Interview (Fragen und Antworten).

taz: Frau Lambrecht, Sie wollen soziale Netzwerke verpflichten, rechtswidrige Hass-Postings dem Bundeskriminalamt zu melden. Wo in der Welt gibt es so etwas?

Christine Lambrecht: Eine solche Meldepflicht für strafbaren Hass gibt es unseres Wissens bisher nirgends. Deutschland wird Vorreiter sein.

Sind wir besonders straffreudig?

Nein. Aber wir haben mehr Erfahrung. In Deutschland wurde schon 2017 das Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken – kurz „NetzDG“ – beschlossen. Seit 2018 müssen Anbieter sozialer Netzwerke wie Facebook dafür sorgen, dass offensichtlich rechtswidrige Hass-Postings in der Regel binnen 24 Stunden gelöscht werden. Auch dabei waren wir Vorreiter.

Hat sich das NetzDG nicht bewährt?

Doch. Wir müssen aber in zwei Richtungen nachbessern. Zum einen genügt es nicht, strafbare Inhalte nur zu löschen, wir wollen auch die Strafverfolgung sicherstellen. Deshalb die Meldepflicht. Und wenn ein Netzwerk etwas zu Unrecht löscht, müssen wir die Rechte der betroffenen Nutzer stärken. Für beides habe ich Gesetzentwürfe vorgelegt.

Beginnen wir mit der Strafverfolgung. Für wen gilt die neue Anzeigepflicht?

Die Meldepflicht gilt für alle Anbieter sozialer Netzwerke mit mehr als zwei Millionen Nutzern in Deutschland: Facebook, Youtube, Twitter, Instagram und Tiktok. Das sind die Plattformen, für die das Beschwerdemanagement des NetzDG auch bisher galt.

Müssen die Netzwerke nun ihre Seiten auf strafbare Inhalte durchkämmen?

Nein, sie müssen dem BKA nur dann Hass-Postings mit Volksverhetzungen und Morddrohungen melden, wenn es eine konkrete Beschwerde gibt und das Posting daraufhin gelöscht wird.

Hat es bisher die Strafverfolgung behindert, wenn Post gelöscht wurden?

Nein, die gelöschten Hass-Postings mussten vom Netzwerk auch bisher zehn Wochen lang gespeichert werden, für den Fall, dass jemand Strafanzeige stellt.

Nehmen wir an, ich werde bei Facebook bedroht: „Noch so ein Text und Du bist Hackfleisch.“. Ich beschwere mich deshalb bei Facebook. Das Posting wird gelöscht und das BKA wird informiert. Was macht das BKA künftig mit so einer Meldung?

Wenn das Posting unter dem Klarnamen des Verfassers erfolgt ist, wird das BKA den Fall an die zuständige Staatsanwaltschaft am Wohnort des mutmaßlichen Täters weiterleiten, die dann die konkreten Ermittlungen aufnimmt.

Wie geht das BKA vor, wenn der Hetzer ein Pseudonym wie „Hitler-2“ benutzt?

Facebook muss dem BKA auch melden, mit welcher IP-Adresse der Nutzer zuletzt unterwegs war. Das BKA kann dann bei den Internet-Providern – etwa der Deutschen Telekom – abfragen, welchem Nutzer diese IP-Adresse zu diesem Zeitpunkt zugeteilt war. Der Provider muss dem BKA den Namen und die Adresse des Kunden mitteilen.

Was macht das BKA, wenn die IP-Adresse beim Provider schon gelöscht ist?

Dann müssen die Strafverfolgungsbehörden der Länder die üblichen Ermittlungen durchführen, also zum Beispiel das Profil mit allen Bildern und Texten genauer anschauen, ob sich daraus Hinweise auf die Identität des Verfassers ergeben.

Mit wie vielen Meldungen ans BKA ist zu rechnen?

Mein Ministerium hält 250.000 Meldungen pro Jahr für realistisch. Ich gehe aber davon aus, dass die Zahl langfristig sinkt. Denn wenn künftig strafrechtliche Sanktionen drohen und durchgesetzt werden, hat das auch einen abschreckenden Effekt.

Ist es nicht auch von der Meinungsfreiheit geschützt, Hass zu äußern?

Die Meinungsfreiheit endet dort, wo das Strafrecht beginnt. Wenn Sie mit Gewalt bedroht werden, ist das eine strafbare Handlung, kein freier Diskurs. Mir geht es um den Schutz der Meinungsfreiheit. Vor allem um den Schutz derjenigen, die durch Hetze und Drohungen eingeschüchtert werden und sich zurückziehen. Wir dürfen das Feld nicht den Hetzern überlassen, sonst gerät unsere Demokratie in Gefahr.

Eine Anzeigepflicht ist neu in Deutschland. Ist es schon so schlimm, dass wir so etwas brauchen?

Die permanente Hetze senkt die Hemmschwelle für reale Gewalt, wie der Anschlag auf Walter Lübcke und die Morde von Hanau und Halle gezeigt haben. Die Meldepflicht ist aber auch nichts völlig Neues. Banken müssen schon lange verdächtige Einzahlungen melden, damit diese auf Geldwäsche geprüft werden können.

Genügt es nicht, dass jede Privatperson bei der Polizei Strafanzeige erstatten könnte?

Nein. Nur das jeweilige soziale Netzwerk kann dem BKA gleich die IP-Adresse zum gemeldeten Hass-Post mitliefern.

Finden Sie es richtig, dass ein amerikanisches Privatunternehmen wie Facebook entscheidet, ob es in Deutschland Strafverfolgung gibt oder nicht?

Das soziale Netzwerk meldet, wenn ein Post wegen eines strafbaren Inhalts gelöscht wurde, nicht mehr und nicht weniger. Ob die Tat angeklagt wird, entscheidet die deutsche Staatsanwaltschaft. Ob die Tat verurteilt wird, entscheidet ein deutsches Gericht.

Was ist, wenn Facebook auch satirische Äußerungen meldet, die gar nicht strafbar sind?

Ich kann mir schwer vorstellen, wie es sich bei Gewaltdrohungen um eine Satire handeln soll. Jedenfalls sind Antragsdelikte wie Beleidigung und Verleumdung ausdrücklich von der Meldepflicht ausgenommen, auch weil hier die Abgrenzung zwischen „straflos“ und „strafbar“ besonders schwierig ist.

Wenn alle Meldungen zunächst beim BKA zusammenlaufen, entsteht dort nicht eine riesige Querulanten-Datei?

Nein. Das BKA darf die von den Providern übermittelten Daten nur unter engen gesetzlichen Vorgaben speichern und weiterverwenden. In der Regel hat das BKA die Daten zu löschen, sobald sie der jeweils zuständigen Staatsanwaltschaft übermittelt worden sind.

Zu wievielen Ermittlungsverfahren werden die geschätzten 250 000 Meldungen der Netzwerke führen?

Meine Fachleute rechnen mit rund 150 000 zusätzlichen Ermittlungsverfahren bundesweit. Ich gehe davon aus, dass auch diese Zahl langfristig deutlich sinken wird.

Sind BKA und Justiz damit nicht überfordert?

Wir müssen Polizei und Justiz natürlich entsprechend ausstatten. Das BKA wird 252 neue Mitarbeiter bekommen. Und für die Justiz der Bundesländer haben wir einen Mehrbedarf von 265 Stellen bei Staatsanwaltschaften und Gerichten geschätzt.

Sie können die Bundesländer aber nicht zur Einstellung des benötigten Personals zwingen….

Das ist auch nicht nötig. Auch die Justizministerinnen und Justizminister der Länder sehen die Bedrohung der Demokratie durch Hass und Hetze. Viele Länder haben bereits jetzt spezialisierte Staatsanwaltschaften eingerichtet.

Gibt es Proteste von den Netzwerken?

Jedenfalls nicht so sehr wie 2017 bei der Verabschiedung des NetzDG. Bei den Netzwerken merkt man wohl auch, dass es für die Geschäfte schlecht ist, wenn sich viele Menschen ausklinken, aus Angst vor Hass und Drohungen.

Kommen wir zum zweiten Punkt, an dem Sie nachbessern wollen: zu den rechtswidrigen Löschungen von legalen Postings durch soziale Netzwerke. Ist das ein Massenphänomen?

Nein, es geht hier nur um Einzelfälle. Bei Einführung des NetzDG haben Kritiker ja gewarnt, das Gesetz werde zu massivem Overblocking führen, also zur massenhaften Löschung von kontroversen, aber legalen Inhalten. Nach über zwei Jahren hat sich das nicht bewahrheitet.

Gibt es Zahlen dazu?

Von Anfang 2018 bis Ende 2019 gab es bei den Netzwerken rund 2,9 Millionen Beschwerden. Davon führten nur 28 Prozent zur Löschung. Das deutet auf eine eher vorsichtige Umsetzung des Gesetzes hin.

Als das NetzDG verabschiedet wurde, versprach die SPD, bald einen gesetzlichen Anspruch auf Wiederherstellung fälschlich gelöschter Postings zu schaffen. Was wurde daraus?

Das ist nicht mehr nötig. Denn inzwischen hat die Rechtsprechung klargestellt, dass es solche „Put-Back“-Ansprüche schon gibt. So hat ein Facebook-Nutzer gegen das Netzwerk einen vertraglichen Anspruch, dass dieses keine Postings löscht, die weder gegen gesetzliche Bestimmungen noch gegen zulässige Nutzungsbedingungen verstoßen. Von dieser Rechtslage geht unser Gesetzentwurf aus, wenn er betroffenen Nutzern helfen will, solche Wiederherstellungsansprüche durchzusetzen.

Was planen Sie?

Als Alternative zu einer Klage vor Gericht sehen wir eine „Gegenvorstellung“ vor. Der Nutzer, dessen Post gelöscht wurde, kann vom Netzwerk eine neue Entscheidung verlangen. Wenn er dann immer noch nicht einverstanden ist, kann der Nutzer eine Schlichtungsstelle anrufen. Und danach steht natürlich der Rechtsweg offen.

Haben Sie auch schon persönlich Erfahrungen mit dem NetzDG gemacht?

Erst vor wenigen Tagen hat ein Facebook-Nutzer mir ein verleumderisches falsches Zitat untergeschoben. Ich habe Facebook daraufhin morgens um Löschung gebeten. Abends war das Posting nicht mehr da. Der Mechanismus hat also funktioniert. Der Nutzer hat sich dann bei mir gemeldet und behauptet, sein Account sei gehackt worden. Das muss jetzt die Polizei klären. Ich habe Strafanzeige gestellt.

https://taz.de/Justizministerin-Lambrecht-ueber-NetzDG/!5689014/

Mit dem Beschluss des Bundesrat nimmt eins meiner absoluten Lieblings-Gesetze die letzte Hürde, auf das ich so lange gewartet habe. Besser kann man nicht in das Wochenende starten, super – Party!

Soziale Netzwerke als „Hilfssheriffs“, das ist richtig so, schließlich können sie auch auch die Polizei unterstützen. Schließlich haben sich Twitter und Co. allen voran Twitter eine Digitale Müllhalde aufgebaut für die sie als Platformbetreiber auch verantwortlich sind, die müssen der Justiz zeigen das sie nicht nur Beihilfe schaffen. Die ersten Ergebnisse (Statistik) in ein paar Monaten Jahren werde bestimmt interessant.

Ein guter Tag für viele Internet-User aber nicht für jeden. Aber allen voran ist es, und das ist wichtig, ein guter Tag für das INTERNET!

Christian Dauck

Brasilien stimmt für Fake-News-Gesetz, das mehr Überwachung bringt

In Brasilien müssen sich in Zukunft alle Nutzer:innen von sozialen Netzwerken und Messengern mit dem Ausweis registrieren. Außerdem soll die Größe von Gruppen in Messengern verringert werden und oft weitergeleitete Nachrichten gespeichert werden.

Auch der UN-Sonderberichterstatter für die Meinungsfreiheit David Kaye hat das Gesetz kritisiert. Digital- und Menschenrechtsorganisationen hatten sich gegen das Gesetz gewehrt. Wiederlich gegen das Gesetz zu Protestieren. Vielleicht bekommen wird ja in Zukunft weniger Müll aus Brasiliens Internet. Warum setzt man sich nicht für die Rechte der Frauen im Netz ein, verbreitung von Nacktbilder und Belästigung gegen Frauen in den Sozialen-Netzwerken unterbinden. Und das ist nur die spitze des Eisbergs.

Das heutige Internet hat nichts mehr mit freier Meinungsäußerung zu tun, die User glauben sie sind in einem Rechtsfreienraum. Das Internet ist ziemlich Kaputt und Krank dadurch geworden. Digital- und Menschenrechtsorganisationen, Internetaktivisten, und User die gegen solche Gesetze wie aktuell in Brasilien oder unser neues super tolles NetzDG protestieren sind auch nicht besser als der ganze andere Abschaum im Netz.

Zur Erinnerung, 03.07.2020 Bundesratssitzung: neues Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG). Vor dem BKA Beamten muss man sich erstmal noch nicht fürchten, sondern User wie ich die alles nach Lust und Laune durchstöbern können bei Twitter und Co. Aus Erfahrung weiß ich das ich auch ein paar „Dicke Fische“ an Land ziehen werde. Ich kenne meine frechen Klientel im Netz und wo ich Sie finde bei Twitter und Co. – Das basiert auf jahrelange Übung und Erfahrung, bin spezialisiert auf Twitter mit seinen Bagaluten.

Christian Dauck
Soziale Netzwerke und Messenger im Visier. (Symbolbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Daniel Korpai

Am Dienstag hat der Senat in Brasilien ein Fake-News-Gesetz angenommen, das die Internetfreiheit gefährdet und neue Überwachungsmaßnahmen einführt. Das Gesetz verlangt unter anderem von allen Anbietern von sozialen Netzwerken oder Messengern, die mehr als zwei Millionen Nutzer:innen weltweit haben, eine Registrierungspflicht ihrer Nutzer mit Personalausweis. Brasilien hat heute schon eine Vorratsdatenspeicherung wie auch eine Pflicht, dass SIM-Karten-Registrierungen einen Identitätsnachweis benötigen.

Darüber hinaus sieht das Gesetz vor, dass soziale Netzwerke und Messenger alle Nachrichten, Nachrichtenketten sowie die beteiligten Nutzer:innen für drei Monate speichern, sofern diese „massiv weitergeleitet“ wurden. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) befürchtet, dass diese Regelung auch Druck auf verschlüsselte Messenger ausüben könnte, denn bei einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist diese Regelung nicht anwendbar.

Gesetz könnte Protest-Mobilisierungen verhindern

Anbieter von Messengern werden mit dem Gesetz verpflichtet, die maximale Anzahl von Abonnenten in Gruppen zu begrenzen. Das heißt, dass Dienste wie beispielsweise Telegram, die in Hongkong oder Iran intensiv zur Organisation und Mobilisierung von demokratischen Protesten genutzt wurden, unter dem Gesetz nicht mehr in dieser Form operieren können. Kommunikation von vielen zu vielen soll laut dem Gesetz nicht mehr in Messengern, sondern nur noch öffentlich geschehen.

Weiterhin sollen große soziale Netzwerke und Messenger einen Ansprechpartner in Brasilien haben, welche Zugriff auf die Logs und Datenbanken haben und diese bei Bedarf an die brasilianischen Behörden herausgeben müssen.

Obwohl das Gesetz gegenüber der ersten Variante ein wenig entschärft wurde, bedroht es weiterhin die Internetfreiheit und die Privatsphäre der Nutzer:innen in Brasilien. Gegen das Gesetz hatten sich zahlreiche Menschenrechts- und Digitalorganisationen gewandt. Auch der UN-Sonderberichterstatter für die Meinungsfreiheit David Kaye hat das Gesetz kritisiert.

Brasilien: Senado aprova projeto de lei que combate fake news

Brasilien: Senado aprova projeto de lei que combate fake news

O material jornalístico produzido pelo Estadão é protegido por lei. As regras O Senado aprovou nesta terça-feira (30) o texto-base do „PL das fake news“,

O plenário do Senado Federal aprovou nesta terça-feira (30), com 44 votos favoráveis e 32 contrários, o texto-base do projeto de lei 2630/2020, que combate as fake news nas redes sociais. Os senadores ainda votam dois destaques ao texto apresentados pela Rede Sustentabilidade e pelo Podemos.

Durante a tramitação, a matéria recebeu ao menos três alterações, feitas pelo relator senador Angelo Coronel (PSB-BA), na tentativa de facilitar a aprovação do texto, além de 152 emendas.

Entre as principais mudanças registradas no último relatório estão a retirada da exigência de que as plataformas de redes sociais mantenham seus bancos de dados no Brasil e o fim da exigência de documento de identidade para a realização de cadastro nas redes sociais. A identificação, agora, só será exigida por ordem judicial ou em caso de suspeita de ação de robôs.

Leia mais: Redes sociais dizem que projeto das fake news agrava riscos no Brasil

Entenda, abaixo, ponto a ponto do projeto de lei das fake news:

Disposições gerias
As plataformas devem vedar o funcionamento de contas inautênticas, contas autorizadas não identificadas como tal (robôs), e identificar todos os conteúdos impulsionados e publicitários.

Cadastro de contas
A exigência de documento de identidade para a realização de cadastro nas redes sociais foi retirada. Agora, as plataformas devem requerer os documentos em caso de denúncias por desrespeito à lei, no caso de robôs, inautêntica ou em casos de ordem judicial. Os serviços de mensagem privada ficam obrigados a suspender as contas de usuários cujos números forem desabilitados pelas operadoras de celular.

Mensagem privada
Os aplicativos devem limitar o número de encaminhamentos de uma mesma mensagem a usuários ou grupos, bem como número máximo de membros por grupo; instituir mecanismos para aferir consentimento prévio do usuário para inclusão em grupo e listas de transmissão e desabilitar por padrão a autorização para inclusão em grupos.

Os serviços devem guardar, ainda, os registros dos envios de mensagens veiculadas em encaminhamento de massa pelo prazo de três meses, resguardada a privacidade do conteúdo das mensagens.

Veja também: Projeto sobre fake news na pauta do Senado divide opiniões

Moderação
As plataformas devem adotar medidas de indisponibilização de conteúdos e contas quando verificar dano imediato de difícil reparação, segurança da informação ou do usuário, grave comprometimento da usabilidade da aplicação e quanto há incitação à violência contra grupo ou pessoa, especialmente em razão de sua raça, gênero, orientação sexual, origem ou religião.

A moderação deve ser aplicada, também, quando há indução a erro, engano ou confusão com a realidade pelo uso de conteúdo de áudio, vídeo ou imagem deliberadamente alterado ou fabricado; indução, instigação ou auxílio a suicídio ou a automutilação ou exploração sexual infantil ou pedofilia.

Relatórios
As plataformas devem produzir relatórios. Entre as informações que devem compor os documentos, estão: número total de usuários, número total de medidas de identificação de conteúdo e tipo de identificação, número total de medidas de moderação de contas e conteúdo, número total de contas automatizadas, redes de distribuição artificial, e conteúdos impulsionados e publicitários não identificados.

Confira: Senador pede adiamento da votação do projeto de lei sobre fake news

Publicidade
As plataformas devem identificar todos os conteúdos impulsionados e publicitários, por meio da conta, além de permitir ao usuário o acesso a essas informações.

Em caso de propaganda eleitoral ou que mencionem candidato ou partido, as empresas devem informar o valor total gasto, identificar o anunciante e o tempo de veiculação.

Multa
Em caso de advertência, com indicação de prazo para adoção de medidas corretivas, ou multa de até 10% do faturamento da empresa no Brasil no seu último exercício. Os valores das multas aplicadas serão destinados ao Fundeb (Fundo de Manutenção e Desenvolvimento da Educação Básica) e serão empregados em ações de educação e alfabetização digitais.

https://noticias.r7.com/prisma/r7-planalto/senado-aprova-projeto-de-lei-que-combate-fake-news-30062020

Meinung:Verfassungsänderung in Russland – Ein Verbrechen vor aller Augen

An diesem 1. Juli bekommt Russland einen Präsidenten auf Lebenszeit. Und das ist allen Russen klar. Ob sie wollen oder nicht. Denn das, was eine Volksabstimmung sein sollte, ist zum unverblümten Betrug geworden.

Verfassung der Russischen Föderation

uf Parkbänken, Bushaltestellen und Baumstümpfen – ja, richtig gelesen: Baumstümpfen! – so stimmen die Russen über die größte Verfassungsänderung in der neueren russischen Geschichte ab. Aber für dir größte Scharade in der neueren russischen Geschichte ist es eine passende Kulisse.

Ich glaube den Menschen in dem Land ist nicht klar wo für sie da wählen. Nachher beschweren sich dann alle über Zensur im Netz oder dass das russische Internet vom World Wide Web getrennt wird.

Andere Gesetze würden so zur offiziellen Verfassung, die in der Vergangenheit „den Sicherheitsdiensten einen einfachen Zugang zu Benutzerdaten, Internetnutzung und Nachrichten ermöglichten“. Unter dem Vorwand der „Gewährleistung der Online-Sicherheit für Einzelpersonen, Gesellschaft und Staat“ bekäme Putins Elite die Macht, „Inhalte direkt zu zensieren oder sogar das russische Internet vom World Wide Web zu trennen, ohne in der Öffentlichkeit zu sagen, dass sie es tun oder warum“.

Christian Dauck

Tatsächlich ging es nie um etwas anderes als den Erhalt von Wladimir Putin an der Macht. Und Putin wird bekommen, was er will. Bis ins Jahr 2036 wird ihm sein Thron gewiss sein. Man kann getrost sagen, bis an sein Lebensende. Das Ergebnis der angeblichen Volksabstimmung stand seit jeher fest. Wenn am Abend die Details verkündet werden, wird sich Putin über abstrus hohe Zustimmungsraten freuen. Oder genauer gesagt über abstrus hohe Zustimmungsraten für die Änderung von 22 Artikeln der russischen Verfassung. Diese sehen etwa vor, dass der russische Präsident in Zukunft selbst den Generalstaatsanwalt ernennt, den Ministerpräsidenten einfach von seinem Posten entfernen oder Richter entlassen kann. 

Bis zum Schluss versuchte Putin seinem Volk einen Bären aufzubinden. Es gehe bei dem ganzen Zirkus gar nicht um ihn, sondern den Schutz der russischen Sprache, die Bewahrung des orthodoxen Glaubens oder die Festlegung einer lächerlichen Minimalrente. Nur mit diesen Änderungen sei Russland eine blühende Zukunft in nie gekanntem Wohlstand gewiss, so die immerwährende Propaganda.

Putin macht das Volk zum Mittäter

Die Lügen sind so unverfroren, so plump, so durchschaubar, dass man zwangsläufig zu einer Schlussfolgerung kommt: Entweder hält Putin seine 144 Millionen Untertanen für vollkommene Idioten oder er pfeift auf sein Volk. 

Die Russen sind von ihren Mächtigen schon vieles gewohnt. Doch das, was in diesem Sommer geschieht, ist ein Verbrechen, das vor aller Augen begangen wird. Und das Volk wird zum Mittäter gemacht. Die Bürger sollen mit ihren eigenen Händen die Verfassung zerlegen, damit Putin seine Hände in Unschuld baden kann.

Er, der bereits vier Mal einen Amtseid auf die Verfassung abgelegt hat, will sich hinter einem vermeintlichen Volkswillen verstecken. Tatsächlich interessiert ihn nichts weniger. Putins neues Grundgesetz beerdigt alle demokratischen Werte. Ausgerechnet diejenigen, deren Rechte er beschneidet, sollen aber seiner Scharade einen Anstrich von Legitimität verleihen. 

„Alle vorgeschlagenen Verbesserungen der Verfassung werden nur in Kraft treten, wenn Sie diese billigen“, mit diesen Worten wandte sich Putin noch am Dienstag an die Nation. Der Gipfel des Hohns. Denn die Änderungen sind längst beschlossenen – nicht nur weil der Kreml bestimmen wird, wie die Ergebnisse der Abstimmung ausfallen, sondern weil die Duma sie längt ratifiziert hat. Nach geltendem Gesetz ist dies die einzige Instanz, die über Verfassungsänderungen entscheiden kann. Ein Referendum ist per se in dieser Angelegenheit illegal – selbst wenn dieses nach allen Regeln der Kunst durchgeführt werden würde.

Der Kreml bemüht sich aber nicht einmal, den Anschein eines regelkonformen Referendums aufrecht zu erhalten: Die Wahlurnen in Autokofferräumen sind Zeugen.

Letztendlich bekommen die Russen einen Wahlzettel in die Hand gedrückt. Eine einzige Frage ist darauf zu finden: „Sind Sie für die Verbesserungen der Verfassung?“ Genauso hätte Putin jedem Bürger ins Gesicht spucken und dabei lachen können. Würde ein echtes Referendum stattfinden, dann müssten die Wähler über jeden einzelnen Artikel, der geändert wird, abstimmen. So will es das Gesetz. So will es die Verfassung. So will es auch das Volk. Aber es findet kein Referendum statt, sondern ein grandioser Betrug. Und der Betrüger wird nicht einmal rot.

https://www.stern.de/politik/ausland/verfassungsaenderung-in-russland–wladimir-putin-spuckt-seinem-volk-ins-gesicht–9319908.html


OPPOSITION UND MENSCHENRECHTLER SCHLAGEN ALARM

Nach fast 20 Jahren im Amt (16 davon als Präsident) hat seine Regierung einen neuen Plan erdacht, wie der heute 67-Jährige theoretisch bis 2036 weiter regieren könnte. Eine neue Verfassung, entscheidend ausgefertigt in Putins Präsidialverwaltung, die nicht nur die Amtszeiten des Präsidenten neu starten, sondern dem herrschenden Regime auch neue, weitreichende Befugnisse geben würde.

Der eigentliche Termin des Referendums über die neue Verfassung ist zwar erst der 1. Juli, doch die Abstimmung wurde wegen der Corona-Pandemie auf mehrere Tage gestreckt. Dadurch soll zu großer Andrang in den Abstimmungslokalen vermieden werden. Kritiker sagen: Das Regime kann so bei ungewünschten Entwicklungen gegensteuern. Denn: Laut der jüngsten Umfrage befürworten nur 44 Prozent der Russen die weitreichenden Änderungen der Verfassung.

Menschenrechtler und russische Oppositionelle sind schockiert über die Abstimmung und deren mögliche schwerwiegenden Konsequenzen für die nächsten Jahrzehnte.

Human-Rights-Watch-Leiterin in Moskau warnt vor den Folgen

Tanya Lokshina ist Direktorin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) für Europa und Zentralasien mit Sitz in Moskau. Sie sagte zu BILD: „Es geht um über 200 Änderungsanträge, die vom Parlament verabschiedet wurden, und selbst jetzt, wo die Öffentlichkeit darüber abstimmt, haben sie nur sehr wenige Menschen genau gelesen, geschweige denn verstanden, zu welchen Änderungen sie führen werden.“

Einige der 206 Änderungen seien rechtsneutral, andere seien „positiv und sehr beliebt in der Öffentlichkeit“, wie die Garantie eines Mindestlohns, der den Lebenshaltungskosten entsprechen soll, eine jährliche Angleichung der Renten und Sozialleistungen sowie das Recht auf eine Krankenversicherung. Diese Änderungen würden besonders stark beworben.

ABER: Andere geplante Verfassungsänderungen, über die ab heute auch abgestimmt wird, seien „ein sehr schwerer Schlag für die Menschenrechte“ in Russland.

Dazu gehöre eine Änderung, die ein Gesetz von 2015 in die Verfassung aufnehme, wonach das höchste russische Gericht entscheiden könne, ob Russland Beschlüsse des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der Vereinten Nationen oder des Internationalen Gerichtshofs umsetzen müsse oder nicht. „Dieser Änderungsantrag hat bereits zu heftiger Kritik durch die Venedig-Kommission geführt, die die Aufgabe hat, die Gesetzgebung in den Mitgliedstaaten des Europarates aus menschenrechtlicher Sicht zu bewerten“, so Lokshina zu BILD.

Andere Gesetze würden so zur offiziellen Verfassung, die in der Vergangenheit „den Sicherheitsdiensten einen einfachen Zugang zu Benutzerdaten, Internetnutzung und Nachrichten ermöglichten“. Unter dem Vorwand der „Gewährleistung der Online-Sicherheit für Einzelpersonen, Gesellschaft und Staat“ bekäme Putins Elite die Macht, „Inhalte direkt zu zensieren oder sogar das russische Internet vom World Wide Web zu trennen, ohne in der Öffentlichkeit zu sagen, dass sie es tun oder warum“.

Auch „traditionelle Werte“ würden im Rahmen einer „geeinten Staatspolitik“ in die neue Verfassung aufgenommen. Dies könnte genutzt werden, so Lokshina zu BILD, „um den Rechten der Frauen weiter entgegenzuwirken, unter anderem, indem die Bemühungen um die Verabschiedung eines Gesetzes gegen häusliche Gewalt vereitelt werden“. Die Festschreibung der Ehe als Beziehung zwischen Mann und Frau verfestige zudem die 2013 erlassenen Gesetze gegen „homosexuelle Propaganda“.

Russischer Oppositionspolitiker: Verfassungsänderung ist Ablenkungsmanöver

Nicht weniger kritisch, aber aus anderen Gründen, sieht Leonid Wolkov die Verfassungsänderung in Russland. Der Stabschef von Kreml-Kritiker Alexei Nawalny sagte zu BILD, „sie nutzen 206 sinnlose Änderungen der Verfassung, für die einzig bedeutende“: Putins Chance, auch bei den Wahlen 2024 und 2030 anzutreten.

Einziges Ziel der Verfassungsänderung sei es, Putin in den nächsten vier Jahren nicht als „lahme Ente“ – Präsident, der nichts mehr zu gewinnen hat – dastehen zu lassen. „Ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich 2024 wiedergewählt werden möchte. Aber er möchte diese Option offen halten, sonst wird ihn seine Elite bei der Frage von Nachfolge- und Übergangsproblemen nicht als ernsthaften Spieler betrachten“, so Wolkov zu BILD.

Abstimmung weder frei noch fair

In einem sind sich die Menschenrechtlerin und der Oppositionspolitiker einig: Der Kreml wird es nicht dem Zufall überlassen, wie die Abstimmung ausgeht – und das Ergebnis stehe bereits fest.

Tanya Lokshina von HRW sagte zu BILD: „Die Ja-Kampagne des Staates war sehr aggressiv und allgegenwärtig, während die Kritiker der Verfassungsreform wenig Gelegenheit hatten, der Öffentlichkeit ihre Position zu erklären, und ihre friedlichen Proteste wurden strafbar unterdrückt“.

Zudem habe es in den letzten Tagen viele glaubwürdige Berichte darüber gegeben, dass „Beschäftigte des öffentlichen Sektors, deren Gehälter vom Staat bezahlt werden, zur Abstimmung gezwungen werden – und über verstörende Unregelmäßigkeiten bei der Online-Abstimmung“ über die Verfassungsänderung.

Noch drastischer drückt es Leonid Wolkov aus, Kampagnen-Manager von Putins Erzfeind Alexei Nawalny:

Der Abstimmungsprozess ist weder frei noch fair. Nicht einmal nach russischen Maßstäben. Ehrlich gesagt, ist es überhaupt kein Prozess, es ist eine Sauerei. Es ist schwer, darüber ernsthaft zu diskutieren, denn die Abstimmung hat weder einen rechtlichen Rahmen noch ist es möglich, ihre Ergebnisse zu kontrollieren.

Tagesordnungspunkt der Bundesratsitzung am 03.07.2020

Symbolbild

Hass und Hetze im Internet bekämpfen

Der Bundesrat befasst sich am 3. Juli 2020 abschließend mit einem Gesetz zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität im Internet. Der Bundestag hatte es am 18. Juni 2020 verabschiedet.

Sein Ziel ist es, die Strafverfolgung von Hasskriminalität im Internet zu verbessern. Dort und besonders in den sozialen Medien sei eine zunehmende Verrohung der Kommunikation zu beobachten – dies gefährde die Meinungsfreiheit, die der Staat mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu verteidigen habe, begründet der Bundestag seinen Beschluss.

Endlich, das wird super. Ich freue mich schon sehr auf das neue Gesetz. Mit dem Präsident des Bundeskriminalamtes Holger Münch gemütlich bei Kaffee und Kuchen über die neuen Möglichkeiten reden/schwärmen, gibt Bundesweit bestimmt nicht viele den das gefallen würde.

Ich brauche keine Polizisten die gemütlich Streife fahren bzw. draußen sind oder im Büro auf eine Anzeige warten. Ich brauche die Jungs und Mädels – den begeisterten für PC und Technik, der im Netz das Gesindel Jagdt.

Ich hab es hier teilweise mit schweren Jungs im Netz zu tun: Hass und Hetzte, Hacker „Orbit“ (Weihnachtskalender), Männliche Twitter-User die Frauen, Jugendgliche, Mütter mit Nacktbildern belästigen. Ein Fall hatte ich mal, das wurde jemand getötet und der Twitter-User richtet sich den Angreifer als Profilbild ein. https://www.maz-online.de/Nachrichten/Panorama/Mann-mit-Schwert-getoetet-Tochter-des-Opfers-musste-Tat-offenbar-mit-ansehen Wiederlich wenn ich manchmal abseits von meinen Hobbys und Interessen durch Twitter-patrouilliere und da sehe! Natürlich hab ich auch immer fleißig an Twitter gemeldet, aber was bringt das wenn es nur gelöscht wird und nicht durch die Justiz verfolgt wird – ich arbeite gegen Windmühlen. Die Leute legen sich einfach ein neues Profil an. Die betroffenen melden sowas auch schon gar nicht mehr und gehen auch nicht zur Polizei und selber schafft man das alles garnicht der Justiz zu übergeben, vor allen gibt es aber keinen zentralen Ansprechpartner zumal der Ort ja das Internet ist. Ort oder ein Klarnamen hat man auch nicht.

Das Polizisten, Staatsanwälte und Richter das ist die Realität, willkommen im meiner virtuellen Welt. Während sich die Streifenpolizei mit Fahrraddiebstähle, Diebstahl, oder Enten/Schwäne über die Straße hilft, die müssten mir eigentlich ein teil ihres Gehalts abgeben. Da halte ich vom LKA und BKA Beamte schon mehr, während die Streifenpolizei nur mit der Schicken Uniform prallt während ich die Verbrecher im Netz Jage.

Gerade bei der Belästigung von Frauen ist das Unternehmen Twitter so widerlich, das unternehmen löscht dass nicht, obwohl sich vor einer Frau zu entblößen/zu belästigen auf der Straße eine Straftat ist. Twitter sieht das anders und leistet sogar noch Beihilfe in dem sie dien Usern gewähren. Das Unternehmen hält sich nicht mal an ihre Nutzungsbedingungen, kommt wohl aber auch nicht ihren Müll im Netz hinterher. Zudem müsste Twitter un Co. eigentlich für ihren Müll haften und der Beihilfe belangt werden. Auf Twitter bin ich zwar aber nicht weil es sol toll und schön ist. Meine Leute die ich im Netz kenne die sind vernünftig, mit denen macht es Spaß zu schreiben.

Wenn das neue Gesetz in Kraft ist, werde ich wieder aktiv und hoffentlich auch mal die Frauen. Mal schauen was da neue Gesetz her bringt, so eine Bestandsaufnahme in ein paar Monaten/Jahren könnte schon interessant werden. Freue mich schon mega auf das neue Gesetz und kann es kaum Abwarten. Die Vorfreude ist enorm, diese Gesetz ist nötig und lange überfällig

Christian Dauck

Meldepflicht für Anbieter

Anbieter sozialer Netzwerke müssen künftig ein System einrichten, um bestimmte strafbare Inhalte an das Bundeskriminalamt zu melden. Die Meldepflicht betrifft Inhalte, bei denen es konkrete Anhaltspunkte für die Erfüllung eines Straftatbestandes gibt und die anhaltende negative Auswirkungen auf die Ausübung der Meinungsfreiheit in den sozialen Medien haben können.

Kinderpornografie und Hetze gegen Verstorbene

Erfasst sind auch kinderpornografische Inhalte und das Verunglimpfen des Andenkens Verstorbener. Hintergrund sind die Erfahrungen aus der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke 2019: sie zeigten, wie Hetze im Netz mittlerweile auch in dieser Form ihren Ausdruck findet, heißt es in der Gesetzesbegründung.

Neue Tatbestände und höhere Strafen

Der Bundestagsbeschluss ändert an verschiedenen Stellen das Strafgesetzbuch. So ist künftig auch Androhung einer gefährlichen Körperverletzung strafbar. Auch die Billigung noch nicht erfolgter Straftaten wird sanktioniert.

Öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften getätigte beleidigende Äußerungen können künftig im Höchstmaß mit zwei Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden. Der Tatbestand der üblen Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens gilt bis hin zur kommunalen Ebene.

Antisemitische Motive

Unter dem Tatbestand Bedrohung werden künftig auch die Bedrohung mit einer rechtswidrigen Tat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder gegen eine Sache von bedeutendem Wert vom Tatbestand erfasst. Bei der Strafzumessung werden antisemitische Motive eines Täters besonders berücksichtigt.

IP-Adressen-Abfrage

Das Bundeskriminalamt ist im Rahmen seiner Zentralstellenaufgabe künftig berechtigt, bei Telemediendiensteanbietern die Login-IP-Adressen von Urhebern strafbarer Internetinhalte abzufragen.