NASA’s Perseverance Rover Mission Getting in Shape for Launch

The Perseverance rover’s astrobiology mission will search for signs of ancient microbial life. It will also characterize the planet’s climate and geology, collect samples for future return to Earth, and pave the way for human exploration of the Red Planet. The Perseverance rover mission is part of a larger program that includes missions to the Moon as a way to prepare for human exploration of the Red Planet. Charged with returning astronauts to the Moon by 2024, NASA will establish a sustained human presence on and around the Moon by 2028 through NASA’s Artemis lunar exploration plans.

Es ist schön den Rover seit der Ankündigung 12.2012 so zu sehen. Das sind die Bilder (sehr wichtiger Meilenstein) auf die ich jahrelang immer besonders warte, ca 7 Jahre Planung und Bau hat es bis hier gedauert. Die Nasa liegt mit Perseverance sehr gut im Zeitplan. Das baldige verstauen der Sonde in der Nutzlastvergleidung, der Zusammenbau der Rakete bzw. stapeln aller Komponente und der Start sind der schönste Abschnitt. Danach tritt wieder eine Wartephase ein (ca. 6 Monate) bis zur Ankunftszeit im Jahre 2021, wo es wieder interessant und spannend wird.

Christian Dauck
Image of the underside of the Mars 2020 rover
Perseverance from Below: The rover’s descent stage was recently stacked atop the rover at Kennedy Space Center, and the two were placed in the back shell that will help protect them on their journey to Mars. Credits: NASA/JPL-Caltech. Full image and caption ›​

Stacking spacecraft components on top of each other is one of the final assembly steps before a mission launches to the Red Planet.


Engineers working on NASA’s Perseverance rover mission at the Kennedy Space Center in Florida have begun the process of placing the Mars-bound rover and other spacecraft components into the configuration they’ll be in as they ride on top of the United Launch Alliance Atlas V rocket. The launch period for the mission opens on July 17 — just 70 days from now.

Called „vehicle stacking,“ the process began on April 23 with the integration of the rover and its rocket-powered descent stage. One of the first steps in the daylong operation was to lift the descent stage onto Perseverance so that engineers could connect the two with flight-separation bolts.

When it’s time for the rover to touch down on Mars, these three bolts will be released by small pyrotechnic charges, and the spacecraft will execute the sky crane maneuver: Nylon cords spool out through what are called bridle exit guides to lower the rover 25 feet (7.6 meters) below the descent stage. Once Perseverance senses it’s on the surface, pyrotechnically-fired blades will sever the cords, and the descent stage flies off. The sky crane maneuver ensures Perseverance will land on the Martian surface free of any other spacecraft components, eliminating the need for a complex deployment procedure.

The cone-shaped back shell for NASA's Perseverance rover
Protecting NASA’s Perseverance Mars Rover: The cone-shaped back shell for NASA’s Perseverance rover mission. Credits: NASA/JPL-Caltech. Full image and caption ›

„Attaching the rover to the descent stage is a major milestone for the team because these are the first spacecraft components to come together for launch, and they will be the last to separate when we reach Mars,“ said David Gruel, the Perseverance rover assembly, test, and launch operations manager at NASA’s Jet Propulsion Laboratory in Southern California, which manages rover operations. „These two assemblies will remain firmly nestled together until they are about 65 feet [20 meters] over the surface of Mars.“

On April 29, the rover and descent stage were attached to the cone-shaped back shell, which contains the parachute and, along with the mission’s heat shield, provides protection for the rover and descent stage during Martian atmospheric entry.

Whether they are working on final assembly of the vehicle at Kennedy Space Center, testing software and subsystems at JPL or (as the majority of the team is doing) teleworking due to coronavirus safety precautions, the Perseverance team remains on track to meet the opening of the rover’s launch period. No matter what day Perseverance launches, it will land at Mars‘ Jezero Crater on Feb. 18, 2021.

Mars 2020's rocket-powered descent stage
Perseverance Rover Gets in Launch Shape: This image of the rocket-powered descent stage sitting on to of NASA’s Perseverance rover was taken in a clean room at Kennedy Space Center on April 29, 2020. Credits: NASA/JPL-Caltech. Full image and caption ›

Viren: Ursprung des Lebens?

07. Mai 2020

Bild: Fusion Medical Animation on Unsplash

Was ist ein Virus? Interview mit Astrobiologe Aleksandar Janjic über die Grenzen des Wissbaren

Ist in der Krise noch ein sachlicher Blick auf das Thema Virus möglich? Das Virus als Krankheitsträger suggeriert für manche Autoren und User eine Verbindung mit konspirativer Politik, Geheimdienstmachenschaften und tabuloser Forschung. Dass aber Viren von Beginn der Evolution an als wichtige Informationsträger unseren Planeten mitgestaltet haben und dies weiterhin tun, wird leicht übersehen.

Ich finde das Corona-Virus total faszinierend und beobachte sehr interessiert die Entwicklungen (lese jeden Tag bzw. ab 22 Uhr die neuste Nachrichten und gehe den/die gesamten Live-Ticker durch und gleichzeitig schütze ich mich so gut ich kann.

Auch die Auswirkungen auf das Menschliche Zusammenleben, Klima/Umwelt und Wirtschaft sind sehr interessant. Angst habe ich keine, das ist halt unsere Erde (jeder versucht zu leben/ zu Überleben, sucht seinen Platz, Leben ensteht und wird genommen, es ist alles ein ständiger Kreislauf und dazu gehören auch nun mal Bakterien und Viren.

Mittwoch über den Astrobiologe Aleksandar Janjic geschrieben, da finde ich doch einen aktuellen Artikel von heute. Totaler Zufall ich wollte spontan einfach nur mal nachschauen, bevor ich mich mit Filmen und Anime schauen beschäftige.

Vor der suche hatte ich online ein Live Video geschaut: Am heutigen Donnerstag wird Microsoft im Rahmen eines weiteren Inside Xbox Events nähere Details zur Xbox Series X geben. Es dürfen spannende Informationen zum Spiele-Lineup zum Release sowie weitere technische Spezifikationen der Konsole erwartet werden.

Davor war ich spazieren, hab im Garten ein Kaffee getrunken und die Demo vom Final Fantasy Remake ausprobiert. So sieht mein Tag aus als Asperger-Autist – Abwechslungsreich, von allem ein bisschen.

Christian Dauck

Der Astrobiologe Aleksandar Janjic von der TU München erklärt im Interview die faszinierende Welt der Viren und überlegt: „Es gibt Forschung, die die Hypothese aufstellt, dass Viren älter als Zellen wären und somit nicht nur als Krankheitserreger und Plagen, sondern vielleicht sogar als Beginn des Lebens selbst zu sehen.“ Diese Thesen lassen sich nicht auf der Erde nachprüfen, weil fossile Viren aus der Zeit vor 4 Milliarden Jahren fehlen. Die Suche nach Viren auf anderen Planeten könnte jedoch Antworten liefern. Auch wenn es angesichts der aktuellen Todeszahlen in Bezug auf Corona makaber klingt, Viren könnten uns entscheidende Hinweise auf die Entstehung, den Ursprung und die Geschichte des Lebens geben. Janjic geht auf das Thema auch in zwei Büchern ein, die bei Springer Nature erschienen sind: „Lebensraum Universum: Einführung in die Astrobiologie“ (2017) und“„Astrobiologie – die Suche nach außerirdischem Leben“ (2019).

Wie kann man ein Virus definieren?

Aleksandar Janjic: Bei einem Virus handelt es sich um genetische Information in Form eines Virions, das sich in einem Wirt befindet und sich dort vermehrt. Viele Laien vergessen diesen Unterschied: Wenn ein Viruspartikel in der freien Luft oder sonst wo umherschwebt, spricht man von einem Virion und nicht von einem Virus. Dieses Virion besteht (meistens) aus RNA und einer Hülle. Erst wenn dieses Virion in eine biologische Zelle eindringt und dort im genetischen Apparat des Wirts Arbeit verrichtet, spricht man von einem Virus. Ein Virus ist also zuvor „freie“ genetische Information (meist RNA), die sich innerhalb eines Wirts eingenistet hat und sich dort vervielfältigt, um die Information dann wieder in die Umwelt freizusetzen.

Was besagt die Virus-First-Hypothese, die Sie letztes Jahr bei der NASA vorgeschlagen haben?

Aleksandar Janjic: Heute wissen wir nicht genau, wie das Leben auf der Erde entstanden ist – ebenso wissen wir nicht, wann und wie Viren auf der Erde entstanden sind. Hierzu gibt es hauptsächlich drei konkurrierende Hypothesen in der evolutionären Virologie. Bei manchen geht man davon aus, dass Viren erst nach den Zellen entstanden sind – quasi als übrig gebliebener RNA – und DNA-Müll von Zellen (Virus escape hypothesis) oder sogar stark reduzierte Bakterien selbst (Virus regression hypothesis). Tatsächlich kennt man heute ein paar seltene Fälle, in denen sich ein Bakterium so stark in seinem Genom reduziert hat, dass es sich eigentlich wie ein Virus verhält. Die Virus-First-Hypothse geht jedoch einen anderen Weg: Hier wird davon ausgegangen, dass vor der DNA erst einmal die RNA auf der Erde entstanden ist.Heute können wir RNA im Labor ziemlich simpel spontan entstehen lassen und auch auf der Urerde war dies möglich. Die meisten Viren arbeiten interessanterweise mit RNA, die einfacher aufgebaut ist als die uns vertraute DNA. Die Idee ist also: Bei der Entstehung des Lebens sind zuerst nicht Zellen, sondern zunächst sogenannte Viroide und irgendwann Virionen aus RNA entstanden, die einfach als chemische Schnipsel in die Umwelt freigegeben wurden und als chemische Informationsträger umherschwirrten. Wir sagen, dass sich chemische Information von RNA im Umwelt-Kontext ausgebreitet hat. Somit wären Viren älter als Zellen und somit nicht nur als Krankheitserreger und Plagen, sondern vielleicht sogar als Beginn des Lebens selbst zu sehen.Das Problem ist: Auf der Erde ist es kaum möglich, die Hypothesen gegeneinander zu testen, weil wir keine fossilisierten Viren aus der Zeit vor 4 Milliarden Jahren haben. Deshalb ist es hier besonders interessant zu sehen, was wir im Boden vom Mars finden könnten, da hier sehr altes Gestein überdauert hat, was auf der Erde nur sehr selten zu finden ist. In der Raumfahrt ist die Kontamination immer ein Problem.

Wäre es also klüger, keine Astronauten auf den Mars zu schicken?

Aleksandar Janjic: Kontamination ist sogar bei unbemannten Missionen ein wichtiges Problem, weshalb es eigens dafür sogenannte „Planetary Protection“-Abteilungen gibt, die sich damit beschäftigen, Raumsonden so steril wie möglich zu halten. Bei bemannten Missionen würden selbstverständlich auch allerlei Mikronauten an Bord sein, das kann man nicht verhindern.Nun kann man zwei Positionen einnehmen: Entweder sagt man, dass man eher davon Abstand halten sollte, weil sonst die Gefahr besteht, ein potentielles Ökosystem zu verändern, das wir gar nicht kennen – genauso, wie wenn wir entlegene Regenwald-Systeme zum ersten Mal betreten. Besonders dämlich wäre hier natürlich, dass wir verkünden, wir hätten außerirdisches Leben gefunden – und am Ende ist es einfach nur eine Verschmutzung, die man von der Erde selbst mitgenommen hat.Andererseits kann man aber auch davon ausgehen, dass Mikroben möglicherweise schon völlig natürlich unter Planeten ausgetauscht wurden, was als Transspermie oder Panspermie bezeichnet wird. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass es einige extreme Mikroorganismen gibt, die beispielsweise einen Asteroideneinschlag überstehen könnten und dann irgendwann als toter DNA-Junk oder vielleicht sogar als noch lebendige Entitäten auf anderen Himmelskörpern ankommen (im Inneren des Gesteins). Hier würde man also sagen, dass Planeten ohnehin keine isolierten biologische Systeme sind und eine „Verschmutzung“ schon immer stattgefunden hat. Ich tue mich hiermit schwer – vermutlich wird der Nachhaltigkeitsgedanke in der Astrobiologie auf lange Sicht keine große Rolle spielen. In der Astrobiologie gibt es die Hypothese, dass die Erde von anderen Planeten auch „Lebenselemente“ erhalten haben könnte, durch Meteoriteneinschlag zum Beispiel.

Wie solide sind die Argumente und Beweise?

Aleksandar Janjic: Das wird eigens als „Pseudopanspermie“ bezeichnet und ist heute als plausibles Szenario anerkannt. Es ist natürlich davon auszugehen, dass die Erde als planetarer Körper selbst viele wichtige Elemente bereitstellte, aber besonders in der Frühphase unseres Sonnensystems war es ziemlich turbulent und es ging drunter und drüber.Heute sind wir uns ziemlich sicher, dass viele Elemente, die das Leben heute benutzt und verbraucht, nicht nur irdischen Ursprungs sind, sondern – wie zum Beispiel Wasser-Reserven – von außen über Einschläge kamen. Übrigens: Es gibt ein paar Studien, bei denen man Mikroorganismen mit außerirdischem Gestein füttert. Und siehe da: Sie lieben es und verkosten es genauso gerne wie irdisches „Futter“. 

Was könnten uns Viren auf der Oberfläche des Mars erzählen?

Aleksandar Janjic: Auf der Oberfläche des Mars werden wir mit hoher Sicherheit keine Virionen finden können. Das fehlende Magnetfeld führt dazu, dass auf der Oberfläche zu viel Strahlung ankommt – biologische Strukturen würden hier also schnell degradieren, weil es auf der blanken Oberfläche keinen Schutz gibt. Deshalb zielen wir eher auf den Untergrund oder auf Mikro-Nischen.Es gibt hier drei Szenarios: (1) Wir finden gar nichts und wir sind genauso schlau wie zuvor. (2) Wir finden Überreste von Zellen und Virionen. Dann haben wir außerirdisches Leben nachgewiesen, können aber immer noch nicht sicher sein, ob Viren wirklich vor Zellen in der Evolution entstehen. (3) Das dritte Szenario ist das interessanteste aus meiner persönlichen Sicht: Stellen Sie sich vor, dass wir sehr viele Überreste von Virionen finden, aber keine einzige Zelle. Das könnte darauf hindeuten, dass in der Evolution erst RNA-Systeme bis hin zu Virionen entstehen und erst viel später biologische Zellen. Da der Mars relativ kurz lebensfreundlich war, könnte die Evolution der chemischen Komplexität hier nach 500 Millionen Jahren zum Erliegen gekommen sein – also genau dann, als es auf der Erde vor 4 Milliarden Jahren erst so richtig mit dem Leben angefangen hat und – laut Virus-first-Hypothese – bereits erste Virionen-Vorläufer aus RNA gab (zum Beispiel sogenannte Viroide).

Könnten Corona oder auch andere Krankheiten außerirdischen Ursprungs sein?

Aleksandar Janjic: Hält man die Panspermie-Hypothese für akzeptabel, könnte man darüber nachdenken, ob biologische Entitäten natürlicherweise ab und zu auf die Erde kommen. Dafür gibt es heute – soweit ich weiß – keine Hinweise, auch nicht mit der extra hierfür durchgeführten Tanpopo-Mission der Japaner. Grundsätzlich ist es eine spannende Frage, ob wir im Erdorbit etwas finden könnten (z.B. biochemische Verbindungen), die wir von der Erde nicht kennen. Von willkürlichen Behauptungen und dogmatischen Aussagen würde ich aber abraten – ich sehe keine Hinweise dafür. Es kursieren Informationen im Netz, dass Corona in einem Labor gezüchtet wurde.

Wie realistisch ist solch ein Szenario und sitzt man dabei vielleicht einer Verschwörungstheorie auf?

Aleksandar Janjic: Jede Frage darf in den Naturwissenschaften gestellt werden. Jede Hypothese ist erlaubt und sollte bei Interesse getestet werden. Jedoch bedarf es bei außergewöhnlichen Aussagen auch außergewöhnliche Indizien, was hier meiner Meinung nach nicht gegeben ist. Einige Zeitungen berichteten über ein Forschungslabor, deren Leiterin viel mit Fledermauskot und den darin enthaltenen Coronaviren arbeitete. Es werden verschiedene Szenarien erwähnt, wie das Covid-19-Virus in die Stadt Wuhan gelangt sein könnte. Yanzhong Huang, Senior Fellow für Globale Gesundheit beim Council on Foreign Relations, schrieb vor kurzem in Foreign Affairs gegen die kursierenden Verschwörungstheorien, erwähnte aber auch Indizien, die für eine Freisetzung aus dem Labor sprechen.

Wie sicher sind Viren-Labore und gibt es Informationen über die Arbeit an deutschen Viren-Laboren?

Aleksandar Janjic: Viren-Labore, die mir bekannt sind, sind äußerst sicher. Teilweise arbeitet man extra auf Inseln, auch im Norden Deutschlands. Wie das Labor in China aufgebaut ist, weiß ich nicht. Ich kenne die Leute und das Labor nicht und kann dazu sodann auch nichts sagen. Solange es plausible Szenarien gibt, die das Virus natürlicherweise erklären, wäre ich mit willkürlichen Anschuldigungen sehr vorsichtig. Ich halte es aber grundsätzlich für richtig, andere plausible Möglichkeiten zumindest zu überprüfen. Medial ist ein (biologisches) Virus immer eine Sensation. Wie häufig trifft der Leser auf spektakuläre Schlagzeilen wie „Killerviren“ oder ähnliches.

Wie sieht aber der naturwissenschaftliche Kenntnisstand aus?

Aleksandar Janjic: Viren und Virionen sind ein faszinierendes Mysterium, obwohl sie allgegenwärtig sind. Sie sind die häufigsten biochemischen Entitäten auf unserer Erde – ein außerirdischer Besucher würde vermutlich denken, dass unsere Erde in erster Linie eine Viren-Welt ist, weil selbst in winzigen Wasserproben tausendfach mehr Viren als irgendwelche Mikroben vorhanden sind. Man spricht hier auch von der „Virosphäre“ – und die ist auf der Erde extrem viel größer als die eigentliche Biosphäre.Für uns gibt es hier noch viel zu tun. Wann und wie sind Virionen auf der Erde entstanden? Gibt es mehrere Szenarien, oder nur eines? Entstehen heute auch neuartige Viren, wenn sich Bakterien genetisch reduzieren oder genetisches Material verlieren? Gibt es Viren, die unsere Gesundheit fördern und zum Ziel haben, dass ein Wirt so lange wie möglich überlebt?Die spannendste Frage für mich ist jedoch: Wie verhält sich Information in einem Virus? Wie baut sie sich auf und wie nimmt Information Raum und Zeit in dieser Welt in Anspruch, um sich zu vervielfältigen? Sie merken es schon – bei der Frage nach der Entstehung des Lebens und nach dem Wesen von Viren geht es am Ende vielleicht gar nicht mehr um die Biologie oder Chemie, sondern vielmehr um theoretische Physik und Informationswissenschaft.

Könnten Sie die Rolle der Physik und Informationswissenschaft noch etwas erklären? Welche Methoden und Ausgangsfragen tauchen hier auf?

Aleksandar Janjic: Bei der Frage nach der Entstehung des Lebens steht natürlich erstmal grundsätzlich die Frage, was Leben überhaupt sein soll. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Wesen des Lebens oft über äußere Eigenschaften definiert, was aus heutiger Sicht nicht zielführend ist, auch wenn es in Schul-Lehrbüchern noch immer so steht. Merkmale wie Replikation, Stoffwechsel, Evolution, Wachstum usw. sind oft widersprüchlich, weil es ab und zu lebende Systeme gibt, die diese Merkmale nicht zeigen (z.B. Nervenzellen, die sich nicht replizieren oder Lebewesen, die ihren Stoffwechsel zeitweise komplett auf 0 setzen) – und noch viel schwieriger: Es gibt Phänomene, die uns nicht-lebendig erscheinen, obwohl sie sich replizieren, oder einen Stoffwechsel aufweisen und evolvieren (von Viren, die in der klassischen Biologie nicht als lebendig angesehen werden, über selbstordnende Computersysteme bis hin zu Städten). Bei der NASA spricht man hier auch eigens vom „Problem of Counter Example“.Es ist also dasselbe Problem wie bei dem Wasser vor 500 Jahren: Wenn Menschen vor 500 Jahren das Wesen des Wassers beschreiben wollten, mussten sie sich auf die äußeren Eigenschaften beschränken – also z.B., dass es nass ist und fließt. Das war damals das Wasser. Erst heute haben wir natürlich ein „inneres“ Verständnis über Wasser, und zwar durch die Beschreibung von chemischen Molekülen in Form von H2O. Es ist davon auszugehen, dass uns bei der Beschreibung des Lebens ebenfalls eine „innere“ Beschreibung mehr erzählen wird, als die bloße Auflistung von äußeren Eigenschaften. Hier kommt die theoretische Physik und Informationswissenschaft ins Spiel. Hierbei geht es um Entropie und die Selbstordnung von Information in chemischen Systemen.Einfach gesagt ist die Annahme von mir und Kollegen, dass sich Information in einem Umwelt-Kontext aufbauen kann, wenn genügend Material- und Energieaustausch stattfindet und Systeme sich somit fern des thermodynamischen Gleichgewichts befinden. Was wir versuchen, ist, einen Punkt oder Schwellenwert herauszufinden, ab dem selbstordnende Information so komplex wird, dass eine Selbstorganisation eintritt. Hier geht es wiederum um Begriffe wie Emergenz von Information, also dem Aufstieg neuer Strukturen und Funktionen, die aus dem vorherigen System nicht abzuleiten wäre. In der deutschen Sprache wechselt der Artikel, wenn es sich um einen PC-Virus (der) oder ein biologisches Virus (das) handelt.

Gibt es sonst Verbindungen zwischen diesen Arten von Viren?

Aleksandar Janjic: In beiden Fällen breitet sich Information in einem Umwelt-Kontext aus, wobei im zweiten Fall die Umwelt digital ist. Beide Welten sind faszinierend und sie hängen aus Sicht der Informationswissenschaft inhaltlich zusammen. Computerviren können sich mittlerweile teilweise selbstständig ordnen und vervielfältigen. Generell ist bei Computerwissenschaften immer eine Schnittstelle zur Astrobiologie zu finden: Was ist Leben aus physikalischer Sicht? Wie wird Information kodiert und gibt es hier mehrere Möglichkeiten für Leben (statt DNA und RNA binäre Lebensformen?). Wie entsteht Leben aus physikalischer Sicht aus Informationsmaximierung durch Entropieverlust? Ist auch maschinelles Leben ab einer gewissen Komplexitätsstufe und Selbstorganisation von Information möglich? Wir leben in spannenden Zeiten.

https://www.heise.de/tp/features/Viren-Ursprung-des-Lebens-4714415.html

Astrobiologe Aleksandar Janjić: „Astrobiologie hat nichts mit Ufos zu tun“

„Astrobiologie hat nichts mit Ufos zu tun“

Zwei Bücher hat der Freisinger Astrobiologe Aleksandar Janjić bereits veröffentlicht. Am dritten arbeitet er gerade.

Am dritten Buch Arbeitet der Autor schon, ich bin gespannt. Viele denken bei Astrobiologie eher an Außerirdische, ich nicht. Es ist so wie der Autor sagt. Das Forschungsfeld ist sehr schnelllebig zur Zeit, das ist es in der tat. Außerdem sind spannende Raumsonden zur genaueren Erforschung von Monden und bekannten Exoplaneten geplant, wunderbare Zeiten stehen da bevor. Das wird super und spannend. Die Zeit der Astrobiologen kommt noch, sie müssen nur abwarten.

Christian Dauck

Zwei Bücher hat der Freisinger Astrobiologe Aleksandar Janjić bereits veröffentlicht. Am dritten arbeitet er gerade.

Aleksandar Janjić arbeitet bereits an seinem dritten Buch zu seinem Studienfach. In diesem geht es etwa darum, wie das Leben auf der Erde entstanden sein könnte.

Aleksandar Janjić, 27, ist der jüngste deutsche Wissenschaftsautor. Der Freisinger hat an der TU München studiert, 2018 den Master abgeschlossen. Vor Kurzem ist sein zweites Buch „Astrobiologie – die Suche nach außerirdischem Leben“ erschienen. Ein Gespräch über die Entstehung des Lebens, einen Trip zur NASA und grüne Männchen.

SZ: Sie haben mit 27 Jahren bereits Ihr zweites Buch veröffentlicht, über Astrobiologie. Viele Wissenschaftler beginnen damit erst nach der Promotion. Wie kamen Sie auf den Geschmack?

Aleksandar Janjić: Da ich von Anfang an wusste, dass ich den Doktor an der TU nicht machen werde, war es mir schon früh wichtig, Bücher zu schreiben, um mich da ein bisschen abzukoppeln. Ich hab im Bachelorstudium mein erstes Buch veröffentlicht: „Lebensraum Universum“. Das wurde 2017 veröffentlicht, aber ich hab’s 2016 eigentlich schon zu Ende geschrieben.

Wie ist das Buch zustande bekommen?

Ich hatte einen Kurs, der hieß „Einführung in die Astrobiologie“, da war ich 20 oder 21. Da musste man am Ende drei Artikel über drei verschiedene Themen schreiben. Das erste war „Entstehung des Lebens“, das zweite „Exoplaneten-Forschung“ und das dritte „Sonnensystem-Forschung“, zusammen etwa 60 Seiten. Und dann hab ich mir gedacht: Wenn ich das schon so habe, kann ich das doch an ein populäres Magazin schicken als Artikel, der Prof war da auch voll dafür.

Und dann hab ich das bei Spektrum der Wissenschaft eingereicht. Die fanden das gut, aber es war zu lang, und sie meinten dann: Schick es doch an Springer, das ist ein Verlagspartner von uns. Dort meinten sie dann: Ja, das passt, aber es müssen mehr Seiten sein. Das heißt, ich bin dann noch mal mehr in die Tiefe gegangen, hab mehr ausformuliert und hatte letztlich dann 200 Seiten.

Zwei Jahre später, 2019, standen Sie dann erneut vor der Tür.

Das zweite Buch sollte eigentlich eine zweite Auflage des ersten sein. Ich hatte dann aber so viel mehr Text, dass allein der Mehr-Text schon größer war als das erste Buch. Und daraus ist dann das zweite Buch geworden. Gedauert hat das ungefähr ein halbes Jahr. Schwierig dabei war: Das Forschungsfeld ist sehr schnelllebig zur Zeit, jeden Monat werden Paper veröffentlicht, die etwas revidieren oder konkretisieren.

In Deutschland findet die Astrobiologie noch nicht so viel Beachtung, zumindest gibt es keinen Studiengang, der so heißt.

Das ist in anderen Ländern anders, in den USA oder in den Niederlanden kann man Astrobiology tatsächlich von Anfang an studieren. In Deutschland ist es so: Die meisten Astrobiologen kommen entweder aus der Biologie oder Geologie oder aus der Astrophysik. Oder sie machen es wie ich, dass sie Beides studiert haben.

Womit beschäftigt sich die Astrobiologie?

Das Hauptthema der Astrobiologie ist die Erde: Wie ist das Leben auf der Erde entstanden? Das ist eines der größten Rätsel, wir wissen es immer noch nicht. Wir können es im Labor ansatzweise nachvollziehen. Es gibt auch einen zweiten Sektor: Wie können wir auf dem Mars oder sonst wo Leben nachweisen, sollte es das gegeben haben vor Milliarden Jahren? Und der dritte Sektor, der ist in Garching ganz stark ausgebaut: die Exoplaneten. Wie können wir sie aufspüren und, sollte es dort Leben geben, etwas darüber erfahren? Ist zum Beispiel die Atmosphäre mit Gasen angereichert, die biologischen Ursprungs sind?

Viele denken bei Astrobiologie eher an Außerirdische, manche auch an Verschwörungstheorien. Wie gehen Sie damit um?

Astrobiologie ist wirklich der Wissenschaftszweig, es hat nichts mit Ufos oder grünen Männchen zu tun, überhaupt nicht. Es geht zum Beispiel darum, was man auf dem Mars in zwei Meter Bodentiefe für Fossilien, Mikrofossilien von Mikroben, erwarten würde. Es passiert schon, dass solche Fragen kommen, aber ich seh das locker: Jede Frage ist erlaubt in den Naturwissenschaften, aber wer etwas behauptet, muss auch einen Mechanismus dahinter erklären oder irgendeine Möglichkeit, das wissenschaftlich zu überprüfen. Und wenn jemand völlig dogmatisch argumentiert, dann lass ich die Frage halt beiseite.

Wer fest an Aliens glaubt, lässt sich davon sicher nicht überzeugen.

Dann sage ich: Wieso sollte es das geben müssen? Wir haben einfach noch nicht hinreichend genügend Daten, um solche Schlüsse zu ziehen. Wir haben die Erde als einziges Referenzsystem, damit kann ich statistisch nicht arbeiten. Bei manchen löst das dann ein bisschen Verwunderung aus, die sagen dann: Ach, es gibt doch so viele Sterne, Galaxien … Und ich sage: Woher wollt ihr das wissen, vielleicht ist die Erde ein extrem unwahrscheinlicher Prozess? Ich würde sagen: Ich bin skeptisch und kritisch, bin aber im Herzen ein Agnostiker: Könnte sein, aber weiß ich nicht, und darum tangiert’s mich auch noch nicht.

Sie kommen aus Freising, leben hier auch, trotzdem war Ihr Vortrag kürzlich der erste in der Heimat. Wie kommt’s?

Das ist tatsächlich so. Es hat sich nie wirklich angeboten. Ich war immer deutschlandweit unterwegs bisher wegen meiner Bücher. Gerade bin ich aus Bonn von einer Konferenz zurückgekommen. Europaweit bin ich wegen meiner Forschungsergebnisse unterwegs. Das sind dann auch wirklich Fachkonferenzen. Oder in den USA, da war ich im Juni 2019 bei einer NASA-Konferenz.

Sie arbeiten bereits am dritten Buch.

Es heißt: „Das Phänomen Leben“ und erscheint dieses Jahr. Da geht es allein darum, was Leben ist, naturwissenschaftlich betrachtet. Eine sehr schwierige Frage. Darum, warum das eigentlich kein biologisches, sondern ein physikalisches Thema ist.

Lohnt sich das Schreiben denn finanziell?

Mit den Vortragshonoraren verdiene ich ein bisschen Geld dazu – was natürlich super ist als Absolvent, dass ich schon so eine Nebeneinkunft habe. Auch wenn’s finanziell immer noch schwer ist. Ich wohne tatsächlich noch daheim. Eben deshalb. Aber es ist natürlich schon geplant, die nächsten Jahre raus zu sein, vor 30 noch.

Sie haben zwei Nebenjobs, unter anderem beim Kinderland am Flughafen.

Ich bin da vielleicht drei Mal im Monat. Aber es macht Spaß. Kinder interessieren sich immer für das Thema Planeten und Lebewesen. Das genieße ich schon sehr. Und ich jobbe im Spot Shop ein paar Stunden die Woche. Aber nur bis März, dann geht’s wieder weiter an der Uni.

An der TU arbeiten Sie derzeit von Projekt zu Projekt. Soll das so bleiben?

Ich bin eher der Typ: Familie, Haus, Kinder. Also Projekten weiter hinterher zu ziehen, vor allem, wenn ich dafür nach Köln oder Darmstadt müsste: auf keinen Fall. Auch der Freundeskreis, ich würde das nicht aufgeben für irgendwelche Projekte.

Auch nicht für einen Flug ins All?

Nein, das sollen schön die Maschinen machen.

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/freising/freising-astrobiologie-wissenschaftler-jung-1.4772698

Buch: Astrobiologie – die Suche nach außerirdischem Leben

Ich muss unbedingt mal die Bücher des Autors bestellen bzw. lesen. Seit dem Umzug ist dazu auch die Ruhe da, das wir in den kommenden tagen in Angriff genommen. Ich bin mal gespannt vieles weiß ich ja auch: zukünftige Raumsonden, Teleskope und was auf der ISS gemacht wird, was dieses Forschungsfeld betrifft. Am Computer habe ich einen Ordner „Astrobiologie“ Da kommen Nachrichten, interessante Raumsonden für Asteroiden, Planeten oder Exoplaneten rein. da hab ich zum Beispiel Hayabusa 2, Rosetta, Tess, Cheops und die Marsmissionen usw. Alles was die Astrobiologie weiterbringen kann.

Christian Dauck

Astrobiologie – die Suche nach außerirdischem Leben

  • Vereinigt die Fachdisziplinen Ökologie und Astrophysik
  • Erklärt verständlich Fakten aus wissenschaftlichen Publikationen
  • Präsentiert dem Leser exotische Welten

„Wie können wir in diesem Jahrhundert außeridisches Leben endgültig nachweisen? Sollte es Leben in unserem Sonnensystem geben, wird es in diesem Jahrhundert gefunden werden. Mit diesem Buch wird dem Leser der aktuellste Stand der Astrobiologie verständlich vermittelt und über die heutigen und anstehenden Missionen der Raumfahrtbehörden berichtet. Kommen Sie mit auf die Reise von der Entstehung des Lebens, über die Möglichkeiten von Leben in unserem Sonnensystem, bis hin zu Exoplaneten und fernen erdähnlichen Welten, um das Phänomen des Lebens als planetaren Prozess verstehen zu können.

Verlag: Springer; Auflage: 1. Aufl. 2019 (17. Oktober 2019)

10 Abb., 9 Abb. in Farbe.

ISBN-10: 3662594919

ISBN-13: 978-3662594919

Buchrückseite

Sollte es Leben in unserem Sonnensystem geben, wird es in diesem Jahrhundert gefunden werden. Mit diesem Buch wird dem Leser der aktuellste Stand der Astrobiologie verständlich vermittelt und über die heutigen und anstehenden Missionen der Raumfahrtbehörden berichtet. Kommen Sie mit auf die Reise von der Entstehung des Lebens, über die Möglichkeiten von Leben in unserem Sonnensystem, bis hin zu Exoplaneten und fernen erdähnlichen Welten, um das Phänomen des Lebens als planetaren Prozess verstehen zu können

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Aleksandar Janjic, geboren 1992 in Freising, ist mit der Veröffentlichung seines ersten Buches zu einem der jüngsten Wissenschaftsautoren in Deutschland geworden. Er studierte sowohl Biowissenschaften als auch Astronomie an der Technischen Universität München und ist heute dort in der Forschung tätig. Neben seiner Forschungsarbeit hält er internationale Fachvorträge und arbeitet zudem als Kinderbetreuer.

Extraterrestrische Ozeane: ERC Advanced Grant für Joachim Saur

Einige der Monde der Gasriesen unseres Sonnensystems zählt die Forschung zu den vielversprechendsten Orten für die Suche nach außerirdischem Leben. Unter ihrer eisigen Oberfläche vermutet man nämlich flüssige Ozeane. Im Rahmen des Projekts EXO-OCEANS sollen diese Ozeane nun näher untersucht werden – mit Simulationen und Beobachtungen von der Erde.

Kölner Geophysiker erhält die wichtigste europäische Forschungsförderung / Gefördertes Projekt erforscht Ozeane auf Monden im äußeren Sonnensystem als Grundlage für die Suche nach extraterrestrischem Leben

Der Europäische Forschungsrat (ERC) hat den Kölner Geophysiker Professor Dr. Joachim Saur mit dem ERC Advanced Grant ausgezeichnet. Saur erhält Fördergelder in Höhe von 2,1 Millionen Euro. Der ERC Advanced Grant gilt als der wichtigste Förderpreis der europäischen Forschungslandschaft.

Joachim Saur ist Professor am Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln. Seine Forschung beschäftigt sich mit den Planeten und der Physik des Weltraums. Mit dem ERC Advanced Grant für das Projekt EXO-OCEANS werden Saur und sein Team extraterrestrische Ozeane vornehmlich auf den Monden im äußeren Sonnensystem suchen und erforschen. Die Existenz von flüssigem Wasser gilt als eine der wenigen essentiellen Voraussetzungen für Leben – zumindest so, wie wir es auf der Erde kennen.

Enceladus, ein kleiner Eismond im Orbit um den Gasriesen Saturn, gilt wegen seines unterirdischen Wasserozeans als heißer Kandidat für die Entstehung von Leben jenseits der Erde.
© NASA, JPL / CALTECH / SSI (AUSSCHNITT)
Aktive Geysire am Südpol des Saturnmonds Enceladus | Im Jahr 2005 entdeckte die Raumsonde Cassini aktive Geysire am Südpol des Saturnmondes Enceladus, die dauerhaft Fontänen aus Wasserdampf und feinen Eispartikeln in den Weltraum abgeben.

Mit innovativen Methoden und Techniken, die aus einer Kombination von Computersimulationen und neuen Teleskopbeobachtungen bestehen, plant das Team um Saur, Ozeane auf Saturnmonden (Zum Beispiel Enceladus der ebenso wie andere Monde ein heißer Kandidat ist) und auch außerhalb unseres Sonnensystems zu suchen. Zudem ermöglicht die Forschungsarbeit erstmals detaillierte Analysen der Ozeane auf den Jupitermonden Europa und Ganymed. Bisherige Ansätze konnten auf diesen Jupitermonden Wasservorkommen zwar nachweisen, sind aber an ihre Grenzen gestoßen, wenn es um weitere Charakterisierungen ging.

Das nun geförderte Projekt EXO-OCEANS soll die Erforschung von extraterrestrischen Ozeanen erheblich voranbringen und damit Grundlagen für die Suche nach der Existenz außerirdischen Lebens schaffen. Das Projekt wird zudem wichtige Ergebnisse für die ab ca. 2030 geplanten weiteren Untersuchungen der Jupitermonde Ganymed und Europa durch die ESA und NASA Missionen JUICE und EUROPA CLIPPER liefern.

Die ESA-Mission JUICE soll die Monde des Jupiter erforschen. Bild: JUICE: ESA/ATG medialab, Jupiter: NASA/ESA/J. Nichols (University of Leicester); Ganymed: NASA/JPL; Io: NASA/JPL/University of Arizona; Callisto und Europa: NASA/JPL/DLR
Die Nasa -Mission Europa Clipper. Europa ist im Sonnensystem einer der Geheimtipps, wo Leben entstanden sein könnte. Der Grund, warum die Nasa 2023 unbedingt ihre Mission Europa Clipper dorthin schicken will.

ERC Advanced Grants werden an herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Projekte vergeben, die aufgrund ihres innovativen Ansatzes mit Unsicherheiten verbunden sind, aber bahnbrechende neue Wege in ihrem jeweiligen Forschungsfeld eröffnen können. Gefördert werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die über Jahre konstant erfolgreich auf höchstem Niveau arbeiten.

Joachim Saur studierte Physik und Geophysik an den Universitäten Stuttgart und Köln. Anschließend arbeitete er als Postdoc am Observatoire de la Côte d’Azur (Nizza, Frankreich) und an der Johns Hopkins University (Baltimore, Maryland, USA) sowie als Senior Research Scientist am Applied Physics Laboratory (Laurel, Maryland, USA). 2005 kehrte Saur als Professor an das Institut für Geophysik und Meteorologie nach Köln zurück. In den Jahren 2011 und 2015 hatte er zudem eine Gastprofessur an der Johns Hopkins University inne.

Tanegashima Space Center: Mars Hope der VAE erreicht den Startort auf der japanischen Insel

Der Meilensteintransfer von Dubai unter Aufsicht von Ingenieuren aus den Emiraten dauert 83 Stunden

Dubai: Die Mars Hope Probe der VAE wurde erfolgreich vom Mohammad Bin Rashid Space Center in Dubai zum Startort auf der japanischen Insel Tanegashima gebracht.

Hope erreicht japanische Insel

Die Ankündigung wurde am Samstag von Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, Vizepräsident und Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate und Herrscher von Dubai, getwittert.

Er lobte den Schritt „als eine der wichtigsten Endphasen des Starts der ersten arabisch-islamischen Sonde für den Mars“. Der Transfer erfolgte unter der Aufsicht eines Teams von Ingenieuren aus den Emiraten in einem Prozess, der 83 Stunden ununterbrochene Arbeit in Anspruch nahm, twitterte Sheikh Mohammed.

Trotz der weltweiten Reisebedingungen und der globalen Gesundheitsvorkehrungen arbeiten die Ingenieure der Emirate weiterhin nach dem genehmigten Zeitplan für die Fertigstellung des wichtigsten wissenschaftlichen Weltraumprojekts in der Region, sagte er.

Die Sonde wurde in weniger als dem weltweit üblichen Zeitraum entwickelt (nur sechs Jahre im Vergleich zu zehn) und zum halben Preis, fügte Sheikh Mohammed in einer Reihe von Tweets hinzu. Ein Video und Bilder, die den historischen Transfer dokumentieren, wurden ebenfalls geteilt.

Ziel ist es, die Sonde im Juli zu starten, wobei die unbemannten Menschen irgendwann im Jahr 2021 die Marsatmosphäre erreichen, um sie in beispiellosen Details zu untersuchen.

Scheich Mohammed sagte, die Errungenschaft sei ein Wendepunkt für die arabische und islamische Welt im Weltraum. Er fügte hinzu, dass das Erreichen des Mars nicht nur ein wissenschaftliches Ziel sei, sondern auch die Botschaft an die neue Generation in der arabischen Welt, dass „wir fähig sind und dass nichts unmöglich ist“.

Quelle: https://gulfnews.com/uae/science/uaes-mars-hope-probe-reaches-launch-site-on-japan-island-1.71172701

Tolle Eindrücke vom Transport der Raumsonde zum Tanegashima Space Center (Japan) :

Diese Teams wollen 2020 zum Mars starten

Gleich von 3 Raumfahrt-Teilnehmern bzw. Teams wird der rote Planet im diesem Jahr Besuch bekommen. Das sind:

  1. die US-Raumfahrtorganisation NASA mit dem Rover „Perseverance“ („Ausdauer“).
  2. die chinesische Raumfahrtbehörde CNSA mit der Sonde „Tianwen-1“. („Himmlische Fragen“ oder „Fragen an den Himmel“ bedeutet).
  3. die Raumfahrtorganisation der Vereinigten Arabischen Emirate mit der Sonde „al-Amal“ („Hoffnung“).
Planet Mars

1. NASA – Baut auf Erfahrungen und bewährte Technik

Die NASA hat bereits einige Erfahrung am Mars sammeln können und ist somit der erfahrenste Teilnehmer. Schon 1976 schaffte ihre „Viking 1“ die erste, weiche Mars-Landung und damit nicht genug: Es folgten weitere Mars-Missionen von „Pathfinder“ über „Opportunity“ bis zu den aktuellen Mars-Fahrzeugen Curiosity-Rover und Insight-Lander.

Der als „Perseverance“ bezeichnete neue Mars-Rover verwendet unter anderem denselben Typ Hitzeschild sowie in modifizierter Version Abstiegsstufe und Skycrane, der auch bei Curiosity zum Einsatz kam. Nur die Räder sind beim neuen Gerät robuster. Mit einer „Supercam“ soll das Fahrzeug chemische und mineralische Analysen durchführen, also das Marsgestein untersuchen. Ein bodendurchdringendes Radar soll zudem die Geologie des Mars-Untergrunds erkunden. Im Experiment „MOXIE“ soll dann Kohlendioxid aus der Atmosphäre in Sauerstoff umgewandelt werden.

Mit an Bord des Rovers ist ein kleiner Helikopter, der demonstrieren soll, dass ein autonomer, kontrollierter Flug in der dünnen Mars-Atmosphäre möglich ist.

Gab es jemals Leben auf dem Mars? Darum geht es der NASA hauptsächlich mit ihrem Flug zum Mars. Nur der Nasa ist es gelungen erfolgreich auf den Mars zu landen.

2. Chinas CNSA – Erste interplanetare Mission

Die chinesische Raumfahrtbehörde China National Space Administration (CNSA) ist noch recht neu im Raumfahrt-Business. Dennoch macht China der NASA und ESA einige Konkurrenz, so konnte Anfang 2019 ein chinesisches Raumschiff als erstes auf der Rückseite des Mondes landen. Auch ist die Nation in den vergangen Jahren mehrmals erfolgreich mit einer Kombination aus Orbiter, Lander und Rover auf dem Mond gelandet. Eine Mars-Mission ist für China Neuland aber trotzdem ist sie ein ernstzunehmender Mars-Teilnehmer.

Eine Rakete vom Typ „Langer Marsch“ soll die Sonde „Tianwen-1“ zum roten Planeten schießen. Es handelt sich um eine Kombination aus Mars-Orbiter, -Lander und -Rover, wie bei den vorherigen erfolgreichen Mondmissionen. Sie soll Technologien erproben zum Abstieg durch die Atmosphäre des Mars und zur Mars-Landung. Und sie soll lernen sich autonom auf der Marsoberfläche zu bewegen.

Weitere Forschungsziele der Mars-Mission sind die geologische Zusammensetzung des Planeten und eine Kartografie dessen. Zudem soll die chinesische Sonde das Weltraumwetter messen, Marsgestein untersuchen und das Magnet- und das Schwerefeld untersuchen.

Für China wäre der Start zwar keine Premiere, die Sonde Yinghuo-1 („Leuchtkäfer-1“) war November 2011 Huckepack mit der russischen Mars-Sonde Fobos-Grunt gestartet, die scheiterte und nie den Erdorbit verlassen hat und somit im Januar 2012 in die Erdatmosphäre eintrat und über dem Pazifik verglühte. Im Alleingang soll es nun besser klappen und wäre wenn der Start klappt erstmals ein Flug zu einem Planeten für die aufstrebende und erfolgreiche Weltraumnation.

3. VAE – Der Newcomer

Die Überraschungsteilnehmer sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Ihre Raumsonde „al-Amal“ („Hoffnung“) soll mit einer japanischen Trägerrakete ins All geschossen werden. Bei Erfolg würde es die erste Mars-Mission eines westasiatischen Landes werden mit muslimischer und arabischer Bevölkerungsmehrheit.

Pünktlich zum 50. Jahrestag der Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate 2021 soll die Mars-Landung stattfinden.Die Sonde soll das tägliche Klima auf dem Mars messen und erforschen, warum der Planet große Teile seiner Atmosphäre verloren hat.

Der Mars 2020: Missionen im Überfluss

2021 sollen 2 von den 3 Mars-Missionen auf dem roten Planeten landen. Wenn sie es schaffen. Denn der Flug zum Mars und die Landung darauf sind kein Kinderspiel. So oder so dürfte es aber ein spannendes Jahr für die Raumfahrt und deren Geschichte werden. 2020 ist ein Jahr des Aufbruchs zum Mars.

Chinas erste Mars-Erkundungsmission bekommt Name und Logo

Chinas erste Mars-Erkundungsmission wurde Tianwen-1 genannt, teilte die chinesische

Raumfahrtbehörde (CNSA) am Freitag, dem chinesischen Weltraumtag (24 April), mit.

Planetenmissionen der Chinesen werden zukünftig unter dem Namen „Tianwen“ geführt. Diese Marsmission erhält daher den Namen Tianwen-1

Der Name stammt von dem Gedicht „Tianwen“, das „Himmlische Fragen“ oder „Fragen an den Himmel“ bedeutet und von Qu Yuan (ca. 340-278 v. Chr.), einem der größten Dichter des alten China, geschrieben wurde. In dem Gedicht stellt der Dichter Fragen zu den Sternen und anderen Himmelskörpern.

China: Staatsfernsehen

Das Logo für die Mars-Mission und zukünftigen Planeten-Missionen sieht so aus:

Marsmission: Vereinigte Arabische Emirate (VAE) liefern Raumsonde früher nach Japan

3 von 4 Raumsonden (China, USA und VAE) sind noch im Renne für einen Start im Juli zum Mars. So viele wie noch nie. Über Newcomer freue ich mich außerdem immer, egal aus welchen Land.

Christian Dauck
Sheikh Mohammed bin Rashid, Vice President and Ruler of Dubai, and Sheikh Hamdan bin Mohammed, Crown Prince of Dubai, witness the installation of the final piece of the Hope Probe which will be launched to Mars in Jul.

Ein von den Vereinigten Arabischen Emiraten entwickelter Mars-Orbiter wird diese Woche an seinen Startort in Japan geliefert. Die Startvorbereitungen sind von der Coronavirus-Pandemie betroffen.

Die Emirates Mars Mission, ein Orbiter, der auch als Hope bekannt ist, soll während eines dreiwöchigen Startfensters, das am 14. Juli geöffnet wird, mit einer H-2A-Rakete aus Japan starten. Das Raumschiff wird Anfang 2021 in die Umlaufbahn um den Mars fliegen, um die zu untersuchen Marsatmosphäre.

Die Vorbereitungen für den Start liefen gut, sagte Omran Sharaf, Projektleiter der Mission, in einer Präsentation am 17. April bei einem Online-Treffen der Mars Exploration Program Analysis Group (MEPAG) der NASA. Das Raumschiff absolvierte im vergangenen Dezember Umwelttests in den USA und wurde dann für eine letzte Reihe von Tests nach Dubai transportiert.

Ursprüngliche Pläne sahen vor, diese Tests im Mai abzuschließen und das Raumschiff dann zur endgültigen Startvorbereitung an das japanische Raumfahrtzentrum Tanegashima zu schicken. Die Pandemie veranlasste das Missionsmanagement jedoch, das Schiffsdatum auf den 20. April zu verschieben.

„Die Entscheidung wurde früh getroffen, dass wir das Raumschiff so schnell wie möglich zum Startort versenden müssen, da die Reisebeschränkungen gelten“, sagte er, beispielsweise die Anforderungen an internationale Reisende zur Selbstquarantäne. „Wir mussten im schlimmsten Fall den Betrieb aufnehmen.“

Zu diesen Vorbereitungen gehörte die Entsendung eines Voraus-Teams von Ingenieuren nach Japan, die sich bei Eintreffen des Raumfahrzeugs außerhalb der Quarantäne befinden und sofort mit der Arbeit am Raumfahrzeug beginnen können. Diejenigen, die mit dem Raumschiff nach Japan reisen, werden zwei Wochen lang unter Quarantäne gestellt, bevor sie an den Startvorbereitungen teilnehmen können.

„Dies fügte einer Mission, die bereits eine Herausforderung darstellte, eine weitere Komplexität hinzu“, sagte er. Die Mission ist die erste zum Mars durch die VAE und ein Eckpfeiler der wachsenden Weltraumambitionen des Landes.

Sharaf sagte, die Regierungen der Vereinigten Arabischen Emirate und Japans unterstützten die Pläne, das Raumschiff trotz der als Reaktion auf die Pandemie verhängten Sperren zu versenden. „Wir haben alle erforderlichen Genehmigungen erhalten, und jetzt müssen wir nur noch das Raumschiff versenden“, sagte er.

Eine Verschiebung des Schiffsdatums, sagte er, bedeutet, dass einige Raumfahrzeugtests nicht durchgeführt werden. „Wir mussten uns nur auf die kritischen Tests konzentrieren und die zusätzlichen Tests entfernen“, sagte er. „Es wäre gut gewesen, einige dieser Tests zu haben, aber wir mussten uns darauf konzentrieren, die kritischen zu absolvieren.“

Hope ist eine von drei Mars-Missionen, die voraussichtlich diesen Sommer starten werden. Der Mars 2020-Rover der NASA startet am 17. Juli mit einem United Launch Alliance Atlas 5 von Cape Canaveral aus. Die NASA ergreift besondere Maßnahmen, um die Mission während der Pandemie im Zeitplan zu halten . Huoxing-1, eine chinesische Mars-Mission mit Orbiter, Lander und Rover, soll ebenfalls im Juli starten, obwohl die chinesische Regierung in letzter Zeit nur wenige Informationen über den Status der Mission veröffentlicht hat.

Eine vierte Mission sollte ursprünglich auch in diesem Sommer starten. Die Europäische Weltraumorganisation und Roscosmos gaben jedoch am 12. März bekannt, dass sie die ExoMars-Rover-Mission auf 2022 verschieben würden, da nicht genügend Zeit vorhanden war, um die Avionik und die Fallschirme des Raumfahrzeugs zu qualifizieren.

Selbst ohne diese technischen Probleme hätte die Pandemie die Mission wahrscheinlich verzögert, sagte Jorge Vago, ExoMars-Projektwissenschaftler, während einer separaten Präsentation auf dem MEPAG-Treffen.

„Wären wir Mitte März in der Lage gewesen, noch einen Start für 2020 anzustreben, wäre dies inzwischen unmöglich gewesen“, sagte er. „Unser Raumschiff wird an mehreren Orten in Europa und Russland gebaut. Wenn wir also Tests durchführen müssen, müssen Menschen aus vielen Ländern an einem Ort zusammenkommen, um an den Tests teilnehmen zu können. Dies wurde im letzten Monat stark gestört. “

Die Mission arbeitet derzeit an verschiedenen Themen, um einen Start im Jahr 2022 zu unterstützen, beispielsweise an der Verstärkung der Scharniere an den Sonnenkollektoren des Raumfahrzeugs. Das Projektteam untersucht auch Flugbahnen für den Start im Jahr 2022, die es dem Raumschiff ermöglichen, früh genug am selben Tag in derselben Marsregion, Oxia Planum, zu landen, damit seine Sonnenkollektoren seine Batterien vor Einbruch der Dunkelheit aufladen können.

ExoMars muss noch Fallschirmtests durchführen. Laut Vago haben sich die Tests des Fallschirmsystems, die im März in Oregon stattfinden sollten, durch die Pandemie verzögert. Darüber hinaus verschieben sich die Winde an diesem Teststandort im Mai, was die Tests mindestens bis Ende September verschieben würde. „Das ist ein bisschen blöd“, sagte er.

Quelle: https://spacenews.com/uae-mars-mission-to-ship-to-launch-site/

Exoplaneten: CHEOPS bereit für Wissenschaftsbetrieb

Nächster Meilenstein für CHEOPS: Nach umfangreichen Tests in der Erdumlaufbahn, die wegen der Coronakrise vom Missionspersonal teilweise vom Homeoffice aus durchgeführt werden mussten, wurde das Weltraumteleskop für wissenschaftsreif erklärt. CHEOPS steht für «CHaracterising ExOPlanets Satellite» und dient der Untersuchung bereits bekannter Exoplaneten, um unter anderem zu bestimmen, ob auf ihnen lebensfreundliche Bedingungen herrschen. Eine Medienmitteilung der Universität Bern.

CHEOPS ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der Schweiz unter Leitung der Universität Bern in Zusammenarbeit mit der Universität Genf. Am Mittwoch, 25. März 2020 erklärte die ESA nach fast drei Monaten umfangreicher Tests und mitten in der Ausgangssperre zur Eindämmung des Coronavirus das Weltraumteleskop CHEOPS für wissenschaftsreif. Mit diesem Erfolg übergab die ESA die Verantwortung für den Betrieb von CHEOPS an das Missionskonsortium, das sich aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und aus Ingenieurinnen und Ingenieuren von rund 30 Institutionen aus 11 europäischen Ländern zusammensetzt.

Erfolgreicher Abschluss der CHEOPS-Testphase trotz Coronakrise
Der erfolgreiche Abschluss der Testphase erfolgte in einer sehr herausfordernden Zeit, in der der fast das gesamte Missionspersonal seine Arbeit im Homeoffice verrichten musste. «Möglich wurde der Abschluss der Testphase nicht zuletzt dank dem vollen Einsatz aller Beteiligten und durch die Tatsache, dass die Mission über eine weitgehend automatisierte Betriebskontrolle verfügt, die es ermöglicht, auch von zu Hause aus Befehle zu senden und Daten zu empfangen», sagt Willy Benz, Astrophysikprofessor an der Universität Bern und Hauptverantwortlicher des CHEOPS-Konsortiums.

Von Anfang Januar bis Ende März testete und kalibrierte ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Ingenieurinnen und Ingenieure, Technikerinnen und Techniker CHEOPS ausgiebig. «Wir waren begeistert, als wir feststellten, dass alle Systeme wie erwartet oder sogar besser als erwartet funktionierten», erzählt die CHEOPS-Instrumentenwissenschaftlerin Andrea Fortier von der Universität Bern, die das Inbetriebnahme-Team des Konsortiums leitete.

Hohe Anforderungen an Messgenauigkeit
Das Team konzentrierte sich zunächst auf die Beurteilung der photometrischen Leistungen des Weltraumteleskops. CHEOPS ist als Gerät von extremer Präzision konzipiert worden, das in der Lage ist, Exoplaneten von der Grösse der Erde zu entdecken. «Der kritischste Test bestand darin, die Helligkeit eines Sterns auf eine Abweichung von 0,002% (20 Millionstel) genau zu messen», erklärt Willy Benz. Diese Präzision ist erforderlich, um die Verdunkelung durch den Durchgang eines erdgrossen Planeten vor einem sonnenähnlichen Stern (ein als «Transit» bezeichnetes Ereignis, das mehrere Stunden dauern kann), gut zu erkennen. CHEOPS sollte auch demonstrieren, dass es dieses Niveau an Präzision während zwei aufeinanderfolgenden Tagen halten könnte.

CHEOPS übertrifft Anforderungen
Um dies zu verifizieren, zielte das Team auf einen Stern namens HD 88111. Der Stern liegt 175 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Hydra, und es ist nicht bekannt, ob ein Planet um ihn kreist. CHEOPS nahm alle 30 Sekunden während 47 aufeinanderfolgenden Stunden ein Bild des Sterns auf (siehe Abbildung 1), Jedes Bild wurde sorgfältig analysiert, zuerst durch eine spezialisierte automatische Software, dann durch die Teammitglieder, um anhand der Bilder die Helligkeit des Sterns so genau wie möglich zu bestimmen. Das Team erwartete, dass sich die Sternhelligkeit während der Beobachtungszeit aufgrund einer Vielzahl von Effekten etwas verändern würde, wie beispielsweise durch andere Sterne im Sichtfeld, durch leichte Zitterbewegungen des Satelliten oder durch den Einfluss der kosmischen Strahlung auf den Detektor.

Abbildung 1: Aufnahme von CHEOPS des Sterns namens HD 88111. Der Stern liegt 175 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Hydra, und es ist nicht bekannt, ob ein Planet um ihn kreist. CHEOPS nahm alle 30 Sekunden während 47 aufeinanderfolgenden Stunden ein Bild des Sterns auf. (Bild: ESA/Airbus/CHEOPS Mission Consortium)

Die Helligkeit des Sterns, die aus den 5’640 von CHEOPS über 47 Stunden aufgenommenen Bilder bestimmt wurde, ist in Abbildung 2 als «Lichtkurve» dargestellt. Die Kurve zeigt die durchschnittliche Veränderung in den Messungen der Helligkeit, deren mittlere quadratische Abweichung 0,0015% (15 Millionstel) beträgt. «Die von CHEOPS gemessene Lichtkurve war somit erfreulich flach. Das Weltraumteleskop übertrifft damit die Anforderung, die Helligkeit auf eine Abweichung von 0,002% (20 Millionstel) genau messen zu können», sagt der CHEOPS Mission Manager Christopher Broeg von der Universität Bern.

Abbildung 2: Die Helligkeit aus den 5’640 von CHEOPS über 47 Stunden aufgenommenen Fotos des Sterns namens HD 88111 als «Lichtkurve» dargestellt. (Bild: ESA/Airbus/CHEOPS Mission Consortium)

Ein Exoplanet, der schwimmen würde

Das Team beobachtete zahlreiche weitere Sterne, darunter einige, von denen bekannt ist, dass Planeten um sie kreisen, sogenannte Exoplaneten. CHEOPS zielte auf das Planetensystem HD 93396, das 320 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild der Sextans liegt. Dieses System besteht aus einem riesigen Exoplaneten namens KELT-11b, der 2016 entdeckt wurde und der in 4,7 Tagen den Stern HD 93396 umkreist. Der Stern ist fast dreimal so gross wie die Sonne. Das Team wählte dieses spezielle System, weil der Stern so gross ist, dass der Planet lange braucht, um vor ihm vorbeizuziehen, nämlich fast acht Stunden. «Dies gab CHEOPS die Gelegenheit, seine Fähigkeit zu demonstrieren, lange Transitereignisse einzufangen. Diese sind vom Boden aus nur schwer zu beobachten sind, weil die Nächte, in denen es möglich ist, acht Stunden lang mit hoher Qualität zu beobachten, sehr selten sind», erklärt Didier Queloz, Professor am Departement für Astronomie an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Genf und Sprecher des CHEOPS-Wissenschaftsteams. Die erste Transitlichtkurve von CHEOPS ist in Abbildung 3 dargestellt; der durch den Planeten verursachte Einbruch in der Kurve tritt etwa neun Stunden nach Beginn der Beobachtung auf.

Abbildung 3: Die Lichtkurve, die die erste Transiterkennung eines Exoplaneten durch CHEOPS zeigt. Der Exoplaneten KELT-11b kreist in 4,7 Tagen um den Stern HD 93396. Der durch den Exoplanten verursachte Einbruch in der Kurve beginnt etwa neun Stunden nach dem Beginn der Beobachtung. Unten: Residuen, die man durch Subtraktion der Lichtkurve (rote Kurve oben) von den CHEOPS Datenpunkten erhält.
(Bild: CHEOPS Mission Consortium)

Der von CHEOPS gemessene Transit von KELT-11b erlaubte es, die Grösse des Exoplaneten zu bestimmen. Er hat einen Durchmesser von 181’600 km, den CHEOPS mit einer Genauigkeit von 4’290 km messen kann. Der Durchmesser der Erde beträgt nur etwa 12’700 km, derjenige des Jupiters dagegen – des grössten Planeten unseres Sonnensystems – 139’900 km. Der Exoplanet KELT-11b ist also grösser als Jupiter, mittlerweile ist er aber fünfmal weniger massiv als dieser, was eine extrem geringe Dichte bedeutet: «Dieser Exoplanet würde in einem Aquarium schwimmen, das gross genug ist», sagt David Ehrenreich, CHEOPS-Projektwissenschaftler von der Universität Genf. Die geringe Dichte wird der Nähe zwischen diesem Exoplaneten und seinem grossen Stern zugeschrieben. Abbildung 4 zeigt eine Skizze des ersten von CHEOPS erfolgreich beobachteten Transitplanetensystems.

Abbildung 4: Grafik des ersten Transitplanetensystems, das von CHEOPS erfolgreich beobachtet wurde. Die farbigen Kreise zeigen die relative Grösse des Sterns (farbig) zum transitierenden Planeten (schwarz), für den Fall von HD 93396 (orange) und seinem Planeten
Kelt-11b und zum Vergleich die Sonne (gelb), die Erde und den Jupiter.
(Bild: CHEOPS Mission Consortium)

Diese Messungen von CHEOPS seien fünfmal genauer als solche von der Erde aus, sagt Benz. «Dies gibt einen Vorgeschmack, was wir mit CHEOPS in den kommenden Monaten und Jahren erreichen können», so Benz weiter.

CHEOPS – Auf der Suche nach potenziell lebensfreundlichen Planeten

Die CHEOPS-Mission (CHaracterising ExOPlanet Satellite) ist die erste der neu geschaffenen «S-class missions» der ESA (small class Missions mit einem ESA-Budget unter 50 Mio) und widmet sich der Charakterisierung von Exoplaneten-Transiten. CHEOPS misst die Helligkeitsänderungen eines Sterns, wenn ein Planet vor diesem Stern vorbeizieht. Aus diesem Messwert lässt sich die Grösse des Planeten ableiten und mit bereits vorhandenen Daten daraus die Dichte bestimmen. So erhält man wichtige Informationen über diese Planeten – zum Beispiel, ob sie überwiegend felsig sind, aus Gasen bestehen oder ob sich auf ihnen tiefe Ozeane befinden. Dies wiederum ist ein wichtiger Schritt, um zu bestimmen ob auf einem Planeten lebensfreundliche Bedingungen herrschen.

Cheops: the science begins

CHEOPS wurde im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der ESA und der Schweiz entwickelt. Unter der Leitung der Universität Bern und der ESA war ein Konsortium mit mehr als hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Ingenieurinnen und Ingenieuren aus elf europäischen Nationen während fünf Jahren am Bau des Satelliten beteiligt.

CHEOPS hat am Mittwoch, 18. Dezember 2019 an Bord einer Sojus-Fregat-Rakete vom Europäischen Weltraumbahnhof Kourou, Französisch-Guyana, seine Reise ins Weltall angetreten. Seither umkreist CHEOPS die Erde innerhalb von ungefähr anderthalb Stunden in einer Höhe von 700 Kilometer entlang der Tag-Nacht-Grenze.

Der Bund Schweiz beteiligt sich am CHEOPS-Teleskop im Rahmen des PRODEX-Programms (PROgramme de Développement d’EXpériences scientifiques) der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Über dieses Programm können national Beiträge für Wissenschaftsmissionen durch Projektteams aus Forschung und Industrie entwickelt und gebaut werden. Dieser Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Industrie verschafft dem Werkplatz Schweiz letztlich auch einen strukturellen Wettbewerbsvorteil – und er ermöglicht, dass Technologien, Verfahren und Produkte in andere Märkte einfliessen und so einen Mehrwert für unsere Wirtschaft erbringen.

CHEOPS im Orbit. © ESA – ATG medialab