Mission Tianwen-1: China startet Rakete für seine erste Landung auf dem Mars

China will zum Mars – und auch gleich auf dem Planeten landen. Am Weltraumbahnhof Wenchang sind ein Orbiter und Landegerät gestartet. Sie sollen ihr Ziel im Februar erreichen.

China ist an Donnerstag (Ortszeit) erfolgreich zum Mars gestartet.

Damit nimmt auch China als 2 von 3 Teilnehmer offiziell beim Mars-Marathon 2020, teil.

Super, China dabei zu haben. Genauso wie bei der VAE ist es auch Chinas erstes erste interplanetare Mission. Wettbewerb, je mehr desto besser: Gut für die Erforschung des Mars und zukünftige Missionen ins Weltall.

Auch gut für die Wirtschaft sowie Unternehmen, Firmen, die an der Raumfahrtforschung und Technologie Arbeiten.

Christian Dauck
Start der chinesischen Marsmission vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan

China hat eine Rakete mit einem Raumschiff zu seiner ersten Landung auf dem Mars gestartet. Die Trägerrakete vom neuen, leistungsstarken Typ „Langer Marsch 5“ hob am Donnerstag vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab. Das fünf Tonnen schwere Raumschiff besteht aus einem Orbiter, einem Landegerät und einem Gefährt von der Größe eines Golfwagens.

Anders als andere Raumfahrtnationen will China schon bei seiner ersten unabhängigen Marsmission versuchen, auf dem Roten Planeten zu landen. Das Raumschiff soll im Februar den Mars erreichen, die Landung aber erst zwei, drei Monate danach erfolgen. Der Name „Tianwen-1“ kann mit „Fragen an den Himmel“ übersetzt werden und ist einem antiken chinesischen Gedicht entlehnt.

China’s inaugurates first Mars exploration mission Tianwen-1 in southern Hainan Province

Gelingt die Mission, wäre China nach den USA die zweite Nation, die auf dem Mars landet und einen Rover betreibt. Russland war zwar 1971 eine Landung gelungen, aber die Kommunikation brach unmittelbar nach dem Aufsetzen ab. Eine Landung auf dem Mars gilt als besonders riskant. Bisher ist nur die Hälfte aller Versuche gelungen.

Chinas Mission ist eine von drei Flügen zum Mars in diesem Sommer. Zwischen Juli und August ist der Mars der Erde am nächsten – so eine Konstellation gibt es nur alle zwei Jahre. Der chinesische Start war mit Spannung erwartet worden. Denn bei der neuen Rakete vom Typ „Langer Marsch 5“ hatte es einige Fehlschläge gegeben.

Arabische Mission und ein amerikanischer Roboter

Am Montag hatten die Vereinigten Arabischen Emirate mithilfe einer japanischen Rakete die erste arabische Marssonde ins All geschickt. Im Februar 2021 soll die Sonde nach sieben Monaten ihre Umlaufbahn um den Roten Planeten erreichen – sie soll aber nicht landen. Ziel der arabischen Mission ist es, das erste vollständige Bild des Marsklimas über ein komplettes Marsjahr zu erfassen, das 687 Tage umfasst. Die 1350 Kilogramm schwere Raumsonde soll unter anderem die Atmosphäre sowie Wetterveränderungen und den Wechsel der Jahreszeiten beobachten. 

In einer Woche wollen auch die USA ein Raumschiff starten, um mit dem etwa eine Tonne schweren Rover „Perseverence“ (Durchhaltevermögen) auf dem Mars zu landen. Der Roboter soll wie auch schon seine Vorgänger Fotos machen und Steine sammeln. „Der Rover soll nach Spuren von früherem Leben suchen, neue Technologien für die Zukunft menschlicher Exploration testen und die ersten Steinproben sammeln, die wieder zur Erde zurückgebracht werden sollen“, heißt es bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/china-startet-rakete-fuer-seine-erste-landung-auf-dem-mars-a-a0061229-9009-4b0f-b48d-274038b7bea0

Rover hat Bodenradar und Laser

An Bord der Landekapsel ist ein 240 kg schwerer, solarbetriebener Rover, etwa doppelt so schwer wie der Yutu Rover der chinesischen Mondmissionen und damit auch größer als die Rover Spirit und Opportunity, die jeweils eine Masse von 185 kg hatten. An Bord des Rovers sind neben einer Multispektralkamera mit neun Farbfiltern auch ein Magnetfeldsensor und eine Wetterstation mit Mikrofon. Dazu kommen ein Bodenradar zur Untersuchung des Untergrunds und ein Sensorpaket zur Untersuchung der Zusammensetzung von Oberfläche.

Ein Bodenradar hatten auch schon die Yutu Mondrover. Im Frequenzbereich von 55 MHz könnte es Messungen bis in eine Tiefe von 100 Meter durchführen, wenn der Untergrund aus Eis besteht. In normaler Erde sind es etwa 10 Meter. Im zweiten Frequenzbereich um 1.300 MHz reicht das Radar bis in 3 Meter tiefe Erde.

Das Sensorpaket zur Oberflächenuntersuchung besteht aus einem Laser, der Proben auf der Oberfläche in einer Entfernung von bis zu 10 Metern verdampfen kann, die normale Reichweite beträgt zwei bis fünf Meter. Damit sollen Elemente wie Silizium, Aluminium, Eisen, Magnesium, Kalzium, Natrium, Sauerstoff, Kohlenstoffe, Wasserstoff, Mangan, Titan und Schwefel nachgewiesen werden. Dazu kommt noch ein Spektrometer für nahes Infrarot im Spektralbereich von 850 bis 2.400 Nanometer.

Der Orbiter ist mit einer Reihe ähnlicher Instrumente wie der Rover ausgestattet. Neben Kameras sind auch Spektrometer für optisches und infrarotes Licht an Bord, ein Radar im Bereich von 10 bis 20 MHz und 30 bis 50 MHz sowie ein Magnetometer. Dazu kommen noch zwei Sensoren zur Messung von Teilchen im Orbit sowohl aus der Marsatmosphäre als auch des Sonnenwindes, um deren Zusammenspiel zu untersuchen und die Verlustprozesse der Marsatmosphäre zu studieren. Tianwen-1 wird im Januar am Mars ankommen, der Versuch der Landung ist dann für März oder April geplant.

Quelle: https://www.golem.de/news/raumfahrt-china-startet-groesste-marsmission-aller-zeiten-2007-149827.html

China greift nach dem Mars

Die Mars-Mission „Tianwen-1“ soll zwischen dem 20. und 25. Juli 2020 mit einer „Langer Marsch 5“-Rakete vom Kosmodrom Wenchang in China zum Mars aufbrechen. 

Mars-Mission: China will hoch hinaus

Noch im Juli will China seine erste Mars-Mission starten. Das Raumfahrtprogramm der Volksrepublik läuft trotz Corona-Krise auf Hochtouren – und weitgehend im Verborgenen.

In der kargen Dünenlandschaft der Wüste Gobi hat die chinesische Firma C-Space eine Weltraumstation namens „Mars Base 1“ errichtet. Angehende Astronauten und Schulklassen auf Exkursion können in den weißen Kuppelgebäuden lernen, wie der Alltag im All ausschaut – vom Tragen gasdichter Raumanzüge bis hin zur Zucht von Fadenwürmern für die Eiweißzufuhr. Selbst futuristische Space-Buggys stehen zum Fahren in der rötlichen Sandwüste bereit.

Noch im Juli sollen die Mars-Ambitionen Realität werden: China startet in den kommenden Tagen seine erste Mars-Mission. „Tianwen“ heißt das Mammutprojekt, dessen Flugdauer mehrere Monate dauern wird. Schließlich gilt es, eine Distanz von rund 55 Millionen Kilometern zu überwinden. Ziel ist es, dass ein etwa 240 Kilogramm schweren Rover auf dem Roten Planeten landen soll. Bislang ist das nur den USA gelungen. Sollte die Mission scheitern, bietet sich erst in 26 Monaten eine erneute Chance: Dann steht die Erde wieder günstig für die Flugbahn zum Mars.

Prestigeträchtiges Propagandaprojekt

Längst hat die chinesische Staatsführung ihr Weltall-Programm zur Chefsache erklärt, es untersteht dem Militär und wird streng geheim vorangetrieben. Das jährliche Budget soll laut Schätzungen über acht Milliarden US-Dollar betragen, womit es weltweit nach den Vereinigten Staaten an zweiter Stelle steht. Für die kommunistische Partei sind die Space-Ambitionen nicht nur ein wichtiger wirtschaftlicher Wachstumsmotor, sondern auch ein prestigeträchtiges Propagandaprojekt.

1970 feuerten die Chinesen ihre erste Rakete mit einem Satelliten an Bord ins All – damals noch mit Hilfe der sowjetischen Ingenieurskunst. Im Jahr 2003 gelang es der Volksrepublik dann erstmals, einen Menschen in die Erdumlaufbahn zu schießen – Astronaut Yang Liwei ist seitdem ein Star, der die Bevölkerung mit Stolz erfüllt. Der bisher größte Meilenstein Chinas erfolgte im Januar, als erstmals die Landung einer Sonde auf der erdabgewandten Seite des Mondes gelang. Seitdem hat der 140 Kilogramm schwere Kundschafter in 17 Monaten über 400 Meter zurückgelegt. Derzeit schickt zudem kein anderes Land der Welt mehr Satelliten ins All, im vergangenen Jahr gab es über 30 chinesische Starts.

Missionen zu Jupiter und Uranus sind in Planung

Die Zukunftspläne der chinesischen Raumfahrt sind ambitioniert: Missionen zu Jupiter und Uranus sind in Planung, ebenso wie die Errichtung einer Forschungsstation am südlichen Polarkreis des Monds. Gleichzeitig will man noch bis Ende 2022 die erste permanente Weltraumstation fertigstellen – sollte die ISS 2024 abdanken, würden die Chinesen über die einzige bemannte Raumstation verfügen.

Dies ist umso erstaunlicher, da es dem Reich der Mitte aufgrund nationaler Sicherheitsbedenken von Washington untersagt ist, Bauteile von US-Firmen zu integrieren. Gleichzeitig hat Peking einen strategischen Vorteil: Da es im Land keine freien Wahlen gibt, kann Präsident Xi Jinping seine Vision von China als führende Weltallmacht kontinuierlich vorantreiben, ohne Debatten über die Sinnhaftigkeit des sündhaft teuren Programms von Seiten der Zivilgesellschaft fürchten zu müssen.

Quelle: https://www.rheinpfalz.de/panorama_artikel,-mars-mission-china-will-hoch-hinaus-_arid,5087682.html


China greift nach dem Mars

In den nächsten Tagen schickt die Volksrepublik eine Sonde zu unserem Nachbarplaneten. Es ist eine sehr anspruchsvolle Mission – und ein ganz besonderes Geschenk zum 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei.

Mars und seine Monde (künstlerische Darstellung)
© DOTTEDHIPPO / GETTY IMAGES / ISTOCK (AUSSCHNITT)

Als zwei Raketenfrachter Ende Mai im Hafen der südchinesischen Insel Hainan einliefen, war klar, dass China seine wichtigste Raumfahrtmission des Jahrzehnts trotz Coronakrise nicht aufgegeben hat: eine Landung auf dem Mars. Die Schiffe lieferten eine schwere Langer-Marsch-5-Trägerrakete ans Kosmodrom Wenchang. Von dort soll die Rakete die Marssonde irgendwann in den nächsten Tagen in Richtung Roter Planet befördern.

Der Plan: Nach einer etwa acht Monate langen Reise erreicht Tianwen-1 (»Suche nach himmlischer Wahrheit«) unseren Nachbarplaneten und schwenkt für einige Wochen in eine Umlaufbahn ein. Nach einem Abbremsmanöver durch die Atmosphäre koppelt die Sonde ein Landemodul samt Überschallfallschirm ab. Mit Hilfe von Bremsraketen und einem Airbag setzt es wenig später weich auf der Oberfläche auf – und lässt dort einen Rover auf den roten Sand rollen.

Sieben Minuten Terror, mal wieder

»Die größte Herausforderung sind die sieben Minuten des Schreckens«, zitiert das staatliche Internetportal CIIC Bao Weimin, Direktor beim Hersteller der Sonde, der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC). Bao bezog sich damit auf eine Redewendung, die die NASA im Jahr 2012 bei der Landung ihres Rovers Curiosity prägte. Sie soll das große Unbehagen der Missionsspezialisten greifbar machen, die während der rund siebenminütigen Landephase nicht eingreifen können. Schließlich brauchen Funkkommandos von der Erde deutlich länger, bis sie den Mars erreichen.

Tianwen-1
© PICTURE ALLIANCE / AP PHOTO / XINHUA / CHINESE STATE ADMINISTRATION OF SCIENCE, TECHNOLOGY AND INDUSTRY FOR NATIONAL DEFENSE (AUSSCHNITT)Tianwen-1 | Der chinesische Marslander, hier als künstlerische Darstellung zu sehen, soll einen kleinen Rover auf dem Roten Planeten absetzen.

Wohl auch aus diesem Grund hat sich China ein vergleichsweise einfaches Landegebiet ausgesucht: Es handelt sich um eine Ellipse von ungefähr 100 mal 400 Kilometer Größe in der weitgehend flachen Tiefebene Utopia Planitia, auf etwa 20 Grad nördlicher Breite. Schon eine der Viking-Sonden der NASA setzte hier in den 1970er Jahren auf.

Ziel der Mission ist, gut drei Monate lang die Marsatmosphäre zu untersuchen, seine Oberfläche zu kartografieren und die Umgebung des Landeplatzes zu erforschen. Dafür befinden sich an Bord von Lander und Rover insgesamt zwölf Instrumente. Aus der Umlaufbahn wird die Hälfte der Geräte auf dem Orbiter Bilder aufnehmen, Magnetfelder messen sowie Partikel bestimmen.

Die andere Hälfte der Experimente befindet sich auf dem etwa 240 Kilogramm schweren, sechsrädrigen Rover. Er soll die Bodenbeschaffenheit und das Wetter untersuchen. Er hat auch ein Bodenradar an Bord, zur geologischen Untersuchung der obersten Bodenschichten, sowie ein Gerät, das via Laserspektroskopie die umgebende Boden- und Gesteinszusammensetzung kontaktlos bestimmen kann.

Aufstieg in die Spitzenklasse der Raumfahrt

Falls China seine Marspremiere gelingt und der Rover die Arbeit aufnimmt, wäre es nach den USA erst das zweite Land, das erfolgreich ein Fahrzeug auf dem Mars ausgesetzt hat. Raumfahrtkenner vermuten verschiedene Motive hinter dem Vorstoß zu unserem Nachbarplaneten: »Wie für uns in Europa ist Wissenschaft auch in China eine der Säulen der Gesellschaft«, sagt Bernard Foing, Wissenschaftler bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. »Zudem soll eine Marsmission China als führende Weltraumnation bestätigen.«

Daneben geht es um innerchinesische Interessen. Die Kommunistische Partei Chinas feiert kommendes Jahr ihren 100. Geburtstag. Das erklärt nicht nur die energisch durchgezogenen Startvorbereitungen, sondern auch den Missionszeitpunkt an sich. Die Partei möchte sich gewissermaßen selbst ein Geschenk machen und gleichzeitig ihren Führungsanspruch untermauern. »Die Botschaft an die Chinesen ist ›Schaut her, wozu dieses Land in der Lage ist!‹«, sagt Foing. »China ist ein Land, das aus vielen verschiedenen Kulturen besteht. Die Mission soll nationale Einigkeit demonstrieren.«

Landestellen auf dem Mars (Höhenkarte)
© ESA / MOLA SCIENCE TEAM (AUSSCHNITT)Landungen auf dem Mars | Stand Juni 2020 haben nur US-amerikanische Sonden eine sanfte Landung auf dem Mars absolviert. Zuletzt scheiterte der europäische Minilander Schiaparelli im Oktober 2016. Verschiedene Farbtöne auf der Karte zeigen die Höhe der jeweiligen Region an (blau: Senke, rot: Erhöhung).

Der wissenschaftliche Wert der Mission ist aus Sicht der Parteiführung wohl eher nachrangig. »China möchte Weltmacht sein«, sagt Maurizio Falanga, der bis 2019 Exekutivdirektor am International Space Science Institute in Peking war. »Für mich ist das daher im Wesentlichen eine Technologiedemonstration. Die Mission führt vielleicht an einen neuen Ort und untersucht dort zum ersten Mal das Gestein. Aber ich denke nicht, dass dabei etwas revolutionär Neues herauskommen wird.«

Aus diesem Grund ist die Technik auf dem Lander auf den Erfolg der Mission fokussiert, sie ist eher betont robust als besonders modern. So verwendet der Lander bereits geflogene und damit bewährte Technologie: Konzept für Hitzeschild und Fallschirm stammen von der bemannten Shenzou-Raumkapsel, die Triebwerke vom Mondlander Chang‘e.

Mehr Wissenschaft als gedacht

Dennoch sollte man den Erkenntnisgewinn nicht unterschätzen, findet ESA-Forscher Foing: »NASA und ESA haben ein Bodenradar zwar schon aus der Marsumlaufbahn betrieben, aber noch nicht auf einem Rover«, sagt er. »Selbst wenn der Rover und seine Instrumente nicht so modern sind, wie die der US-Missionen, so fliegt Tienwen immer noch zu einem sehr interessanten Ort.« So könne es in der anvisierten Tiefebene beispielsweise verborgenes Eis im Boden geben.

Bleibt die Frage, wie groß die Chancen auf Erfolg sind. Schließlich ist der Mars eines der anspruchsvollsten Ziele in der Raumfahrt, das Risiko eines Fehlschlags entsprechend hoch. Die zahlreichen Versuche der ehemaligen Sowjetunion, in den 1970er Jahre auf dem Mars zu landen, scheiterten allesamt. Selbst Europa hat es bislang nicht geschafft, ein Landemodul intakt auf der Marsoberfläche abzusetzen – 2016 ging ein entsprechender Versuch schief.

Experten unterscheiden bei Marsmissionen zwei verschiedene Phasen: den Raketenstart von der Erde und die tatsächliche Landung. Erstere wird China wohl gut bewältigen, sagt Maurizio Falanga: »Bei Raketen kann man den Chinesen nichts mehr beibringen.« Schließlich handele es sich um 50 bis 60 Jahre Technologie, und die Erfolgsquote der Volksrepublik sei insgesamt hoch. Bei der Landung sei das Risiko hingegen deutlich größer, auch weil die Ingenieure wegen des Parteijubiläums auf einen fixen Termin hinarbeiten mussten. »Wenn Sie ausreichend getestet haben, können sie es schaffen«, findet Falanga.

Immer vorausgesetzt, China verpasst das Zeitfenster nicht: Nur wenn eine Sonde in den kommenden Wochen startet, reicht der Treibstoff ihrer Trägerrakete, um sie bis zum Mars zu befördern. Der Transit zum Roten Planeten ist daher lediglich alle zwei Jahre möglich, wenn Mars und Erde günstig zueinander stehen. Aus demselben Grund startet dieser Tage nicht nur China eine Marsmission, sondern auch die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Sollte die Landung von Tianwen-1 misslingen, wäre das wohl nicht das Ende des chinesischen Marsprogramms, vermutet Falanga. Wenn die Landung der Chinesen dagegen glückt, wird sie von noch ambitionierten Zielen abgelöst werden: Für Ende des Jahrzehnts peilt die Volksrepublik an, eine Bodenprobe zur Erde zurückzubringen. Das hat bisher nicht einmal die NASA fertig gebracht.

https://www.spektrum.de/news/china-greift-nach-dem-mars/1751918

Marsmission Tianwen 1-Transportschiffe Yuanwang 21 und 22 verlassen Tianjin

Übersetzung: „In China verschwenden wir wirklich keine Zeit, die beiden Transportschiffe Yuanwang 21 und 22 verlassen Tianjin bereits in Richtung Wenchang, mit Long March 5 an Bord, um Tianwen 1 im März dieses Sommers zu starten! Sie sollten um den 20. Mai ankommen.“

Yuanwang 21 Richtung Hainan
Yuanwang 22 Richtung Hainan

Herrlich entspannend und schön anzusehen die Schiffsposition. Yuanwang 21 und 22 verlassen Tianjin in Richtung Wenchang, mit Long March 5 an Bord, für die Marsmission Tianwen 1.

Man kann ja über die China Politik streiten, aber die Arbeitsmoral ist enorm. Und nebenbei baut man einfach mal eine Parabolantenne mit 70 Metern Durchmesser in Tianjin zur Unterstützung der chinesischen Marsmission Tianwen-1, auf. Hier zulande würden sich die Politiker jahrelang streiten und Umwelt und Bau Genehmigungen genauso lange dauern. Die Chinesen machen das einfach und ziehen ihr ding durch. Das gefällt mir sehr. Verschwenden wirklich keine Zeit

China launches redesigned manned spaceship with new heavy rocket

Mit dem erfolgreichen Start der „Langer Marsch 5B“ ist der weg frei für Chinas ambitioniertes Weltraumpogramm: Bemannte Flüge, Aufbau einer Raumstation, Mondmission Change 5 (Probenrückführung) und der bevorstehenden Mars-Mission. Kann sich die ESA ein beispiel dran nehmen. Hoffentlich schafft China die Marslandung, dann sollte die ESA doch mal mit China zusammenarbeiten. Wie dumm, China vom Projekt der Internationalen Raumstation (ISS) auszuschließen.

Ein guter Tag für China und der weltweiten Raumfahrt und das zu Corona Zeiten. Unmöglich, für Corona ist haufenweise Geld da und arbeiten Länder zusammen. Für eine Marslandung und Klimaschutz nicht. Für das Geld und dem zusammen halt der Länder in Corona-Zeiten, hätten wir es geschafft Menschen auf dem Mars zu bringen oder eine Mondstation zu bauen.

Ich freue mich sehr für China, hoffentlich gibt es eine Schub in der weltweiten Raumfahrt. Wer weiß was China in Zukunft noch alles erforschen wir: Planeten, Monde – Es ist toll ein weiteren Player zu haben der mitmischt. Mit China im Weltraum, das wird super und noch spannender.

USA mit Atlas V und Japan mit H-IIB haben noch ein Start im Mai. Danach konzentriert man sich auch dort auf den zusammenbau der Raketen Atlas V der ULA und Japan die H-IIA, für die bevorstehenden Mars-Missionen. Der nächster Start einer Langen Marsch 5 („normale“ Variante, keine 5B) ist voraussichtlich im Juli 2020 die Mars-Mission Tianwen-1. Leider lässt sich nicht vorab mit Sicherheit sagen welche Version für Chinas Mars Mission benutzt wird, normale Variante oder 5B, die Angaben im Internet (News) sind da oft widersprüchlich.

Long March-5B launch

Photo by Tu Haichao

China’s manned space program has taken another step forward by launching a new generation manned spaceship with a new type of heavy rocket.

The Long March-5B rocket was launched on Tuesday at 6 p.m. BJT (10:00 UTC) from the Wenchang Space Launch Site.

The rocket is the fourth variant of the Long March-5 (LM-5) series. With the letter B added to its name, the rocket has been modified to make it capable of sending the test model of China’s new manned spaceship.

What’s new?

The biggest difference between LM-5 and 5B is that the 5B only has one and a half stages compared to two of the LM-5.

The „half stage“ consists of four 3.35-meter-diameter boosters attached to the core stage.

With the modification applied, the 5B became three meters shorter and about 20 tons lighter than the LM-5. The rocket is nearly 54 meters in height, about the size of the 18-story building.

The lack of additional stages makes it harder to be launched to the correct height. Since it can only be ignited once, there’s no way to re-maneuver it after the initial launch. Everything has to be perfect.

The engines of the rocket are also new models. Two YF-77 hydrogen oxygen engines were installed in the core stage, and two YF-100 kerosene and liquid oxygen engines were installed for each of the four boosters.

The four boosters on the LM-5B heavy rocket. /Photo by Tu Haichao

What is a heavy rocket?

Heavy rockets are different from normal rockets due to their larger capacity. A heavy rocket can carry more than 20 tons of payloads, like satellites, probes and spaceships. The capacity is larger than 10 average-sized cars.

The LM-5B rocket has the biggest boost power in the Long March series. It can deliver no less than 22 tons of payload at a time to low-earth orbits (LEO). It’s main focus will be a 200 to 400 kilometer orbit near Earth.

Other rocket makers around the world also build heavy rockets, including the Falcon Heavy from SpaceX, the Ariane series from European Space Agency (ESA) and many more.

What’s the payload?

The rocket carries a test model of China’s manned spaceship designed for the future space station.

Early test of China’s new manned spaceship /CGTN

The redesign focused mainly on safety measures and a more comfortable living condition for astronauts.

The model is nine meters long and can hold as many as seven astronauts. But in this mission, it carries no one since it’s only a test.

The ship will stay in space for two days making multiple automatic orbit maneuvers.

What’s more, the new ship is reusable thanks to its modular design. The thermal-protective coating and be reapplied after being burned-out during re-entry.

China startet erstmals Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“

Raumfahrtbahnhof Wenchang: China startet erstmals Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B". Die Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B" startet vom Raumfahrtbahnhof Wenchang.

China hat den Mond, den Mars und den Bau einer Raumstation im Visier. Eine neue Generation von Raumschiffen und Raketen wird getestet. Die Astronautenkapsel soll sogar zehnmal wiederverwendet werden können.

Peking (dpa) – Chinas leistungsstärkste Rakete vom neuen Typ „Langer Marsch 5B“ hat einen Prototyp für die künftige Generation bemannter chinesischer Raumschiffe ins All gebracht. Die 53 Meter hohe Rakete hob am Dienstag erfolgreich vom Raumfahrtbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab.

Bei dem Flug wird das neue chinesische Raumschiff getestet, das sogar bis zu sechs Astronauten fassen kann. Der Start war ursprünglich im April geplant gewesen, hatte aber wegen technischer Probleme verschoben werden müssen.

Ein erfolgreicher Test von Rakete und Astronautenkapsel sind wichtige Voraussetzungen für das ehrgeizige Raumfahrtprogramm Chinas, das Flüge zum Mond, zum Mars und den Bau einer Raumstation plant. Die Rakete ist eine veränderte Version der „Langer Marsch 5“, die nach zwei Fehlschlägen wegen Problemen mit den Triebwerken bei früheren Flügen schließlich im Dezember erfolgreich getestet worden war.

„Langer Marsch 5B“ kann mehr als 20 Tonnen Gewicht in eine Erdumlaufbahn bringen. Damit zählt sie zu den tragfähigsten Raketen der Welt und wird mit der amerikanischen „Delta IV Heavy“ oder „Falcon 9“, der europäischen „Ariane 5“ oder der russischen „Proton-M“ verglichen. In dem 20,5 Meter langen und 5,2 Meter breiten Laderaum steckt das neue Raumschiff. Es soll in eine Umlaufbahn in 8000 Kilometer Höhe gehen und dann mit hoher Geschwindigkeit wieder zur Erde zurückkehren.

Der Flug wird Schlüsseltechnologien für den Wiedereinstieg in die Erdatmosphäre, das dafür nötige neue Hitzeschild und auch Fallschirme und Airbags testen, wie das Raumfahrtprogramm berichtete. Chinas bisherige „Shenzhou“-Raumschiffe benutzten Raketendüsen, um harte Landungen abzufedern, was aber als Belastung für die Astronauten gilt. Die Landung erwarten amerikanische Raumfahrtexperten schon am Mittwoch zwischen 7.00 und 8.00 MESZ nahe des Raumfahrtzentrums Jiuquan in der Inneren Mongolei.

Die Landung erwarten amerikanische Raumfahrtexperten schon am Mittwoch zwischen 7.00 und 8.00 MESZ nahe des Raumfahrtzentrums Jiuquan in der Inneren Mongolei.

Die 21 Tonnen schwere Kapsel ist 8,8 Meter lang und hat einen Durchmesser von fünf Metern. Wenn nur drei Astronauten mitfliegen, können noch 500 Kilogramm Fracht zugeladen werden. Vor dem Wiedereinstieg in die Atmosphäre wird das Versorgungsmodul abgetrennt. Die Rückkehrkapsel soll bis zu zehnmal wiederverwendet werden können. Dafür kann das Hitzeschild abgenommen werden. Es ist drei- bis viermal größer als bei den bisherigen Raumschiffen. Seit 2003 hat China sechs bemannte Raumflüge unternommen.

Die Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ soll auch bei der ersten chinesischen Mars-Mission zum Einsatz kommen. Der Start ist im Juli oder August geplant. Das Raumschiff soll im Februar den Mars erreichen. Nach einem Gedicht des antiken chinesischen Dichters Qu Yuan wird es „Tianwen 1“ genannt – übersetzt etwa „Fragen an den Himmel“. Geplant ist die Landung eines Rovers auf dem Mars.

Zum Ende dieses Jahres ist mit der Rakete auch ein weiterer unbemannter Flug zum Mond geplant. Erstmals in der Geschichte des chinesischen Raumfahrtprogramms soll „Chang’e 5“ Gesteinsproben von dem Erdtrabanten zurückbringen.

Im nächsten Jahr soll die Rakete das Kernmodul sowie weitere Teile für den Bau der geplanten chinesischen Raumstation ins All bringen. Sollte die Internationale Raumstation (ISS) wie geplant 2024 ihren Dienst einstellen, wäre China dann die einzige Nation mit einem bemannten Außenposten im All. Es gibt aber auch Spekulationen, dass die ISS vielleicht länger in Betrieb bleibt.

MOND UND MARS:Chinas Raumfahrt trotzt Covid-19

Neue Raketen, neue Raumschiffe, neue Missionen zu Mond und Mars: Die chinesische Raumfahrt hat dieses Jahr viel vor. Größtes Hindernis bei alldem ist nicht unbedingt ein Virus.

orona? War da was? Nicht, wenn es nach einem kleinen chinesischen Entdecker geht. Yutu-2, so der Name des Kundschafters, zeigt sich unbeeindruckt von der aktuellen Krise. Er läuft und läuft und läuft. Genauer gesagt: Er rollt. Über die Rückseite des Mondes, und das seit mehr als 14 Monaten. Unbeirrt.

Im Januar 2019 war dem »Jadehasen«, so der deutsche Name des Roboterfahrzeugs, die weltweit erste Landung auf der erdabgewandten Seite des Mondes geglückt – gemeinsam mit seiner Muttersonde Chang’e-4. Seitdem hat der 140 Kilogramm schwere Rover gut 400 Meter zurückgelegt und längst einen Ausdauerrekord für Mondfahrzeuge aufgestellt. Allen irdischen Wirren zum Trotz.

Yutu-2 ist damit nicht allein. Auch die anderen Raketen und Sonden des chinesischen Raumfahrtprogramms bewältigen – nach allem, was man im Westen mitbekommt – die Coronakrise ohne schwer wiegende Probleme. Entsprechend groß sind die Ambitionen der chinesischen Parteiführung: Noch 2020 plant die Volksrepublik den ersten Start einer eigenen Marssonde, den Jungfernflug eines neuen Raumschiffs und den Beginn einer weiteren Mondmission, die dieses Mal lunare Bodenproben zur Erde bringen soll. Insgesamt stehen mehr als 40 Starts auf der Agenda. Es scheint, als könnte kein Virus das chinesische Raumfahrtprogramm aus der Bahn werfen. Technische Probleme bei den Raketen könnten das allerdings sehr wohl.

Die Technik macht nicht immer mit

So wie am 16. März 2020. Ohne Vorwarnung und ohne großes Aufheben hatte China seine neueste Rakete, Typ Langer Marsch 7A (LM-7A), zur Startrampe in Wenchang gerollt. Dort, ganz im Südwesten des Landes, auf der Insel Hainan, bietet sich eine freie Schussbahn über das Südchinesische Meer. In der Vergangenheit war das anders: Chinas ursprüngliche Trägerraketen hoben allesamt von Startrampen im Landesinneren ab. Zudem vertrauten sie auf hochgiftige, so genannte hypergole Treibstoffe mit Namen wie UDMH und NTO. Nach wie vor sind einige dieser Raketen in Betrieb sind, so dass noch immer ausgebrannte Tanks und Triebwerke auf Dörfer herabstürzen – mitsamt ihrer giftigen Fracht.

Diese Gefahr besteht in Wenchang nicht. Und doch gab es am 16. März 2020 eine böse Überraschung: Zwei Stunden nach dem Start vermeldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua reichlich wortkarg, dass der Flug fehlgeschlagen sei – ohne Gründe zu nennen.

Was die USA einst schnell, aber sporadisch umgesetzt haben, macht China nun langsam und methodisch
(Joan Johnson-Freese)

Für die Volksrepublik war das mehr als ein peinlicher, aber verschmerzbarer Rückschlag. Schließlich besteht die neue LM-7A aus Komponenten mehrerer anderer, wichtiger Raketen. Die so genannte Oberstufe, die Satelliten in ihre gewünschte Umlaufbahn bugsiert, stammt zum Beispiel von der Langer Marsch 3B, dem aktuellen Arbeitspferd für chinesische Satellitenstarts. Noch schlimmer wären Probleme mit den Triebwerken der Hauptstufe. Denn die kommen von der Langer Marsch 5 (LM-5) – und sie soll das Jahr 2020 zum Jahr der chinesischen Raumfahrt machen.

Heißer Sommer

Der Höhepunkt steht dabei im Sommer an, sofern der aktuelle Fehlstart nicht zu Verzögerungen führen sollte: Ende Juli will China seine erste interplanetare Mission starten. Es soll zum Mars gehen, und zwar mit dem vollen Programm: einem Orbiter, der auf seiner Umlaufbahn wissenschaftliche Messungen durchführt, einer Landesonde und einem etwa 240 Kilogramm schweren Rover.

Tiangong-2 in der Montagehalle
© CHINA MANNED SPACE ENGINEERING OFFICE (AUSSCHNITT)Tiangong 2 in der Montagehalle | Mit einer Länge von rund zehn Metern ist Tiangong 2 eine recht kleine Raumstation. Ihre Dimensionen und die Form entsprechen dem Vorgänger Tiangong 1, der im September 2011 gestartet ist und zweimal von Astronauten Besuch erhielt.

Einfach wird das nicht. Bislang ist es nur US-Sonden gelungen, sanft und nachhaltig auf dem Mars aufzusetzen: Die Atmosphäre des Roten Planeten ist zwar so dick, dass sich Sonden beim Eintritt in die Lufthülle stark aufheizen. Sie ist allerdings zu dünn, um Raumfahrzeuge ausreichend abzubremsen. Marssonden brauchen daher einen Hitzeschild, Bremsfallschirme und Bremsraketen.

Copy und Paste

China hofft, bei all dem auf Erfahrungen seiner anderen Raumfahrtprogramme zurückgreifen zu können, wie Andrew Jones in der Fachzeitschrift »IEEE Spectrum« berichtet. Die vollautomatische Steuerung der Landesonde, angesichts einer Signallaufzeit zum Mars von acht Minuten unabdingbar, wollen Chinas Ingenieure von Chang’e-4 übernehmen, der erfolgreichen Landung auf der abgewandten Seite des Mondes. Die Bremsfallschirme sollen auf jener Technik basieren, die Chinas Astronauten an Bord ihrer Shenzhou-Raumkapseln bereits sechsmal sicher zurück zur Erde gebracht hat.

Die Bremsraketen und die eigentliche Landetechnik stammen schließlich wieder aus dem Mondprogramm: Etwa 70 Meter über dem Marsboden soll sich die Sonde vom Rest des Raumfahrzeugs trennen, erklärt Chefdesigner Zhang Rongqiao im chinesischen Staatsfernsehen. Sie soll dank ihrer Triebwerke schweben und mit Lasern sowie optischen Kameras einen hindernisfreien Landeort aussuchen. Klappt die anschließende Landung, dann wird der Rover etwa 90 Tage lang den Mars mit Kameras beobachten sowie mit Radar, Magnetometer und Klimadetektor erkunden. Mit Hilfe eines Lasers soll das Fahrzeug zudem Gesteinsbrocken beschießen und anhand der dabei entstehenden Lichtblitze die Zusammensetzung des Materials analysieren.

Bislang seien Bau und Vorbereitung der Mars-Sonde wie geplant verlaufen, so Xinhua: »Die Coronavirus-Epidemie hat die Tests nicht beeinträchtigt, und die Techniker tun alles, um den Erfolg der Mission zu garantieren.« Viel Spielraum haben die Ingenieure allerdings nicht: Verpasst die Sonde ihr Startfenster im Sommer, ergibt sich erst 26 Monate später wieder eine Möglichkeit, auf direktem Weg zum Mars zu fliegen.

Der Druck ist groß, insbesondere auf die Langer Marsch  5. Denn schon einmal hat die Schwerlastrakete Chinas Startpläne durcheinandergebracht: Im Juli 2017 verhinderte eine defekte Pumpe, dass die LM-5 ihre geplante Umlaufbahn erreichte. Die Triebwerke mussten komplett überarbeitet werden. Erst 900 Tage später, kurz vor dem letzten Jahreswechsel, gelang wieder ein Start.

Die Erleichterung bei den chinesischen Raumfahrtfunktionären muss groß gewesen sein, schließlich wird die Langer Marsch 5 nicht nur für den Mars benötigt. Auch Chinas nächstes Crew-Raumschiff soll mit einer leicht modifizierten Variante der Rakete, LM-5B genannt, ins All starten. Angeblich ist ein erster Testflug – noch ohne Menschen an Bord – für Mitte oder Ende April geplant.

Chinas Mondrover namens Jadehase
© CHINA NATIONAL SPACE ADMINISTRATION (CNSA) (AUSSCHNITT)Der Jadehase | Chinas Mondrover bekommt auf alle Fälle schon eine Anerkennung für den nettesten Namen: Jadehase, chinesisch: Yutu. Das Gefährt nimmt die Mondoberfläche genauer in Augenschein und knipst neue Bilder.

Die Neuentwicklung wird dringend benötigt: Bislang sind Chinas Raumfahrer bei ihren Flügen ins All auf die engen Shenzhou-Kapseln angewiesen, in denen nur drei Crewmitglieder Platz finden. Das neue, noch namenlose Raumschiff soll hingegen Raum für vier bis sechs Astronautinnen und Astronauten bieten. Vor allem aber soll es – im Gegensatz zu Shenzhou – Flüge über die Erdumlaufbahn hinaus ermöglichen: zum Mond und in die Tiefen des Alls, auch wenn die chinesische Staatsführung dafür noch keine konkreten Pläne verkündet hat.

»Diese Fähigkeiten zeigen, dass China es ernst meint mit der astronautischen Raumfahrt«, sagt Sicherheitsforscherin Joan Johnson-Freese vom Naval War College im Branchendienst Space.com. Was die USA einst »schnell, aber sporadisch« umgesetzt hätten, mache China nun »langsam und methodisch«.

Ein neues Raumschiff

Zu diesem Vorgehen passt auch der geplante Testflug: Etwa 8000 Kilometer soll sich der Prototyp des neuen, bis zu 20 Tonnen schweren Raumschiffs beim Jungfernflug von der Erde entfernen – weit genug, um auf dem Rückweg mit hohem Tempo in die Erdatmosphäre einzutauchen. Dabei wollen die chinesischen Ingenieure nicht nur die Manövrierfähigkeit der Kapsel testen, sondern auch die Leistung des neuen Hitzeschilds, der Bremsfallschirme und der Airbags für die Landung. Abgesehen vom Hitzeschutz soll die Raumkapsel zudem wiederverwendbar sein – auch das ein Novum in Chinas Raumfahrt.

Die LM-5B ist allerdings nicht nur für Flüge der namenlosen Kapsel gedacht. Man werde die Rakete auch nutzen, um eine neue Raumstation in der Erdumlaufbahn aufzubauen, so Chefentwickler Yang Qing im Staatsfernsehen. Ein Prototyp des zentralen Stationsmoduls namens Tianhe (»himmlische Stille«) soll bereits im Januar für weitere Tests nach Wenchang gebracht worden sein.

Trotzdem bleibt unklar, wann genau die Missionsplaner mit dem Aufbau der Station beginnen wollen – dem mittlerweile dritten chinesischen Außenposten im All. Eigentlich hätte Tianhe bereits 2018 abheben sollen, was durch den damaligen Fehlschlag der LM-5 allerdings unmöglich geworden war. Nun könnte es 2021 so weit sein. Bereits ein Jahr später soll die bis zu 100 Tonnen schwere Station mit ihren drei Modulen dann bezugsfertig sein.

Zuvor will China jedoch noch einen anderen, nicht minder ambitionierten Plan umsetzen. Ende 2020 soll eine LM-5 zu einem Ziel starten, das der Volksrepublik inzwischen wohlvertraut ist: zum Mond. Nach der ersten chinesischen Mondsonde (2007), dem ersten chinesischen Mondrover (2013) und der weltweit ersten Landung auf der Mondrückseite (2019) sollen nun die ersten Bodenproben nach China gebracht werden.

Und noch einmal zum Mond

Ein unbemanntes Raumfahrzeug, Chang’e-5 getauft, soll dazu zum Mond fliegen. Dort wird es aus einer Umlaufbahn eine kleine Tochtersonde absetzen. Die Sonde wird landen und zwei Kilogramm Mondgestein aus bis zu zwei Meter Tiefe in einen Probenbehälter füllen. Dieser Behälter fliegt zurück zur Raumsonde, dockt im Mondorbit automatisch an und macht sich zusammen mit Chang’e-5 auf den Rückweg. Sicher verpackt in einer Kapsel, einer stark verkleinerten Version des Shenzhou-Raumschiffs, soll das Mondgestein schließlich auf der Erde landen – in derselben Region, die auch von Chinas Raumfahrern mit ihren Landekapseln angesteuert wird.

Auch bei dieser Mission, bereits vor 15 Jahren geplant, überlässt die Volksrepublik nichts dem Zufall: Dass China eine Sonde in eine Mondumlaufbahn schießen kann, hat das Land zur Genüge bewiesen. Dass China in der Lage ist zu landen, zeigte zuletzt Chang’e-4. Und dass China auf der Mondoberfläche sinnvolle Dinge erledigen kann, beweist Tag für Tag Yutu-2, der unermüdliche Rover. Selbst die Rückkehrkapsel ist für China kein Neuigkeit mehr: Im Oktober 2014 setzte eine Testsonde, die zuvor den Mond umrundet hatte, einen Prototyp des Behälters etwa 5000 Kilometer über dem Erdboden aus. Wenig später landete die Kapsel sicher in der Inneren Mongolei.

Genau das soll auch dieses Mal passieren – als Krönung eines Raumfahrtjahres, das sich, so die Hoffnung der Kommunistischen Partei, durch ein irdisches Virus nicht vom Kurs abbringen lässt.

Chinas erste Mars-Erkundungsmission bekommt Name und Logo

Chinas erste Mars-Erkundungsmission wurde Tianwen-1 genannt, teilte die chinesische

Raumfahrtbehörde (CNSA) am Freitag, dem chinesischen Weltraumtag (24 April), mit.

Planetenmissionen der Chinesen werden zukünftig unter dem Namen „Tianwen“ geführt. Diese Marsmission erhält daher den Namen Tianwen-1

Der Name stammt von dem Gedicht „Tianwen“, das „Himmlische Fragen“ oder „Fragen an den Himmel“ bedeutet und von Qu Yuan (ca. 340-278 v. Chr.), einem der größten Dichter des alten China, geschrieben wurde. In dem Gedicht stellt der Dichter Fragen zu den Sternen und anderen Himmelskörpern.

China: Staatsfernsehen

Das Logo für die Mars-Mission und zukünftigen Planeten-Missionen sieht so aus: